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Ergebnisse des Pilotversuchs Mooswand vorgestellt - Indizien für leicht reduzierende Feinstaub-Wirkung festgestellt

24.07.2018 Umwelt
Die Stadt Stuttgart hat am Dienstag, 24. Juli, die Ergebnisse des Pilotversuchs Mooswand vorgestellt. In der Studie sollte geklärt werden, ob Mooswände auch in städtischen Umgebungen zur Reduktion der Feinstaub-Belastung beitragen können. Die biologischen Untersuchungen zeigen, dass sich auf den Moosblättern Feinstaub-Partikel ablagern, die dann als Nährstoffe aufgenommen werden können. Zudem wurden Indizien für eine leicht reduzierende Wirkung auf die Feinstaub-Belastung festgestellt.

Peter Pätzold, Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, sagte: "Wir haben immer gesagt, wir lassen nichts unversucht, um die Feinstaub-Belastung in Stuttgart zu senken. Mit dem Pilotversuch Mooswand wollten wir unter wissenschaftlicher Begleitung erstmalig herausfinden, ob Moose nicht nur im Labor, sondern auch unter urbanen Bedingungen Feinstaub aufnehmen können. Wir wissen nun, dass das funktioniert. Welchen quantitativen Effekt die Moose auf die Feinstaub-Belastung haben, lässt sich jedoch aufgrund der vielen Randbedingungen nicht eindeutig belegen."

Während des Pilotversuchs leitete das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart die biologischen Untersuchungen an der Mooswand und überprüfte regelmäßig Wachstum und Vitalität der Moose. Für die Experten stellte sich vor allem der Erhalt der Vitalität der Moose als besonders schwierig dar. Sonja Thielen, Projektverantwortliche beim Naturkundemuseum, sagte: "In urbanen Umgebungen, wie stark befahrenen Straßen, ist es sehr schwierig, Moose vital zu halten. Man müsste sie praktisch dauerhaft feucht halten - besonderes während langanhaltenden Trockenperioden in den Sommermonaten. Wir haben zwar Optimierungen an der Bewässerungsanlage der Mooswand vorgenommen, allerdings konnten wir eine dauerhafte Befeuchtung der Moose nicht sicherstellen."

Die umfangreichen Luftschadstoff-Messungen im Umfeld der Mooswand wurden vom Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik der Uni Stuttgart durchgeführt. Der Abteilungsleiter, Dr. Ulrich Vogt, erklärte: "Eine genaue Bestimmung des Effektes der Mooswand auf die Feinstaub-Belastung ist schwierig. Wir konnten zwar eine leichte Wirkung feststellen, allerdings liegt diese in der Größenordnung der Abweichungen durch Messunsicherheiten. Außerdem wissen wir nicht, welche zusätzlichen Einflüsse - wie Verkehrsaufkommen oder Wetter - zur Feinstaub-Belastung beigetragen haben." In jedem Fall konnte kein Nachweis erbracht werden, dass die Mooswand eine reduzierende Wirkung auf die Stickoxid-Belastung habe, so Vogt.

Die Endergebnisse der Wirkungsuntersuchungen wird das Amt für Umweltschutz nun in einem abschließenden Bericht darstellen und im Herbst 2018 öffentlich zur Verfügung stellen.

Hintergrund zur Mooswand

Für den Pilotversuch Mooswand wurde im März 2017 eine ca. 100 Meter lange und 3 Meter hohe Mooswand entlang der Cannstatter Straße in Stuttgart aufgebaut. Ende April 2018 wurden die Moosmatten von der Trägerkonstruktion entfernt, um am selben Standort die Belastung ohne Moose zu messen. Der vollständige Abbau der Mooswand erfolgte Ende Juni 2018.

Die Studie wurde vom Amt für Umweltschutz der Landeshauptstadt Stuttgart in Kooperation mit dem Institut für Tragwerkskonstruktionen und konstruktiven Entwerfen (Design und Planung der Mooswand) und dem Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik (Luftschadstoffmessungen) der Uni Stuttgart sowie dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart (biologische Untersuchungen) durchgeführt.

Für die Umsetzung des auf zwei Jahre angelegten Versuchs hatte der Gemeinderat Mittel in Höhe von 388.000 Euro bereitgestellt. Zudem förderte das Verkehrsministerium Baden-Württemberg die Studie mit 170.233 Euro.

Hintergrund des Versuchs sind wissenschaftliche Laborstudien, die belegen, dass Moose Feinstaub-Partikel aus der Atmosphäre entfernen können und so möglicherweise zur Reduzierung der Feinstaub-Belastungen in stark belasteten urbanen Gebieten beitragen können. Das Besondere an Moosen ist, dass sie nicht nur wie andere Pflanzenarten den Feinstaub auf den Pflanzenoberflächen filtern, sondern Feinstaubpartikel verwerten und in das Pflanzengerüst einbauen und somit dauerhaft den Feinstaub binden können. Vor Beginn des Versuchs fehlte aber ein Nachweis der Wirkung von Moosen unter realen Atmosphärenbedingungen und in urbaner Umgebung.