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Honigbienen erfolgreich aus dem Weidach- und Zettachwald umgesiedelt - Maßnahme zum Schutz der Wildbienen in Stuttgart

17.08.2018 Umwelt
Die Honigbienen der Imker aus dem Weidach- und Zettachwald in Stuttgart-Plieningen konnten erfolgreich umgesiedelt werden. Die Stadtverwaltung hatte die Imker im Frühjahr aufgefordert, Ersatzstandorte für ihre Bienenstöcke zu finden, um dem Rückgang und dem Aussterben der Wildbienen entgegenzuwirken. Veranlasst wurde der Vorgang von der höheren Naturschutzbehörde am Regierungspräsidium Stuttgart.

Der Leiter des Amts für Umweltschutz, Hans-Wolf Zirkwitz, erklärte: "Das Artensterben, insbesondere das Insektensterben, macht auch vor Stuttgart nicht Halt. Vor allem in Ballungsräumen werden die Flächen für Bienenvölker immer kleiner und blütenärmer. Wildbienen finden dort aufgrund der Dominanz der Honigbienen zu wenig Nahrung. Ihre einzige Rückzugsmöglichkeit sind deshalb häufig die Naturschutzgebiete. Die Umsiedlung der Bienenvölker aus Naturschutzgebieten ist daher ein wichtiger Schritt, die Natur und ihre Vielfalt zu bewahren."

Mittlerweile seien fast alle Bienenvölker aus den Naturschutzgebieten umgezogen, sagte Zirkwitz. Das Amt für Umweltschutz habe gemeinsam mit dem Amt für Liegenschaften und Wohnen bei der Suche nach Ersatzstandorten für die Bienenstöcke unterstützt. Glücklicherweise haben die umgesiedelten Bienen die neuen Standorte bereits angenommen, so der Leiter des Amts für Umweltschutz.

Von 270 Wildbienenarten sind in Stuttgart bereits 60 ausgestorben

Die "Biene" kennen viele nur als die völkerbildenden Tiere, die den Honig aufs Brot bringen. Dabei ist die "Biene" nur eine einzige Art - die so genannte Honigbiene (Apis mellifera). Denn es gibt noch über 200 andere Bienenarten - so genannte Wildbienen -, die in Stuttgart herumfliegen. Im Gegensatz zu den Honigbienen, bei denen ein Volk aus mehreren Zehntausend Tieren besteht, lebt die Mehrzahl der Wildbienenarten allein. Die Honigbiene wird seit grauer Vorzeit kommerziell genutzt und wird daher als landwirtschaftliches Nutztier betrachtet. Während der Bestand hier wächst, geht der Bestand der Wildbienen immer weiter zurück.

Laut Artenschutzkonzept der Stadt Stuttgart, das im April erschienen ist, sind von den ursprünglich für Stuttgart bekannten ca. 270 Wildbienenarten bereits etwa 60 Arten ausgestorben. Ein weiteres Viertel ist nach den Roten Listen (diese zeigen den Gefährdungsstatus einer Art an) gefährdet oder auf den Vorwarnlisten. Im Artenschutzkonzept wird auch die wichtige Bedeutung der Wildbienenarten und ihre hohe Sensibilität gegenüber negativen Veränderungen in ihren Lebensräumen betont. Vor allem ist ihre Funktion als Bestäuber, die den Wildbienenarten eine so herausragende Rolle in Ökosystemen verleiht. Mittel- bis langfristig ist es deshalb laut den Experten zwingend erforderlich, das Nahrungs- und Strukturangebot für Wildbienen in der Landschaft wieder zu erhöhen.

Weitere Infos unter: www.stuttgart.de/artenschutzkonzept