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Bürgermeister Dr. Mayer hat Gedenkstein "Lager auf der Schlotwiese 1942 - 1967" enthüllt

02.10.2018 Aktuelles
Der Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung, Kultur und Recht, Dr. Fabian Mayer, hat am Dienstag, 2. Oktober, auf der Schlotwiese in Stuttgart-Zuffenhausen einen Gedenkstein eingeweiht, der an die Lager auf der Schlotwiese erinnert, die dort von 1942 bis 1967 bestanden. Die Festansprache hielt Dr. Mathias Beer vom Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen. Grußworte überbrachten Herbert Hellstern, Ministerialdirigent a.D., Beauftragter des Ministeriums für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg für die heimatvertriebenen Landesleute und Aussiedler, sowie Frank Jung, Leiter des Historischen Archivs der Porsche AG. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch das Trompetenensemble der Stuttgarter Musikschule unter Leitung von Florian Schiessler.
Die Schlotwiese in Stuttgart-Zuffenhausen ist heutzutage ein beliebtes Freizeitgelände. Aber auf der Schlotwiese wurde und wird nicht nur gespielt, gebadet, geklettert, gegärtnert, gespeist und getrunken. Die Schlotwiese hat auch eine vergessene und verdrängte Seite. Von 1942 bis 1967 war sie gleichzeitig ein Ort, an dem mindestens 8000 Menschen ein Leben in Lagern als Opfer der NS-Herrschaft fristen mussten.

Das erste "Barackenlager Schlotwiese" - eines von tausenden in Deutschland - genehmigte die Stadt Stuttgart 1942 den in die NS-Rüstungsproduktion einbezogenen Hirth Motorenwerken. Ein Jahr später errichtete die Stadt östlich davon ein eigenes Lager für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Bei Kriegsende wurden die Barackenlager als Repatriierungslager für tausende von sowjetischen "Displaced Persons", also Heimatlose, genutzt. Dem geplanten Abriss kamen die amerikanischen Militärbehörden zuvor und brachten dort bis zu 1800 Angehörige deutscher Minderheiten aus Südosteuropa unter, die zunächst als Displaced Persons, dann als Staatenlose, Ausländer und schließlich als Vertriebene eingestuft wurden. Es war der Anfang, der sich über weitere zwei Jahrzehnte hinziehenden Geschichte der "hölzernen Barackenstadt" auf der Schlotwiese, "ein Stachel im Fleisch der Stadt", wie es in Akten aus der Zeit heißt. Auch wenn die Gründung der Baugenossenschaft "Neues Heim" 1948 das Ende des Lagers einläutete und den Grundstein für den neuen Stadtteil Stuttgart-Rot legte, verließen erst 1967 die letzten Bewohner die Schlotwiese. Die noch bestehenden Lagergebäude wurden abgerissen, das Gelände eingeebnet.

An die Geschichte der tausenden von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen, Staatenlosen, Ausländern, Flüchtlingen und Vertriebenen erinnert der Gedenkstein auf der Schlotwiese. Er ist das Ergebnis des in der "Arbeitsgemeinschaft Lager auf der Schlotwiese" zusammengeschlossenen gesellschaftlichen Engagements und der Unterstützung durch die Stadtverwaltung Stuttgart und die Porsche AG.

Mit dem Stein kehren die Lager und deren Insassen ins öffentliche Gedächtnis der Bevölkerung des Bezirks und der Stadt zurück. Der Stein schließt eine Lücke der Erinnerung und vervollständigt damit endlich die Geschichte der Schlotwiese, die beides beinhaltet: Freizeitgelände und ehemaliges Lager.