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"Was macht Flucht mit Männlichkeit?" - Ein Blick in fremde Gefilde

14.11.2018 Bürgerengagement
Einen eher ungewohnten Einblick will die Stuttgarter Koordinierungsstelle für Bürgerschaftlich Engagierte in der Flüchtlingsarbeit und die Bildungskoordinationsstelle des Sozialamts der Stadt Stuttgart mit der Veranstaltung "Was macht Flucht mit Männlichkeit?" am Donnerstag, 15. November, 17 bis 19.30 Uhr, im Ausbildungscampus, Jägerstraße 14, wagen. Die Veranstaltung will auf die besondere Situation und Bedürfnisse geflüchteter Männer und Jungen hinweisen, deren Begleitungs- und Unterstützungsbedarf im Verstehen neuer Verhaltensmuster gerne übersehen wird. Sie ist Auftakt einer Qualifizierungsreihe für Engagierte, die als Alltagsbegleiterinnen und -begleiter geflüchtete Jungen und Männer unterstützen wollen.
Da rund zwei Drittel der geflüchteten Menschen Männer sind, ist die "Flüchtlingsfrage" somit auch eine "Männerfrage". Mit dem Ankommen in Deutschland sieht sich die Zielgruppe meist mit großen Veränderungen konfrontiert: In der Heimat klar festgeschriebene (Geschlechter-)Rollen, wie die des Ernährers mit fester Arbeit, werden in Deutschland plötzlich in Frage gestellt. Der Wandel dieser traditionellen Rollenbilder trifft mit dem Verlust von Arbeit, Status und Selbstbestimmung zusammen und stellt viele Männer vor große Herausforderungen.

In der öffentlichen Diskussion sind sie für viele oft nur eine "Problemgruppe", die ein allgemeines Sicherheitsrisiko für die deutsche Gesellschaft darstellt. Dieses negative Bild beeinflusst nicht nur den Blick auf männliche Geflüchtete, sondern auch deren Blick auf sich selbst. Unklare Erwartungen an ein adäquates Verhalten erschwert jungen Geflüchteten unter anderem den Kontakt zu Gleichaltrigen aus anderen Kulturkreisen - auch zu Frauen -, da sie im Umgang mit ihnen zunehmend verunsichert sind und Berührungsängste entwickeln. Die vielschichtige Problematik führt nicht selten zu psychischen Belastungen und Verwirrungen, mit denen Männer glauben, alleine zurechtkommen zu müssen. Engagierte stehen bei der Alltagsbegleitung geflüchteter Männer daher oft vor großen Herausforderungen und sind mit einer Vielzahl von Fragen konfrontiert, die nur selten direkt angesprochen werden.

Diese Qualifizierung der Koordinierungsstelle für Bürgerschaftlich Engagierte des Sozialamts bildet einen Baustein im Rahmen des Landesprogramms "Qualifiziert. Engagiert." Unterstützt wird dieses Projekt durch das Ministerium für Soziales und Integration aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg. Im Rahmen des Landesprogramms wird die Integration durch Bürgerschaftliches Engagement und Zivilgesellschaft gefördert.