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Stuttgart wächst bis 2030 auf knapp 650 000 Einwohner

06.02.2019 Aktuelles
"Es ist erfreulich, dass wir auch in diesem und im nächsten Jahrzehnt mit steigenden Einwohnerzahlen rechnen können. Wenn die wirtschaftliche Lage sich nicht gravierend verschlechtert, wird Stuttgart weiterhin zu den dynamischen Wachstumspolen in Deutschland gehören. Das bedeutet aber auch, dass wir uns planerisch, vor allem in der Infrastrukturversorgung und im Verkehrsmanagement, auf diese Situation vorbereiten müssen", kommentiert Dr. Martin Schairer,  Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport, die neue Einwohnervorausberechnung des Statistischen Amts der Landeshauptstadt Stuttgart.

Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amts, betont die hohe Bedeutung des demografischen Wandels für die Kommunalpolitik und die Stadtverwaltung: "Eine konkrete Vorstellung davon zu haben, in welche Richtung sich die Zahl der Einwohner der Landeshauptstadt in naher Zukunft entwickeln dürfte - mit wie vielen Klein- und Schulkindern, mit wie vielen Senioren oder Hochbetagten wir in naher Zukunft rechnen müssen - ist von elementarer Bedeutung für eine vorausschauend
planende Stadt."

Stuttgarter Einwohnerzahl steigt bis 2030 wahrscheinlich um 6,1 Prozent

Vor dem Hintergrund der derzeit festzustellenden hohen Anziehungskraft Stuttgarts geht das Statistische Amt davon aus, dass die Einwohnerzahl der Landeshauptstadt zwischen 2017 und 2030 um circa 6,1 Prozent anwachsen wird. Das bedeutet, die Stuttgarter Bevölkerung würde um  knapp 38 000 Personen zunehmen und mit 649.300 Einwohnern einen historischen Höchststand erreichen. Der stärkste Bevölkerungsanstieg ist dabei in den Jahren 2020 bis 2024 zu erwarten. Danach schwächt sich das Wachstum bis Ende des Prognosezeitraums zunehmend ab. Grundvoraussetzungen für diese Entwicklung sind eine weiterhin gute wirtschaftliche Lage, eine  anhaltend hohe Nachfrage nach Arbeitskräften und ein entsprechendes Wohnungsangebot.

Die entscheidende Einflussgröße der Einwohnerentwicklung ist der Umfang des realistisch zu erwartenden Wohnungsneubaus, der in drei verschiedenen Prognosevarianten berücksichtigt wurde. Dabei ist der wahrscheinlichste Prognosepfad die vom Statistischen Amt erstellte "Mittlere Angebotsvariante", in der von durchschnittlich 2000 fertiggestellten Wohnungen pro Jahr ausgegangen wird. Den berechneten Einwohneranstieg der "Unteren Angebotsvariante" (plus 5,2 Prozent) bei 1800 Wohnungen pro Jahr wird Stuttgart höchstwahrscheinlich überschreiten. Den in der "Oberen Potenzialvariante" dargestellten Einwohnerzuwachs von 7,4 Prozent wird Stuttgart  aufgrund der dafür fehlenden Bauflächen im Prognosezeitraum jedoch vermutlich nicht ausschöpfen können (vgl. Tabelle 1 und Abbildung 1).

Mehr Kinder und Jugendliche

In der mittleren Angebotsvariante wurde berechnet, dass die Anzahl der Kinder und Jugendlichen deutlich steigt. Aufgrund der durch Zuwanderung gut besetzten Elternjahrgänge, und unter der Annahme, dass die Geburtenraten auf dem hohen Niveau der letzten Jahre bleiben, steigt die Anzahl der unter 15-Jährigen beträchtlich von 79 800 auf 87 900 (plus 10,1 Prozent) an (vgl. Tabelle 2 und Abbildung 2). Auch der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung nimmt von 13,1 auf 13,5 Prozent zu.

Die Zahl der Kinder unter drei Jahren steigt noch bis Mitte der 2020er-Jahre weiter an, so dass 2030 zirka 19 400 Kleinkinder in Stuttgart leben werden. Das sind zirka 1100 mehr als heute (plus 5,8  Prozent).

Es gibt mehr Senioren

Die stark besetzten Babyboomer-Jahrgänge der heute 49- bis 63-Jährigen (Geburten zwischen 1955 und 1969) kommen im Laufe des Prognosezeitraums vermehrt ins Rentenalter. Wegen der steigenden Lebenserwartung wächst die Anzahl der 65-Jährigen und Älteren von 110 000 auf 121 000 (plus 10 Prozent) an (vgl. Tabelle 2 und Abbildung 2). Der Anteil dieser Altersgruppe nimmt von 18,0 auf 18,6 Prozent zu.

Auch die Hochbetagten im Alter von 80 und mehr Jahren nehmen in den nächsten fünf Jahren noch einmal deutlich zu. Im Jahr 2030 leben dann laut Prognose circa 37 500 Hochbetagte in Stuttgart - rund 3900 (plus 11,7 Prozent) mehr als heute.

Unterschiedliche Entwicklungen in den Stadtbezirken

Unterschiedliche Altersstrukturen, Zu- und Fortzugsmuster sowie die berücksichtigte Neubautätigkeit führen dazu, dass die Einwohnerentwicklung in den einzelnen Stadtbezirken unterschiedlich ausfällt (vgl. Tabelle 3 und Abbildung 3). Hohe Zuwachsraten werden in Stadtbezirken mit reger Neubautätigkeit erwartet, vor allem auf den bis dahin zur Verfügung stehenden ehemaligen Bahnflächen des Projekts Stuttgart 21.

Entsprechend steigt die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2030 insbesondere im Stadtbezirk Nord um knapp 18 Prozent sowie in den Stadtbezirken Mitte und Mühlhausen um 11 Prozent an. Zuffenhausen liegt zwar in Bezug auf den angenommenen Einwohnergewinn durch neue Wohnungen relativ zu seiner Einwohnergröße nur im oberen Mittelfeld, erreicht aber durch eine vergleichsweise günstige Altersstruktur und hohe natürliche Zuwächse auch einen Einwohneranstieg von fast 12 Prozent. Dagegen sinkt die Einwohnerzahl in vier Stadtbezirken ohne nennenswerte Bautätigkeit. Dabei handelt es sich um Plieningen und Sillenbuch mit minus 1,7 Prozent sowie Möhringen (minus 0,8 Prozent) und Degerloch (minus 0,1 Prozent). Möhringen liegt zwar in Bezug auf die zukünftig vermutete Bautätigkeit im unteren Mittelfeld, verliert aber aufgrund seiner vergleichsweise ungünstigen Altersstruktur weiterhin Einwohner.

Methodische Anmerkungen

Die Einwohnervorausberechnung erfolgt auf der Basis des sogenannten SIKURSPrognosemodells des KOSIS-Städteverbunds. Das Stuttgarter Statistische Amt ist maßgeblich an der (Weiter-)entwicklung des Programms beteiligt. Es wird von über 100 Städten, Kreisen und Statistischen Landesämtern in Deutschland und in einigen europäischen Ländern eingesetzt.

Die neue Einwohnervorausberechnung wird detailliert dargestellt im neuen Monatsheft Nr. 01/2019 des Statistischen Amts. Das Heft kostet vier Euro.

Kontakt: Statistisches Amt, Eberhardstraße 39, 70173 Stuttgart, Telefon 216-98587, E-Mail komunis@stuttgart.de, Fax 216-98570, www.stuttgart.de/statistik-infosystem.