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Ergänzungsbau für das Theaterhaus

21.02.2019 Aktuelles
Der Gemeinderat hat am 21. Februar Kenntnis vom weiterentwickelten Planungskonzept für den Ergänzungsbau des Theaterhauses genommen und dem aktualisierten Raumprogramm mit einer Programmfläche von 8070 Quadratmetern zugestimmt. Das Gremium ermächtigte die Verwaltung, ein Vergabeverfahren für die Beauftragung der Planer durchzuführen und stimmte außerdem zu, die bestehende Halle T1 zu ertüchtigen.

Das Theaterhaus hat sich seit seinen Anfängen Mitte der 1980er-Jahre in Stuttgart-Wangen zu einem Flaggschiff der Stuttgarter Kulturszene entwickelt. 2003 ging das neue Theaterhaus auf dem Pragsattel mit der umgebauten Rheinstahlhalle als Mittelpunkt in Betrieb. Die Besucherzahlen steigen, ebenso die Zahl und Arten von Aufführungen. Pro Jahr kommen mehr als 300.000 Besucher, und seit 2015 findet dort zusätzlich das Colours International Dance Festival statt. Mit den bestehenden vier Hallen mit insgesamt etwa 1810 Sitzplätzen ist das Programm nicht mehr zu bewältigen. Hinzu kommt, dass die Freie Tanz- und Theaterszene eine zentrale Probe- und Spielstätte bekommen soll.

Das bisherige Planungskonzept stammt aus dem Jahr 2015. Seither haben sich nicht nur die Verhältnisse im Programmbereich geändert. Unter anderem bedingt durch Wohnungsbau auf dem Pragsattel, müssen Fragen des Lärmschutzes und der Parkplätze gelöst werden. Deshalb mussten Konzept und Raumprogramm überarbeitet werden.

Für das weitere Programmspektrum neben dem Tanz ist eine zusätzliche große Tanz- und Theaterhalle erforderlich, die als Halle T5 im neuen Ergänzungsbau mit rund 600 Plätzen geplant ist. Die Freie Tanz- und Theaterszene wird mit einem organisatorisch autarken Bereich mit dem Aufführungsraum T6 mit rund 780 Quadratmeter Fläche (150 Plätze) integriert. Insgesamt arbeiten zurzeit weit über 100 freie darstellende Künstler in Stuttgart, in unterschiedlichen Bereichen wie Tanz, Schauspiel, Figurentheater, Performance, aber auch aus der Bildenden Kunst und Musik. Eine Spielstätte verortet und vernetzt die vielfältigen Aktivitäten der Freien Szene. Sie ermöglicht eine Präsenz sowohl innerhalb der Theater- und Kulturlandschaft Stuttgarts als auch überregional und bietet den vielseitigen Produktionsansprüchen einen verlässlichen Ort.

Die Pläne umfassen auch die baurechtlich notwendigen 220 Stellplätze. Die Flächen für die Werkstätten werden erweitert, eine neue Anlieferungszone für die Logistik dient dem Lärmschutz, zudem wird mit dem Ergänzungsbau auch Ersatz für das in absehbarer Zeit nicht mehr nutzbare Probezentrum Löwentor geschaffen. Da auf dem Baugrundstück eine Hochspannungsleitung verläuft, die nicht verlegt werden kann, wird der Ergänzungsbau elf Meter kürzer als ursprünglich geplant, woraus sich wiederum Anpassungen am Raumprogramm ergeben. Die Verwaltung hat die Änderungen mit dem Theaterhaus und der Freien Tanz- und Theaterszene abgestimmt. Das aktualisierte Raumprogramm sieht eine Programmfläche von 8070 Quadratmeter vor, was eine Flächenvergrößerung von 325 Quadratmetern gegenüber den früheren Planungen bedeutet.

Die Kostenschätzung aus dem Jahr 2015 geht von 39,83 Millionen Euro Kosten aus. Darin sind bereits 4,4 Millionen Euro Planungsmittel in den Doppelhaushalten 2016/2017 und 2018/2019 veranschlagt. Die weiteren Kosten von 35,43 Millionen Euro sind in der aktuellen Finanzplanung ab 2020 berücksichtigt. Außerdem ist das Theaterhaus bemüht, Drittmittel zu organisieren. Durch die Vermehrung der Fläche sowie Baupreissteigerungen muss gegenüber den Schätzungen von 2015 mit höheren Kosten gerechnet werden. Belastbare Zahlen sollen nach dem Wettbewerb vorliegen.

Zusätzlich zum Neubau des Ergänzungsbaus wird die bestehende Halle T1 für den Tanz ertüchtigt. Unter anderem wird die Tribüne als Teleskoptribüne erneuert, es kommt ein Seitenbühnenbereich hinzu, und die Bühnentechnik samt Tanzboden werden erneuert. Die erste grobe Kostenschätzung beläuft sich auf 6,2 Millionen Euro brutto.

Der Zeitplan sieht vor, in diesem Frühjahr den einphasigen, nichtoffenen hochbaulichen Planungswettbewerb auszuschreiben. Hierfür sind 500.000 Euro veranschlagt. Das Ergebnis soll im Sommer vorliegen. Mit den Planungen könnte dann im Herbst 2019 begonnen werden.

Der Gemeinderat hat zudem beschlossen, die jährlich der Stiftung Theaterhaus zur Verfügung gestellten Mittel zur Bauunterhaltung von 150.000 auf 200.000 Euro zu erhöhen. Nach fünf Jahren wird geprüft, ob die Erhöhung ausreicht. Über die laufende Bauunterhaltung hinaus sind Maßnahmen zur Erneuerung sicherheitsrelevanter Einrichtungen zwingend notwendig. Dafür stellt der Gemeinderat in den Jahren 2020 und 2021 je 800.000 Euro zur Verfügung. Diese Mittel sollen als Vorbelastung zum Doppelhaushalt 2020/2021 angemeldet werden.

Hintergrund

Mit der Rahmenvereinbarung von 2008 zwischen dem Theaterhaus Stuttgart e.V., der damaligen Stiftung Pragsattel und der Landeshauptstadt gingen das Grundstück und das Gebäude des Theaterhauses am Pragsattel an die Landeshauptstadt über. Die Stadt und die neue Stiftung Theaterhaus schlossen ein Mietverhältnis ab, in welcher der Stiftung eine eigentümerähnliche Stellung eingeräumt wurde.

Das bedeutet unter anderem, dass die Stiftung die Spiel- und Arbeitsstätten an den Theaterhaus Stuttgart e.V., an Musik der Jahrhunderte und an die Institutionen der Jugendarbeit untervermietet. Außerdem hat sie die eigenständige Verantwortung für das gesamte Gebäudemanagement. Für den baulichen Erhalt des Hauses erhält die Stiftung von der Stadt jährliche und vertraglich abgesicherte Finanzmittel. Die Umsetzung der Arbeiten erfolgt unter der Regie des Theaterhauses. In dem Mietvertrag ist auch die Kostenübernahme für die laufende Bauunterhaltung geregelt.