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Festveranstaltung zehn Jahre UN-Behindertenrechtskonvention

29.03.2019 Aktuelles
Deutschland hat die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (UN-BRK) vor zehn Jahren unterzeichnet. Die Unterschrift ruft die Gesellschaft in Bund, Land und Kommune auf, die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen, auch der Menschen mit Behinderung, zu ermöglichen.
Festveranstaltung zehn Jahre UN-BehindertenrechtskonventionVergrößernOberbürgermeister Fritz Kuhn (li.), Simone Fischer, die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung, und Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl. Foto: Leif Piechowski/Stadt StuttgartOberbürgermeister Fritz Kuhn (li.), Simone Fischer, die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung, und Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl. Foto: Leif Piechowski/Stadt Stuttgart
Oberbürgermeister Fritz Kuhn feierte am Freitag, 29. März, im Großen Sitzungssaal im Stuttgarter Rathaus mit rund 200 Bürgerinnen und Bürgern den zehnten Jahrestag der Unterschrift.
 
OB Kuhn sagte: "Vielfalt ist ein Gewinn für unsere Gesellschaft. Stuttgart möchte eine Stadt der Inklusion sein. Das ist eine Frage des Herzens und des Verstands." Die Unterzeichnung der Konvention sei ein Durchbruch für Deutschland gewesen. "Es waren wertvolle zehn Jahre, dennoch müssen wir die Gedanken der Konvention weiter mit Leben füllen. Denn alle Menschen, egal behindert oder nicht, bilden die Gesellschaft. Daher müssen wir Verantwortung übernehmen, damit Teilhabe und Inklusion auch funktionieren." Der Gemeinderat habe für den laufenden Doppelhaushalt eine Millionen Euro gewährt für behinderten- und altersgerechtes Bauen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir dies auch im kommenden Doppelhaushalt fortführen können."

In Stuttgart leben rund 44.000 schwerbehinderte Menschen. Die Stadt möchte ihre Situation verbessern und ihre Teilhabe befördern. Beispiele sind: Blindengerechte Ampelanlagen, barrierefreie öffentliche Toiletten, Rampen für Rollstuhlnutzerinnen, Förderprogramme für Inklusion und Barrierefreiheit, zum Beispiel beim Wohnen und in der Freizeit oder beim Umbau von Rolli-Taxen.

Simone Fischer, die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung, die den Abend moderierte, sagte, es benötige Menschen mit offenen Herzen und auch Begeisterung, mit denen man diese Ideen umsetzen kann.

Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und Mitglied im Deutschen Ethikrat mit Schwerpunkt Menschenrechte und Behinderung nahm in einem Vortrag die wissenschaftliche Einordnung zu inklusiven Entwicklungen in einer Gesellschaft vor. Sein Blick richtete sich auf Inklusion als Menschenrecht sowie ein inklusives Demokratieverständnis, das einem weitgefassten Inklusionsansatz folgt. Bürgerinnen und Bürger aus Stuttgart ermöglichten einen Gedankenaustausch, der aufzeigte, wie wichtig Inklusion im Alltag ist. Sie berichteten von ihren Erfahrungen, wo sie in Stuttgart in ihrer Teilhabe noch behindert werden, welche Hoffnungen und Erwartungen sie mit weiteren notwendigen Schritten zum Abbau von Barrieren in Stuttgart verbinden.

Das Programm wurde umrahmt von der inklusiven Theatergruppe "Die Rapsoden" um Axel Clesle und Andrea Lautenschlager, der Miniband vom Kindergästehaus mit Salah Bakkar, Fatima Bakkar, Arsenij Burshteyn, Cengiz Kilic, David Radzinski und Christoforos-Sotiorios Katis unter Leitung von Tatiana Ignatova. Christian Sulzberger präsentierte einen Inklusionsrap. Die inklusive Band "The Sixteens" bot den musikalischen Rahmen beim anschließenden Empfang.

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (UN-BRK) ist in der Bundesrepublik Deutschland im März 2009 mit dem Ziel in Kraft getreten, die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung zu verändern. Sie soll allen Menschen gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Die UN-BRK wurde Ende 2006 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet und trat 2008 in Kraft. Inzwischen haben 177 Staaten die Konvention unterzeichnet.