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Blühendes Offenland statt eintöniger Hartriegelgebüsche auf der Vördere in Mühlhausen

25.04.2019 Aktuelles
Die Vördere ist ein ehemaliges US-Militärübungsgelände in Mühlhausen, für das auch nach Abzug der im benachbarten Pattonville stationierten amerikanischen Streitkräfte weiterhin der Bund zuständig ist.
Zuvor wurden große Teile des Geländes an der Gemarkungsgrenze zu Kornwestheim von der US-Army als Mülldeponie genutzt. Durch die abgeschiedene Lage und die südliche Ausrichtung bietet das Gelände seit der Nutzungsaufgabe vielen heimischen Tieren und Pflanzen ein Zuhause.

Da mehrere Jahre nun die Gehölze ungehindert wachsen konnten, entstand aus einer ehemals offenen besonnten Fläche eine meterhohe Buschlandschaft aus eintönigen Hartriegelgebüschen, die für Charakterarten offener Landschaften zunehmend unattraktiv wurde.

Nach vielen Jahren Pflegerückstand wurden aus diesem Grund im vergangenen Winter durch den Bundesforst in Absprache mit dem Amt für Umweltschutz Stuttgart knapp 2,2 Hektar auf der östlichen Vördere von Hartriegel und Jungbäumen befreit. Wenige, ökologisch wertvolle, Einzelbäume bleiben als Ansitz für Greifvögel und als Nistplatz erhalten.

Etwas mehr als die Hälfte der Fläche wurde mit Maschineneinsatz gefräst. Da die Wurzeln durch das Fräsen in bis zu 20 Zentimeter Tiefe geschädigt werden, wird ein erneutes Austreiben der Gehölze zum großen Teil verhindert. Die gefrästen Flächen wurden Mitte April mit heimischem Saatgut von Wildkräutern und Gräsern angesät, sodass bis spätestens Ende Juli rund 1,3 Hektar blütenreiches Offenland entstehen wird.

Diese Aufwertung kommt sowohl den Insekten als auch den Vögeln und Wildkaninchen zugute. Bisher konnten in den Sträuchern auf der Fläche oder auch ringsum vereinzelt Gebüschbrüter ihre Nester errichten, allerdings eignet sich Hartriegel wegen der Verzweigungsart nicht sehr gut zum Nestbau. Nahrung für die Jungvögel war aber Mangelware. Die neuen Blühflächen werden viele Insekten, aber auch kleine Nager und somit auch Vögel anlocken. Diese Bereiche werden für Bodenbrüter wieder attraktiv, Gebüschbrüter finden in den auf der übrigen Fläche verbleibenden Sträuchern und Bäumen ausreichend Brutplätze.

Neben der Freistellung wurden auch mehrere Wiesenflächen gemäht und teilweise von Gehölzaufwuchs befreit. Die Mahd ist erforderlich, da sonst über die Jahre das abgestorbene Gras zu einem Filz wird. Wildkräutern erschwert dies den Austrieb, dadurch verarmt eine Wiese und statt Blüten finden sich fast ausschließlich Gräser.

Ohne den großen ehrenamtlichen Einsatz der Fliegergemeinschaft Pattonville und des Nabu Stuttgart gäbe es auch diese Wiesen nicht mehr. Beide Vereine sind seit vielen Jahren auf der Vördere mit gemeinsamen monatlichen Arbeitseinsätzen außerhalb der Vegetations- und Brutzeit aktiv, um Kernflächen aufwuchsfrei zu halten. Sie waren auch maßgeblich bei der Planung zur Freistellung beteiligt und haben diese befürwortet. Im Herbst 2019 sollen weitere Bereiche im östlichen Bereich vom Aufwuchs befreit werden.

Die freien Flächen laden nun künftig nicht nur Tiere ein, sondern zuweilen auch Erholungssuchende. Der Bundesforstbetrieb Heuberg und die untere Naturschutzbehörde Stuttgart bitten daher die Bürger, die vorhandenen Trampelpfade nicht zu verlassen und den Lebensraum der Wildtiere und -pflanzen zu respektieren. Zur Information der Bürger werden nach der Aussaat Informationstafeln angebracht.