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Delegation kehrt aus Brünn zurück - OB Fritz Kuhn: "Unsere Partnerschaft ist gelebtes Europa und ein Zusammenwachsen der Staaten"

03.06.2019 Internationales
Eine Delegation aus Stuttgart ist vom 30. Mai bis zum 2. Juni zur Feier der 30-jährigen Freundschaft zwischen Stuttgart und Brünn (tschechisch Brno) in die tschechische Partnerstadt gereist - und mit vielen Eindrücken zurückgekehrt.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn, der die Delegation leitete, betonte die gute Zusammenarbeit: "Die Partnerschaft mit Brünn ist sehr intensiv und hat sich seit ihrer Gründung vor 30 Jahren bewährt. Ihr Erfolg bemisst sich daran, wie eng die Städte und ihre Bürgerinnen und Bürger miteinander verbunden sind. Es gibt Kooperationen auf unterschiedlichen Feldern: in der Bildung, der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Kultur oder dem Sport. Dadurch sind Freundschaften entstanden und neue Wege beschritten worden."

Die Städtepartnerschaft zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und dem tschechischen Brünn ist 1989 in einem historischen Jahr des Umbruchs in Europa entstanden. Der Stuttgarter Gemeinderat hat genau einen Tag vor dem Mauerfall dieser Partnerschaft zugestimmt. Heute ist die Freundschaft zwischen den beiden Städten nach wie vor geprägt von der Völkerverständigung und dem Frieden.
Beide Seiten haben diese tiefe Freundschaft, die laut OB Kuhn von Anbeginn "alle Grenzen und Mauern überwunden hat", bei einem Festakt im Brünner Rathaus hervorgehoben. OB Kuhn: "Europa ist auch, aber nicht nur Brüssel. Europa ist das, was jeden Tag zwischen den Städten gelebt wird. Und deshalb ist unsere Partnerschaft mit Brünn gelebtes Europa und ein Zusammenwachsen der Staaten."

Die Oberbürgermeisterin von Brünn, Dr. Marketa Vankova, sagte bei der Feier: "Eine Freundschaft, die 30 Jahre dauert, ist schon etwas ganz Besonderes - mit vielen schönen Momenten und Erlebnissen. Am Anfang hat vor allem Brünn die Unterstützung von Stuttgart gebraucht. Jetzt sind wir ein fester Bestandteil der Europäischen Union und suchen gemeinsam nach Lösungen. Ich möchte mich daher bei allen bedanken, die an der Entstehung der Partnerschaft und ihrem Erhalt mitgearbeitet haben und mitarbeiten. Und ich hoffe, dass wir noch viele schöne Erfahrungen teilen können."

70 Musikerinnen und Musiker des Königin-Katharina-Stifts und des Neuen Gymnasiums Leibniz waren gleichzeitig mit der Delegation in Brünn und gaben bei dem Festakt ein kleines Konzert. Zu einem Zusammentreffen vor Ort kam es auch zwischen Brünner und Stuttgarter Vertreterinnen und Vertreter der Fördervereine für Schulpartnerschaften. Derzeit sind insgesamt 16 Stuttgarter Schulen am Austausch mit Brünn beteiligt.

Städtebau, Start-up-Kultur und Erinnerungsarbeit

Die Stuttgarter Delegation, die sich vier Tage lang ein Bild von Brünn gemacht hat, bestand aus Vertreterinnen und Vertretern von Gemeinde- und Jugendrat, Stadtverwaltung, Schulen, Literatur sowie Wissenschaft und Kreativwirtschaft. Für die Gruppe gab es ein von der Partnerstadt organisiertes, vielfältiges und eindrucksvolles Programm. Geboten wurden Einblicke in die Schulpartnerschaften, die Brünner Stadtentwicklung und die dortigen Start-up-Netzwerke. Außerdem wurde die Villa Tugendhat besichtigt, die nach Plänen des Architekten Ludwig Mies van der Rohe errichtet wurde und zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Ebenso besuchte die Delegation die Gedenkstätten Kaunitz und Pohrlitz und nahm an der sogenannten "Wallfahrt der Versöhnung" teil. Die Wallfahrt erinnert an die Vertreibung der deutschen und deutschsprachigen Brünner in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1945. Bei dem damaligen "Brünner Todesmarsch" waren rund 27.000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben worden, rund 2.000 kamen dabei ums Leben. Seit 2015 steht der Tag - unter anderem durch die Initiative des damaligen Brünner Oberbürgermeisters Petr Vokral - ganz unter dem Zeichen der Versöhnung. Bei der Abschlusskundgebung der Wallfahrt sagte OB Kuhn: "Die Schrecken des 20. Jahrhunderts lehren mich ganz persönlich Eines: Wir müssen die Demokratien verteidigen. Wir müssen den Rechtsstaat verteidigen. Wir müssen die Institutionen verteidigen. Denn die  Nazis kamen nur an die Macht in Deutschland, weil sie den Rechtsstaat und die Demokratie zerstören konnten. Und deswegen heißt die Lehre aus dem vergangenen Jahrhundert: Bewahrt die Demokratie, stärkt die Demokratie und kämpft dafür, dass der Rechtsstaat seine Gültigkeit behält."

Entstanden vor dem Mauerfall gibt es heute Kooperationen auf allen Ebenen

Im Mai 1987 regte der tschechische Botschafter Dr. Dusan Spacil im Gespräch mit Oberbürgermeister Manfred Rommel eine Städtepartnerschaft zwischen Brünn und Stuttgart an. Der Stuttgarter Gemeinderat ebnete am 8. November 1989 den Weg dafür, Brünn hatte bereits im Juli 1988 zugestimmt. Am 4. Dezember 1989, kurz nach dem Mauerfall und während der ersten politischen Umwälzungen in der  damaligen Tschechoslowakei, unterzeichneten die Oberbürgermeister Manfred Rommel und Josef Pernica die Städtepartnerschaftsurkunde und legten damit den Grundstein für die enge Beziehung zwischen den beiden Städten, die bis heute besteht. Eine weitere deutsche Städtepartnerschaft hat Brünn seit 1973 mit Leipzig.

Heute liegen die Schwerpunkte der Städtepartnerschaft vor allem in den Bereichen Bildung, Jugend, Kultur, Sport, Städtebau und  Verkehrsplanung. Auch die gemeinsame europäische Geschichte, aktuelle politische Themen sowie die Zusammenarbeit der Stadtverwaltungen sind Bestandteil der Kooperation. Zuletzt präsentierte sich Brünn beim Tag der offenen Tür im Stuttgarter Rathaus sowie beim Europaaktionstag. Der Gegenbesuch der Brünner Delegation anlässlich der 30- jährigen Städtepartnerschaft wird im Herbst erwartet.

Weitere Infos gibt es unter www.stuttgart.de/30-jahre-stuttgart-bruenn, https://schulpartner-stuttgart-brno.eu/ und unter https://ekabatek.wordpress.com/.

Broschüre und Veranstaltungen

Die Broschüre ermöglicht vielfältige Einblicke hinsichtlich der jahrzehntelangen Partnerschaft zwischen Stuttgart und Brünn und gibt einen Überblick über die Veranstaltungen im Jahr 2019:30 Jahre Städtepartnerschaft Stuttgart - Brünn (PDF)