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Blühflächen für mehr Artenvielfalt am Bahnhof Zuffenhausen

09.07.2019 Umwelt
Am Anfang war es nur eine Idee. Inzwischen ist daraus ein Projekt geworden. Biene, Hummel und vielen anderen Insekten geht es schlecht. Auch in Stuttgart sind mehr als die Hälfte der 270 heimischen Wildbienenarten in ihrem Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben. "Eine wesentliche Ursache dafür ist das Verschwinden von Blühflächen mit heimischen Wildblumen", sagt Volker Schirner, Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts. Um dem entgegenzusteuern, hat das Amt schon vor vielen Jahren damit begonnen, in ganz Stuttgart mehr Blühflächen mit heimischen Wildblumen anzulegen. Die Behörde hat die Initiative der Vereine Bienenschutz Stuttgart und Bürgerverein Zuffenhausen unterstützt und am Bahnhof Zuffenhausen rund 700 Quadratmeter öffentliche Flächen zur Aussaat von Wildblumen bereitgestellt.
"Auf drei von der Stadt vorbereiteten Flächen rund um den Bahnhof Zuffenhausen wurden Anfang April fast zwei Kilogramm Wildblumen ausgesät", sagen Andreas Elsner und Ingo Lau vom Verein Bienenschutz Stuttgart sowie Ute Dümke und Bernd Wudick vom Bürgerverein Zuffenhausen. In den verwendeten Saatgutmischungen sind Samen von hier wachsenden Arten wie Rundblättrige Glockenblume, Acker-Witwenblume oder die Wilde Möhre enthalten. Für Wildbienen sind sie eine wichtige, manchmal die einzige Nahrungsquelle.

Neben der Nahrung für Hummeln und Bienen haben die Bienenschützer auch an Nistmöglichkeiten gedacht. Ein Wildbienenhotel mit Brutröhren für Mauer- und Maskenbienen wurde in die Hangfläche zur B10/B27 integriert. Für Sandbienen und andere Bodenbrüter wurde eine kleine Trockenmauer am Hang mit Sand hinterfüllt.

Um ein Beispiel für möglichst viele Nachahmer abzugeben, haben die Projektpartner die Blühflächen beim deutschlandweiten Projekt "BienenBlütenReich" des Netzwerks Blühende Landschaft angemeldet und von dort Unterstützung erhalten. "Jeder kann etwas für Bienen und Hummeln tun, auf dem eigenen Acker, auf seiner Wiese, im eigenen Garten oder auch auf dem Balkon", sagt Ingo Lau. Ideen und Anregungen dafür gibt es genug, nicht nur am Bahnhof Zuffenhausen.

Die Blühflächen am Bahnhof Zuffenhausen umfassen das Beet um den Blauglockenbaum auf dem Bahnhofsvorplatz (40 Quadratmeter), den Hang zur B10/B27, gegenüber dem Kulturzentrum (220 Quadratmeter) und die Wiese bei den Altglascontainern am Busbahnhof (420 Quadratmeter).

Die Vorbereitung der Flächen erfolgte im Auftrag der Stadt durch einen Stuttgarter Garten- und Landschaftsbauer. Zunächst wurde die alte Grasnarbe abgetragen. Im Hangbereich wurde alter Bewuchs weitestgehend entfernt. Der darunterliegende, fette Lehmboden wurde mit durchschnittlich sechs Zentimeter Splitt und Sand abgemagert. Als Saatbett wurde zum Schluss eine dünne Schicht Humus aufgestreut.

Insgesamt kamen drei unterschiedliche Saatgutmischungen zum Einsatz: die Mischung "Blumenwiese" aus 50 Prozent heimischen Wildblumen und 50 Prozent Gräsern, die Mischung "Bunter Saum" aus 100 Prozent Blumen mit höheren Stauden wie Großblütige Königskerze oder Färberwaid und die "Feldblumenmischung" aus 100 Prozent Blumen mit Klatschmohn und Kornblumen.

Die am Bahnhof Zuffenhausen angelegten Blühflächen erhalten ein eigenes Pflegekonzept. Die Flächen werden höchstens zweimal pro Jahr gemäht, einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Die Flächen werden dabei wie Heuwiesen behandelt. Die Halme werden lang geschnitten und nicht gemulcht. Das Schnittgut beziehungsweise Heu wird von der Fläche entfernt.

Die Flächen am Bahnhof Zuffenhausen gehören zum Projekt "BienenBlütenReich" des Netzwerks Blühende Landschaft. In dem Projekt werden 2019 deutschlandweit mehr als zwei Millionen Quadratmeter beispielgebende insektenfreundliche Blühflächen angelegt. Das Netzwerk berät dabei die Projektpartner bei der Saatgutauswahl, der Anlage und der Pflege der Blühflächen. Zudem werden die Projektpartner bei der Öffentlichkeitsarbeit begleitet und durch Beschilderung und Infomaterial unterstützt. Die Kosten für Saatgut und Beschilderung der Projektflächen werden durch Blühpatenschaften finanziert.

Das 2003 auf Initiative des Vereins Mellifera gegründete Netzwerk Blühende Landschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Landschaft und Siedlungen wieder zum Blühen zu bringen, damit Bienen, Hummeln, Schmetterlinge & Co. wieder mehr Nahrung finden. Dabei arbeitet es mit Imkern, Landwirten, Naturschützern, Gärtnern, Kommunen und Wissenschaftlern zusammen. Der Verein Bienenschutz Stuttgart ist eine Regionalgruppe des Netzwerks in der Region Stuttgart.