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OB Kuhn überreicht BM Wölfle Urkunde zur Verabschiedung in den Ruhestand - Kuhn: "Mit großem Engagement in und für Stuttgart gewirkt" - Wölfle: "Eine Stadt, für die sich der Einsatz lohnt"

06.08.2019 Verwaltung
Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat Werner Wölfle, Bürgermeister für Soziales und gesellschaftliche Integration, am Dienstag, 6. August, die Urkunde zur Verabschiedung in den Ruhestand nach Ablauf der achtjährigen Amtszeit übergeben.

Verabschiedung Bürgermeister Werner WölfleVergrößernWerner Wölfle war von 2011 bis 2018 Bürgermeister in der Landeshauptstadt Stuttgart. Foto: Leif Piechowski/Stadt StuttgartWerner Wölfle war von 2011 bis 2018 Bürgermeister in der Landeshauptstadt Stuttgart. Foto: Leif Piechowski/Stadt Stuttgart
Kuhn erklärte dazu: "Werner Wölfle hat über Jahrzehnte mit großem Engagement in und für Stuttgart gewirkt und in seinen verschiedenen Funktionen und Positionen viel für den gesellschaftlichen Zusammenhalt unserer Stadt erreicht. Dafür danke ich ihm sehr herzlich." Wölfle sagte: "Ich habe sehr gerne in den vergangenen 25 Jahren für die Stadt Stuttgart gearbeitet und dabei auch vieles bewegt. Eine Stadt und eine Gesellschaft, für die es sich lohnt, sich einzusetzen. Ich bin dankbar, dass ich so viele Jahre die Gelegenheit dazu hatte, auch wenn die letzten Monate eine schwere Prüfung darstellten." Wölfle scheidet am 14. August 2019 als Bürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart aus.

Der Gemeinderat hatte Wölfle im Mai 2011 zum Bürgermeister gewählt. Er trat am 15. August 2011 sein Amt als Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung und Krankenhäuser an. Nach Änderung der Verwaltungsgliederung war Wölfle ab Juli 2016 bis zu seinem Ausscheiden Bürgermeister für Soziales und gesellschaftliche Integration.

Werner Wölfle wurde am 8. Juli 1953 in Konstanz geboren. Nach dem Abitur in Konstanz und dem Studium der Sozialpädagogik in Reutlingen war er von 1979 bis 2010 in verschiedenen Bereichen als Sozialarbeiter und Jugendhilfeplaner beruflich tätig. Seine kommunalpolitische Arbeit begann 1994, als er für Bündnis 90/DIE GRÜNEN in den Gemeinderat gewählt wurde. Er führte von 1996 bis 2011 die Fraktion, bis er als Nachfolger von Klaus-Peter Murawski gewählt wurde.

Der Grünen-Politiker engagierte sich in seiner Zeit als Stadtrat und als Bürgermeister in verschiedenen Gremien. So war Wölfle u.a. Vorsitzender der Härtefallkommission des Landes Baden-Württemberg, im Aufsichtsrat der Joblinge und im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit. Er war im Kuratorium Kinderfreundliches Stuttgart sowie im Kuratorium des Ausbildungscampus und ist Mitglied im Spendenbeirat und Kuratorium der PSD-Bank. Als Personalbürgermeister war Wölfle Vorstandsvorsitzender des Kommunalen Arbeitgeberverband Baden-Württemberg und saß als dessen Vertreter im Verband kommunaler Arbeitgeber in Deutschland.

2011 bis 2016: Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung und Krankenhäuser

Zu der Fülle an Projekten und Themen, die Werner Wölfle als Personal- und Verwaltungsbürgermeister umgesetzt hat, zählt die dauerhafte Etablierung eines Budgets zur Personalgewinnung und zum Personalerhalt. Wölfle führte Maßnahmen zur besseren Vereinbarung von Pflege und Beruf ein sowie den Tarif +, eine kommunale Gehaltszulage für Erzieher/-innen und baute die betriebliche Kinderbetreuung aus. Ein Meilenstein war die Einführung des Stuttgarter Jobtickets für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landeshauptstadt.

Wölfle machte sich stark für eine moderne Führungskultur innerhalb der Verwaltung sowie für die Einführung verbindlicher Mitarbeiterjahresgespräche. Er richtete eine zentrale Ansprechstelle für Fragen im Zusammenhang mit sexueller Identität am Arbeitsplatz ein und implementierte Diversity Management in der Personalverwaltung.

Werner Wölfle setzte sich für neue Formen der direkten Bürgerbeteiligung ein und entwickelte den Leitfaden zur Durchführung von Bürgerbeteiligungsprojekten. Als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender war es ihm ein großes Anliegen, die Volkshochschule Stuttgart zukunftsfähig aufzustellen. Der Bürgermeister engagierte sich persönlich für die Einrichtung eines Stuttgarter Welthauses und war maßgeblich an dessen Entwicklung mit Globalem Klassenzimmer, Weltladen, Weltcafé und WelcomeCenter beteiligt. Im Oktober 2013 erfolgte die Zertifizierung der Landeshauptstadt zur "Fairtrade Town" durch die Organisation Fairtrade Deutschland, ein jahrelanger Prozess in den 23 Stadtbezirken, für den sich Wölfle eingesetzt hatte.

Als Krankenhausbürgermeister und Trägervertreter trieb Wölfle die großen Bauvorhaben bei der Zentralisierung der Standorte des Klinikums Stuttgart voran. Zur wirtschaftlichen Sanierung und Konsolidierung des Klinikums beauftragte er ein externes Gutachten, welches wichtige Hinweise für die wirtschaftliche Zukunft des Eigenbetriebs gegeben hat. Wölfle ermöglichte einen personellen Neuanfang in der Leitung des Klinikums, nachdem schwerwiegende Unregelmäßigkeiten innerhalb der inzwischen aufgelösten International Unit (IU) des Klinikums bekannt geworden waren. In dem Zusammenhang warf ihm eine Mehrheit im Gemeinderat vor, den Rat nicht ausreichend über die Vorgänge in der IU und das Ausscheiden des damaligen Geschäftsführers des Klinikums informiert zu haben. Zur Klärung der Vorwürfe hatte Wölfle ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst angestrengt.

Wölfle begleitete persönlich den bürgerschaftlich getragenen Prozess zur Errichtung einer "Gedenktafel Euthanasie" an der ehemaligen Kinderklinik Türlenstraße.

2016 bis 2019: Bürgermeister für Soziales und gesellschaftliche Integration

Als Bürgermeister für Soziales und gesellschaftliche Integration verfolgte Wölfle als wichtiges sozialpolitisches Ziel die soziale Durchmischung von Gruppen in den Stadtquartieren. In inklusiven Quartieren sollen Einwohnerinnen und Einwohner selbstbestimmt und gemeinschaftlich zusammenleben können, unterstützt von niedrigschwelliger und zugehender Beratung. Dazu gehört der Aufbau von Willkommensräumen, mit denen geflüchteten Menschen die Regelstrukturen im Stadtquartier eröffnet werden, um Teilhabe und Integration zu ermöglichen ebenso wie spezielle Maßnahmen zur Integration von Menschen in den Arbeitsmarkt. Wölfle setzte sich für die Weiterentwicklung von Stadtteil- und Familienzentren zu sogenannten generationenübergreifenden Stadtteilhäusern ein.

Mit dem Ausbildungscampus ist während der Amtszeit von Wölfle in Stuttgart ein Ort des besonderen gesellschaftspolitischen Engagements geschaffen worden. Dort engagieren sich Unternehmen, Ehrenamtliche, Behörden, Institutionen und Organisationen gemeinsam an einem Ort, um Ausbildungsbetriebe und jungen Geflüchteten sowie andere jungen Menschen mit Unterstützungsbedarf zusammenzubringen.

Im Rahmen der Kommunalen Gesundheitskonferenz wurden unter Leitung von Wölfle zahlreiche Stadtteilprojekte zur Verbesserung der gesundheitlichen Lage der Stuttgarter Bevölkerung abgehalten sowie das bundesweit einmalige Stuttgarter Stufenmodell zur Vorbeugung und Behandlung von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen sowie die erfolgreiche Stuttgarter Kampagne zur Diabetes-Früherkennung bei Kindern entwickelt. Erstmals erfolgt beim Gesundheitsamt der Einsatz von Ehrenamtlichen mit Migrationshintergrund als Gesundheitslotsen zur besseren Verständlichkeit der Gesundheitsinformationen sowohl in sprachlicher als auch kultureller Hinsicht. Auf Anregung von Wölfle wurde in Stuttgart ein fachübergreifender Runder Tisch gegen die Beschneidung von Mädchen und Frauen eingerichtet.

Wölfle trieb den Aufbau eines ämterübergreifenden Kommunalen Förderprogramms zur Akquise von Wohnraum für sozial schwache Bevölkerungsgruppen nach dem Karlsruher Modell voran, setzte sich für die Weiterentwicklung der ambulanten Sucht- und Drogenhilfe ein und unternahm erste Schritte zur Einrichtung eines Drogenkonsumraums in Stuttgart.

Als Integrationsbürgermeister verfolgte Wölfle bei der Flüchtlingspolitik den sogenannten "Stuttgarter Weg": Flüchtlinge werden in Stuttgart dezentral in allen Stadtbezirken untergebracht. Die enge Unterstützung und Begleitung der Menschen durch Ehrenamtliche in den Flüchtlingsfreundeskreisen war ihm besonders wichtig. Dies würdigte er als herausragendes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements für den Zusammenhalt in Stuttgart.

Der Bürgermeister stärkte seit Amtsantritt den Internationalen Ausschuss als wichtiges politisches Beratungsgremium für den Gemeinderat. Dort werden seitdem verstärkt auch integrationspolitisch relevante Themen aus dem Sozialamt, dem Jobcenter und anderen Fachämtern eingebracht. Er stieß mit der Reihe "Heimat Stuttgart - Gespräche zur gesellschaftlichen Integration" ein neues Veranstaltungsformat an, mit dem sich die Verwaltung in regelmäßigen öffentlichen Veranstaltungen der Stadtgesellschaft öffnet.

Wölfle setzte sich im Gemeinderat erfolgreich für die Umwandlung der ehrenamtlichen Stelle des Beauftragten für Menschen mit Behinderung in eine hauptamtliche Stelle ein, um der gesamtstädtischen Aufgabe der Teilhabe und Inklusion verstärkt Rechnung tragen zu können. Dies spiegelt sich in dem 2016 installierten Beirat für Menschen mit Behinderung wider, welcher deren politische Teilhabe ermöglicht. Wölfle entwickelte und begleitete die beiden Haushaltspakete Inklusion in den Haushalten 2018/19 und 2020/21 unter anderem mit dem Förderprogramm alten- und behindertengerechtes Wohnen in Höhe von einer Million Euro sowie der Schaffung von Inklusions-Arbeitsplätzen bei der Stadt. Zudem trieb er die Entwicklung eines Online-Stadtführers für Menschen mit Behinderung voran.

In der Amtszeit von Wölfle öffnete sich der städtische Eigenbetrieb Leben und Wohnen (ELW) mit seinen Pflegeeinrichtungen noch mehr in die Stadtquartiersarbeit. 2017 führte der Eigenbetrieb erfolgreich die sogenannte Gemeinwohl-Bilanzierung ein. Der ELW hat sich zu dieser Werte-Bilanzierung entschlossen, um seine gesellschaftliche Wirkung transparent darzustellen.