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Stadtmessungsamt entdeckt bei der Digitalisierung des Liegenschaftskatasters die Originalunterschriften von Unternehmerpersönlichkeiten

14.08.2019 Aktuelles
Das Stadtmessungsamt ist bei der Digitalisierung des Stuttgarter Liegenschaftskatasters auf die Originalunterschriften von bekannten Stuttgarter Persönlichkeiten gestoßen - darunter Robert Bosch, Gottlieb Daimler, Wilhelm Maybach und Ferdinand Porsche. Bei den Dokumenten handelt es sich um historisch bedeutsame vermessungstechnische Zeichnungen von Gebäuden, die Beschreibung von Flurstücken vor und nach der Vermessung sowie die unterschriftliche Anerkennung vonseiten des Besitzers.

Günter Siebers, Leiter des Stadtmessungsamts, sagte: "Wir sind sehr stolz darauf, solche Schätze zu beherbergen. Die jahrzehntealten Unterlagen sind wichtige Zeitdokumente. Sie beurkunden die Historie von Gebäuden schwarz auf weiß und damit - rückblickend betrachtet - auch ganz wesentliche geschichtliche Ereignisse."

Eine der Messurkunden ist datiert auf das Jahr 1895 und zeigt den Motorschuppen auf dem Privatgrundstück von Gottlieb Daimler in der Taubenheimstraße in Bad Cannstatt. In diesem 32 Quadratmeter großen Gebäude legten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach mit der Entwicklung des ersten Motors den Grundstein der Automobilität. Neben der Zeichnung hat Gottlieb Daimler gestochen scharf mit Tinte unterzeichnet (Abbildung 1).

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Von Wilhelm Maybach ist in den Bänden des Liegenschaftskatasters ebenfalls eine Unterschrift zu finden: Diese stammt aus dem Jahr 1905 und prangt neben der Einmessung des Wohnhauses (Abbildung 2).

Stadtmessungsamt entdeckt bei der Digitalisierung des Liegenschaftskatasters die Originalunterschriften von UnternehmerpersönlichkeitenVergrößernAbbildung 2Abbildung 2
Robert Bosch unterschrieb die Einmessung der Villa Bosch im Jahr 1911 (Abbildung 3 und 4).

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Stadtmessungsamt entdeckt bei der Digitalisierung des Liegenschaftskatasters die Originalunterschriften von UnternehmerpersönlichkeitenVergrößernAbbildung 4Abbildung 4
Die Villa Dillmann, die lange als Gebäude für die Volkshochschule diente, aber einst Robert Bosch gehörte, wurde dagegen nicht mehr von Robert Bosch persönlich, sondern von seinem Privatsekretär Willy Schloßstein unterzeichnet (Abbildung 5 und 6).

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Stadtmessungsamt entdeckt bei der Digitalisierung des Liegenschaftskatasters die Originalunterschriften von UnternehmerpersönlichkeitenVergrößernAbbildung 6Abbildung 6
Ferdinand Porsche leistete seine Unterschrift bei der Einmessung seiner Autogarage im Jahr 1923 (Abbildung 7). In diesem Gebäudeteil zwischen den Wohnflügeln der Villa Porsche soll Ferdinand Porsche den KdF-Wagen, den späteren Käfer, entwickelt haben.

Stadtmessungsamt entdeckt bei der Digitalisierung des Liegenschaftskatasters die Originalunterschriften von UnternehmerpersönlichkeitenVergrößernAbbildung 7Abbildung 7
Neben den Originalunterschriften der Stuttgarter Persönlichkeiten finden sich auch Vermessungen und Zeichnungen von bekannten Orten in den Akten des Liegenschaftskatasters wieder: So zum Beispiel die Wilhelma mit einem Plan aus dem Jahr 1883/84, deren historische Gebäude König Wilhelm I. im 19. Jahrhundert im maurischen Stil hat bauen lassen.

Hintergrund

Im Liegenschaftskataster sind flächendeckend und aktuell alle Flurstücke und Gebäude auf der Grundlage von Liegenschaftsvermessungen eingetragen. Im Stadtmessungsamt Stuttgart befinden sich fast 6.000 Bände und Ordner mit bis zu 200 Jahre alten Original-Urkunden über den Grund und Boden im Stadtkreis Stuttgart. Obwohl alle Stuttgarter Flurstücke seit 2012 im Amtlichen Liegenschaftskataster-Informationssystem (ALKIS) geführt werden und die Daten für die Kartenherstellung uneingeschränkt verwendet werden können, entsprechen nur etwa 50 Prozent der dort gespeicherten Festlegungen den heutigen Genauigkeitsanforderungen für die Eigentumssicherung, sodass immer wieder auf die ursprünglichen Festlegungen in den alten Urkunden zurückgegriffen werden muss. Deshalb müssen die Unterlagen im Stadtmessungsamt als Grundlage für viele Katastervermessungen vorgehalten werden und können nicht unter Archivbedingungen gelagert werden.

Mitte 2017 hat das Stadtmessungsamt begonnen, die Liegenschaftskatasterakten zu digitalisieren. Ende 2019 wird das Stadtmessungsamt etwa die Hälfte der Bände und Ordner gescannt haben. Abgeschlossen sein soll der Prozess Ende 2021. Im Wesentlichen werden dabei die alten Bücher und Ordner mit einem Spezialgerät gescannt. Anschließend werden die eingescannten Dokumente noch einmal mit den Originalakten auf Lesbarkeit und Vollständigkeit überprüft.