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Feuchttücher - Alltag und Problem

19.08.2019 Entsorgung
Feuchttücher gehören mittlerweile in vielen Haushalten zum Alltag, doch was nach der Nutzung passiert wissen die wenigsten.
Zu den Feuchttüchern gehören sowohl Kosmetiktücher, Hände-, Oberflächen- oder Intim-Reinigungstücher als auch feuchtes Toilettenpapier. Ihrer Feuchtigkeit wegen müssen diese Hygienetücher aus besonderem Material sein, zumeist handelt es sich dabei um einen Vliesstoff. Der Unterschied besteht hierbei lediglich in der Länge der Fasern, aus denen der Vliesstoff gewebt ist und mit welchen Mitteln er behandelt wurde, um reißfest zu sein. Und das ist das große Problem bei Feuchttüchern. Darauf macht der Eigenbetrieb Stadtentwässerung Stuttgart (SES) anlässlich des Tags des Toilettenpapiers am 26. August aufmerksam.

Info-Flyer: Feuchttücher richtig entsorgen (PDF)

Natürlich sollten die Feuchttücher nicht zerfasern, wenn man damit wischt. Versuche im eigenen Haus haben jedoch gezeigt, dass diese Tücher sich auch nicht auf ihrem Weg in die Kläranlage auflösen. Das bedeutet: Während normales Toilettenpapier innerhalb weniger Minuten in sehr kurze Zellulosefasern zerfällt, die sich auch nicht wieder zusammenfinden, lösen sich Feuchttücher hingegen erst nach Stunden und dann höchstens in lange Fasern auf.

Mit etwas Glück schaffen es die meisten Feuchttücher in den Kanal und begeben sich auf die Reise Richtung Klärwerk. Doch schon am ersten Pumpwerk angelangt, verursachen sie großen Schaden. Durch Zopfbildung der reißfesten Tücher kommt es zu Verstopfungen, und die Pumpen bleiben stehen.

Diese können sich aber auch wieder mit anderen Fasern oder Hygieneartikeln zusammenfinden und Verstopfungen bilden. Auch nach vier Stunden Rühren in einem Becherglas - dies entspricht der längsten Fließzeit von Abwasser in der Stuttgarter Kanalisation während Trockenwetter - waren die Vliestücher noch deutlich zu erkennen (feuchtes Toilettenpapier) oder sogar noch unverändert (feuchtes Kosmetiktuch).

Der Hinweis der Hersteller auf der Packung, die Tücher seien "spülbar" beziehungsweise man dürfe "max. X Tücher pro Spülung" verwenden, entspricht keinen realen Gegebenheiten. Außerdem heißt spülbar nicht, dass die Tücher auch pumpbar sind. Und das müssen sie sein, sonst verstopfen sie die Pumpen in der Kanalisation und den Kläranlagen, Rechenanlagen oder andere Engstellen im Abwassersystem.

Und eine Verstopfung bedeutet immer: Mitarbeiter der Stadtentwässerung Stuttgart müssen zur Pumpstation fahren und dort unter Beachtung der Sicherheitsvorkehrungen die Pumpe ausbauen und den Schaden inspizieren. Im besten Fall funktioniert die Pumpe nach Entfernen der Verstopfung wieder. Im schlimmsten Fall ist die Pumpe kaputt und muss für viel Geld ersetzt werden. Aber auch die Abwasserinstallation im Haus kann durch Feuchttücher verstopfen - und auch das führt zu Ärger und Kosten.

Kurz gesagt: Feuchttücher sind im Haushalt durchaus praktisch. Sie haben in der Toilette jedoch nichts zu suchen - auch wenn die Hersteller dies behaupten. Wer sich nicht sicher ist: Besser im Restmüll entsorgen. Müllverbrennungsanlagen sind auf solche Vliesstoffe vorbereitet.