Presse
  •  

Ergebnisse der Bürgerumfrage 2019 zu Planungen und Projekten in Stuttgart veröffentlicht

04.09.2019 Aktuelles
Das Statistische Amt der Stadt Stuttgart hat von April bis Juni 2019 die 13. Bürgerumfrage durchgeführt. Dabei haben rund 4000 Stuttgarterinnen und Stuttgarter Auskunft über ihr Leben in der Landeshauptstadt gegeben. In der Umfrage wurden auch die Meinungen zu wichtigen Planungen, Projekten und Einrichtungen in Stuttgart abgefragt. Der Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport, Dr. Martin Schairer, hat die Ergebnisse am 4. September veröffentlicht.

Bürgermeister Schairer sagte: "Die Umfrage hat gezeigt, dass die Planungen und Projekte in Stuttgart fast durchweg auf eine unverändert hohe und breite Zustimmung in der Bevölkerung stoßen." Eine Ausnahme bilde das Thema "Stuttgart 21". Schairer: "Hier fällt auf, dass die Meinung zu dem Gesamtvorhaben und zum Umbau des Hauptbahnhofs deutlich negativer ausfällt als 2017. Das mit Stuttgart 21 zusammenhängende Städtebauprojekt Rosenstein und die Parkerweiterungen werden dagegen unverändert überwiegend positiv gesehen."

Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amtes, erläuterte die methodischen Hintergründe der Bürgerumfrage. Das Statistische Amt führt die Umfrage seit 1995 im Zwei-Jahres-Rhythmus durch. Rund 9400 aus dem Einwohnerregister repräsentativ ausgewählte Bürgerinnen und Bürger mit Hauptwohnung in Stuttgart ab 18 Jahren werden gebeten, sich an der freiwilligen Befragung zu beteiligen. Rund 4000 Personen (=41 Prozent) beantworteten diesmal den Fragebogen.

Das Meinungsbild zu "Stuttgart 21"

"Stuttgart 21" ist das aktuell bedeutendste Verkehrsinfrastruktur- und Städtebauprojekt in der Landeshauptstadt Stuttgart. Das Meinungsbild zum Gesamtprojekt "Stuttgart 21" in der Bevölkerung wird seit der ersten Bürgerumfrage 1995 erhoben. Seitdem ist ein stetiges Auf und Ab festzustellen: Zu Beginn des Projekts (1995) und im Jahr der Volksabstimmung über ein S21-Kündigungsgesetz (2011) waren die Zustimmungswerte bislang am höchsten.

Die geringste Zustimmung wurde 2009 gemessen. Danach stieg die Zustimmung bei den folgenden Befragungsrunden bis 2015 deutlich an. 2017 schwächte sich die Zustimmung wieder ab. Bei der aktuellen Bürgerumfrage sind die Zustimmungswerte auf den zweitniedrigsten Stand seit 1995 zurückgefallen (vgl. Tabelle 1 und 2).

Geringfügig zurückgegangen ist im Vergleich zur letzten Bürgerumfrage der Anteil der Befragten, die eine "sehr gute Meinung" von dem Projekt haben (von 13 auf 12 Prozent). Der Anteil der Befragten mit einer "guten Meinung" ging von 25 auf 21 Prozent merklich stärker zurück. Marginal verringert hat sich der Anteil mit einer ambivalenten Einstellung ("teils/teils") von 24 auf 23 Prozent. Deutlich zugenommen hat der Anteil der Personen mit einer ablehnenden Meinung ("schlechte Meinung": 16 Prozent; 2017: 12 Prozent; "sehr schlechte Meinung": 25 Prozent; 2017: 22 Prozent).

Insgesamt hat sich also das Stimmungsbild gewendet und es überwiegen jetzt die Befragten mit einer negativen Einstellung (41 Prozent; 2017: 34 Prozent) gegenüber jenen mit einer positiven (33 Prozent; 2017: 38 Prozent).

Bei einer Betrachtung der einzelnen Teilprojekte von "Stuttgart 21" zeigen sich die rückläufigen Bewertungen für das Gesamtprojekt "S21" auch für den Umbau des Hauptbahnhofs. Die Zustimmung dafür ("sehr gute Meinung/gute Meinung": 33 Prozent; 2017: 39 Prozent) ist rückläufig, während der Anteil der Befragten mit "sehr schlechter" oder "schlechter Meinung" (zusammen 44 Prozent, 2017: 37 Prozent) gestiegen ist.

Das Meinungsbild zu den "Neuen Stadtvierteln in Stuttgart 21 (Rosensteinviertel, Europaviertel)" hat sich nur geringfügig verändert: 37 Prozent haben eine "sehr gute oder gute Meinung" (2017: 38 Prozent) und 25 Prozent eine "sehr schlechte oder schlechte Meinung" (2017: 24 Prozent).

Am positivsten wird weiterhin das Teilprojekt "Erweiterung Rosensteinpark und Schlossgarten" gesehen, von dem 64 Prozent (wie 2017) eine "sehr gute Meinung" oder "gute Meinung" und nur 7 Prozent (2017: 6 Prozent) eine "sehr schlechte Meinung" oder "schlechte Meinung" haben.

Männer und Jüngere sehen "Stuttgart 21" positiver

Erneut ist festzustellen, dass Männer insbesondere den Umbau des Bahnhofs positiver beurteilen als Frauen. Allerdings sind die Zustimmungswerte bei beiden Geschlechtern zurückgegangen (vgl. Tabelle 3).

Insgesamt überwiegt in den Altersklassen von 25 bis unter 35 Jahren und von 35 bis unter 45 Jahren eine überwiegend positive Einstellung zu "Stuttgart 21", wenngleich die Zustimmung rückläufig ist. In den übrigen Altersklassen hingegen fallen die Meinungen zu "Stuttgart 21" mehrheitlich ablehnend aus.

Meinungsbild zu weiteren Projekten

Fast alle in der Bürgerumfrage zur Bewertung vorgelegten weiteren Projekte stoßen auf eine breite Zustimmung. Bei keinem Projekt urteilt die Mehrheit der Befragten überwiegend negativ. Wie schon 2017 ist das Vorhaben "Stadt am Fluss (Landschaftspark Neckar)" das am besten bewertete Projekt (vgl. Tabelle 2). Auf der 100-Punkte-Skala des Kommunalbarometers liegt "Stadt am Fluss" mit wiederum 75 Punkten vor dem "Ausbau des Stadtbahnnetzes" (74 Punkte: + 2).

Sehr positiv gesehen werden auch der "Umbau des Wilhelmpalais zum Stadtmuseum" (68 Punkte; + 2), das "Wohnbauprojekt NeckarPark (Gelände gegenüber dem Cannstatter Wasen)" (69 Punkte; + 4) und der "Lern- und Gedenkort 'Hotel Silber' zum Nationalsozialismus" (67 Punkte; + 6).

Hohe Zustimmung erfahren die Straßenbauprojekte "Rosensteintunnel (B10)" mit 63 Punkten (- 2), "Nordostring (Verbindung B 14 mit B 27)" mit 65 Punkten (- 4) und "Filderauffahrt (Verbindung B 10 mit A 8)" mit 66 Punkten (neue Frage). Allerdings sind beim "Nordostring" und der Filderauffahrt" die Anteile an Befragten, die hierzu keine Meinung haben, mit jeweils 34 Prozent relativ hoch.

Die "Ausweitung des Parkraummanagements" in Stuttgart stößt bei dieser Bürgerumfrage auf etwas weniger Zustimmung (59 Punkte; - 2).

Unterschiedlich positiv werden die Kulturprojekte bewertet. Der "Umbau der Wagenhallen (Veranstaltungszentrum am Nordbahnhof)" erhält 65 Punkte und damit 3 Punkte mehr als 2017. Mit etwas Abstand folgt die "Sanierung der Staatsoper" mit 61 Punkten und einem Rückgang von 4 Punkten zu 2017. Der "Neubau Lindenmuseum (auf Stuttgart 21- Gelände)" kommt auf eine leicht positive Gesamtbewertung von 52 Punkten (wie 2017).

Etwas besser schneidet der "Neubau Konzerthaus (Philharmonie)" mit 55 Punkten ab (neue Frage). Bei beiden Kulturprojekten können aber relativ viele Befragte keine Einschätzung abgeben ("weiß nicht": 30 bzw. 29 Prozent).

Der "Weiß-nicht"-Anteil ist beim Thema "Internationale Bauausstellung StadtRegion Stuttgart 2027" noch höher (42 Prozent). Das Votum der Befragten fällt überwiegend zustimmend aus.

Der "Neubau Kongresszentrum" wird mit 51 Punkten (bei einem "Weiß-nicht"-Anteil von 35 Prozent) nur leicht positiv bewertet.

Eine nur leicht gefallene, insgesamt positive Bewertung erhält das mittlerweile fertiggestellte "Dorotheen Quartier (Areal zwischen Breuninger und Karlsplatz)" mit 55 Punkten (2017: 56). Besser wird die "Neue Messe am Flughafen" mit 62 Punkten (2017: 66) bewertet. Dies ist allerdings die niedrigste Punktzahl für die Messe seit 2009.

Download der Tabellen

Die im Text erwähnten Tabellen können Sie hier herunterladen:
 

Weiterlesen: Bürgerumfrage 2019 zeigt hohe Zufriedenheit mit Lebensqualität in Stuttgart