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Vortrag im Stadtarchiv: Von der Kunst, im Gedächtnis zu bleiben - Repräsentationsbildnisse des Barock

09.10.2019 Kultur
Viele Menschen gestalten heute über soziale Medien ihr digitales Selbstbild. Dabei ist die Idee des "Selfie" alt und hat eine lange Geschichte. Dr. Sandra-Kristin Diefenthaler, Staatsgalerie Stuttgart, wird am Mittwoch, 16. Oktober, 19 Uhr beim nächsten Vortragsabend im Stadtarchiv, Bellingweg 21, im Rahmen der Ausstellung "Rechnende Bürgermeister. Geld, Macht und Erinnerung im vormodernen Stuttgart" darüber berichten, wie die Menschen früherer Jahrhunderte versuchten, über Bildnisse etwas über sich zu erzählen und im Gedächtnis zu bleiben.
Im Mittelpunkt Ihres Vortrags steht das 1641 entstandene Porträtbild des Stuttgarter Bürgermeisters Wolf Friedrich Lindenspür (1581-1651). Warum beispielsweise führt der Dargestellte neben einem Schwert rechts unten auch ein Notenblatt mit sich? Und welche Bedeutung kommt der Kleidung des Porträtierten zu?

Porträts sind wichtige Zeugnisse ihrer Zeit. Sie verraten viel über Rang und Stand, aber auch über den Charakter der Dargestellten. War das Porträt in der Renaissance noch wenigen einflussreichen Persönlichkeiten vorbehalten, so erfuhr diese Kunstgattung im 17. Jahrhundert eine besondere Blüte: Kaiser, Päpste, Fürsten, Bürgermeister und Kaufleute - wer es sich leisten konnte, saß Modell.

Dabei ging es nicht vorrangig um eine möglichst naturnahe Darstellung der Porträtierten, sondern vielmehr stand das Gedächtnis, also die Erinnerung über den Tod hinaus im Vordergrund. So waren auch die Stuttgarter Bürgermeisterporträts nicht nur zu Lebzeiten Symbol für das städtische Amt, sondern gewähren uns bis heute persönlichen Einblick in die vormoderne Gesellschaft.

Sandra-Kristin Diefenthaler ist seit 2018 Kuratorin für die Altdeutsche und Niederländische Malerei an der Staatsgalerie Stuttgart.