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Unterschriften für barrierefreien Einstieg in die Stadtbahn an allen Haltestellen in Empfang genommen

12.11.2019 Aktuelles
Dr. Alexandra Sußmann, Bürgermeisterin für Soziales und gesellschaftliche Integration, Winfried Reichle, Leiter des Unternehmensbereichs Technische Infrastruktur der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) und Simone Fischer, Beauftragte der Landeshauptstadt für die Belange von Menschen mit Behinderung, haben am Dienstag, 12. November, zahlreiche Unterschriften in Empfang genommen. Das Anliegen betrifft die barrierefreie Nutzung der Stuttgarter Stadtbahnen.
Initiatoren sind Menschen mit Behinderung. Gundi Liebehenschel, Svetlana Gentile-Schneider, Sabine Schief und Ansgar Entenmann setzen sich dafür ein, dass Lösungen gefunden werden, damit man an allen Haltestellen barrierefrei in die Stadtbahn kann. Sie berichten, dass für viele Menschen im Rollstuhl der Einstieg in die Stadtbahn an einigen Stadtbahnhaltestellen nicht möglich sei. Menschen zum Beispiel mit Rollator, Kinderwagen oder blinden Menschen sei der Einstieg an vielen Stellen nur unter erschwerten Bedingungen möglich.

Probleme bestehen insbesondere dann, wenn der Höhenunterschied zwischen Stadtbahnwagen und Haltestelle sechs Zentimeter und mehr beträgt. Spätestens ab zehn Zentimeter ist es nicht möglich, mit einem Rollstuhl einzufahren, da beispielsweise ein schwerer E-Rollstuhl nicht kippbar ist.

Unterschriftenaktion für barrierefreien Einstieg an allen Stadtbahn-HaltestellenVergrößernBei der Überreichung der Unterschriften (von links): Svellana Gentile-Schneider, Wolfgang Lechleitner, Gundi Liebehenschel, Bürgermeisterin Dr. Alexandra Sußmann, Simone Fischer, Beauftragte der Landeshauptstadt für die Belange von Menschen mit Behinderung, und Winfried Reichle, Leiter des Unternehmensbereichs Technische Infrastruktur der SSB AG. Foto: Thomas HörnerBei der Überreichung der Unterschriften (von links): Svellana Gentile-Schneider, Wolfgang Lechleitner, Gundi Liebehenschel, Bürgermeisterin Dr. Alexandra Sußmann, Simone Fischer, Beauftragte der Landeshauptstadt für die Belange von Menschen mit Behinderung, und Winfried Reichle, Leiter des Unternehmensbereichs Technische Infrastruktur der SSB AG. Foto: Thomas Hörner
Auch ein großer Spalt zwischen Haltestelle und Stadtbahn stellt für die Personengruppe eine Barriere dar. "Viele von uns sind auf den ÖPNV angewiesen, da wir zum Beispiel keinen Führerschein haben oder nicht mehr Auto fahren können. Eine Rampe in der Stadtbahn oder an der Haltestelle kann uns den Einstieg ermöglichen und anderen erleichtern", sagen die Initiatoren.

Bürgermeisterin Dr. Alexandra Sußmann nahm die Unterschriften in Vertretung für Oberbürgermeister Kuhn entgegen und versicherte: "Wir nehmen Ihre Erfahrungen und das Anliegen sehr ernst. Es ist uns wichtig, dass Menschen mit Behinderung bestmögliche Bedingungen vorfinden, damit sie in Stuttgart gut leben und mobil sein können. Insbesondere Menschen, die keine anderen Verkehrsmittel nutzen können, sind auf Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehrsnetz angewiesen."

Nach dem Personenbeförderungsgesetz soll der ÖPNV bis Januar 2022 vollständig barrierefrei sein. Winfried Reichle: "In den vergangenen Jahrzehnten hat die SSB viel investiert und alle Stadtbahnhaltestellen im Stadtgebiet mit Hochbahnsteigen ausgestattet. Wir arbeiten weiter daran, bestehende Hindernisse zur Nutzung unserer Verkehrsmittel soweit wie möglich zu reduzieren."

Simone Fischer würdigte das zivilgesellschaftliche Engagement der Initiatoren: "Wenn man sich in besonderen Lebenssituationen befindet, benötigt es oftmals eine Prise mehr Kraft oder Mut, sich zu engagieren. Es ist beispielhaft, wenn Menschen mit Behinderung ihre Bedarfe sichtbar machen, sich für ihre Stadtgesellschaft einsetzen und diese mitgestalten wollen."

Der Gemeinderat beschäftigte sich in der Vergangenheit und aktuell mit dem Thema. Das Inklusionspaket 2.0, das der Oberbürgermeister für die Haushaltsplanberatungen zur Beschlussfassung vorgeschlagen hat, enthält die Empfehlung, ein einmaliges Sonderbudget als Zuschuss an die SSB zu gewähren. Damit sollen priorisierte Haltestellen mit Blick auf die Höhenunterschiede und den Spalt zwischen Bahnsteig und Stadtbahnwagen baulich angepasst werden. Bis eine flächendeckende Barrierefreiheit hergestellt ist, können damit auch Rampen beschafft und eingesetzt werden, um kurzfristige und gezielte Verbesserungen herbeizuführen.