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Nachterlebnis statt Lichtverschmutzung

19.11.2019 Aktuelles
Wer kennt und sieht sie noch, die Wintersternbilder Orion und Kassiopeia? Leider werden Sterne und Planeten am Nachthimmel zunehmend durch überflüssige Außenbeleuchtung überstrahlt, und der Himmel erscheint eher hellgrau statt schwarz. Nicht zuletzt durch die vielen Angebote preiswerter LED-Anwendungen wird die natürliche Dunkelheit der Nacht zum Tag verkehrt. Dies hat negative Folgen, auch für die Natur.
Nicht nur Astronomen beklagen, dass der Blick auf Himmelsobjekte stark beeinträchtigt wird, sondern auch Eltern und Großeltern finden bald keinen Ort mehr, von wo aus sie ihren Kindern oder Enkeln die Milchstraße zeigen können. Künstliches Licht überflutet den nächtlichen Himmel, so dass nur noch die hellsten Sterne, der Mond und Planeten erkennbar sind. Permanente Außenbeleuchtung am Haus und im Garten erhöht trotz LED-Technik spürbar den Stromverbrauch und damit die Emissionen von Schadstoffen und treibhauswirksamen Gasen bei den Kraftwerken.

Übertriebene Beleuchtung lockt zudem nachtaktive Insekten an. Sie geraten in eine Lichtfalle und sterben an Erschöpfung. Zugvögel werden von ihrer Flugbahn abgelenkt, und Brutvögel meiden Bäume, die nachts angestrahlt werden. Auch die Nachbarn können sich durch helles Licht gestört fühlen.

Abgesehen von Sicherheitsaspekten auf öffentlichen Straßen und Gehwegen empfiehlt das städtische Amt für Umweltschutz deshalb Zurückhaltung in Sachen Außenbeleuchtung und schlägt folgende Maßnahmen vor: Die Beleuchtung von Werbeträgern in der fortgeschrittenen Nacht könnten ab zirka 23 Uhr abgeschaltet werden. Die Anzahl und Stärke der Außenbeleuchtung soll auf das nötige Minimum reduziert werden. Statt Dauerbeleuchtung ist ein Bewegungssensor sinnvoll, der das Licht nur bei Bedarf einschaltet.

Die Leuchten sollten so abgeschirmt sein, dass das Licht nur nach unten auf die Gehwegfläche trifft. Als Leuchtmittel eignen sich energiesparende LED-Lampen mit einer Farbtemperatur von maximal 3000 Kelvin, um die Lockwirkung für Insekten zu reduzieren. Von Halogenflutlicht oder Bodeneinbauleuchten wird abgeraten, nicht zuletzt, weil diese teure Energie verschwenden. Lampen sollten nicht nach oben strahlen, sondern nur nach unten auf die zu beleuchtende Fläche.

Die Stadt Stuttgart hat für neue Bebauungspläne Regeln für energiesparende, streulichtarme und insektenverträgliche Beleuchtung aufgestellt. Schließlich geht es auch darum, in Stuttgart die Schönheit der Nacht wieder zurückzugewinnen.

Das Faltblatt "Nachterlebnis statt Lichtverschmutzung" ist kostenlos bei der Umweltberatung des Amts für Umweltschutz, Gaisburgstraße 4, und bei der Rathaus-Infothek erhältlich. Die Umweltberatung ist unter Telefon +49 711 216-88600 sowie via E-Mail an umweltberatung@stuttgart.de erreichbar. Auch unter www.stuttgart.de/insektenvielfalt kann das Faltblatt heruntergeladen werden.