Presse
  •  

Schlichtungsstelle Täter-Opfer-Ausgleich beim Jugendamt vermittelt seit 30 Jahren in Jugendstrafverfahren

21.11.2019 Kinder/Jugend
Die Landeshauptstadt Stuttgart ist eine der ersten Kommunen gewesen, die den Täter-Opfer-Ausgleich eingeführt hat. Sie hat das Konzept aufgegriffen noch bevor es im Jugendgerichtsgesetz verankert wurde. Zudem haben Stuttgarter Vermittler an den bundesweiten Standards des Täter-Opfer-Ausgleichs mitgewirkt. Mittlerweile gibt es die gleichnamige Schlichtungsstelle - angesiedelt beim Jugendamt - seit mehr als 30 Jahren.

Jugendamtsleiterin Dr. Susanne Heynen sagte am Donnerstag, 21. November, bei einem Treffen mit den aktuellen und ehemaligen Mediatoren: "Dieser runde Geburtstag freut uns sehr. Die Jugendhilfe im Strafverfahren ist eine wichtige Aufgabe eines Jugendamtes. Mit dem Angebot des Täter-Opfer-Ausgleichs unterstützen wir Opfer und Täter gleichermaßen. Unsere Vermittler haben dabei sowohl die emotionale, als auch die materielle Ebene im Blick."

Staatsanwaltschaft und Gerichte überweisen geeignete Jugendstrafverfahren an die Schlichtungsstelle. Der Täter-Opfer-Ausgleich ermöglicht dabei die emotionale Aufarbeitung einer Tat und schafft die Möglichkeit zur Wiedergutmachung. Die Mediatoren begleiten unparteiisch den Austausch beider Seiten und moderieren - wenn gewünscht - die persönliche Begegnung von Opfer und Täter. Bei einer Wiedergutmachungskonferenz wird das soziale Umfeld in die Aufarbeitung der Tat miteinbezogen. Das Strafverfahren kann nach einem Täter-Opfer-Ausgleich eingestellt oder die Strafe gemildert werden.

Zehntausende Euro Schmerzensgeld wurden schon gezahlt

Damit Opfer von finanziell mittellosen jungen Menschen auch Schmerzensgeld oder Schadensersatz erhalten können, haben Jugendamtsmitarbeiter den Verein Starthilfe gegründet. Dies ermöglicht die Vergabe von zinslosen Darlehen oder Wiedergutmachungszahlungen aufgrund von gemeinnützigen Arbeitsstunden.

Laut Jugendamt gab es bislang eine Zusammenarbeit mit mehr als sechseinhalbtausend Tätern und fünftausend Opfern. In rund 70 Prozent aller Fälle ist es zu einer Übereinkunft gekommen. Dabei werden jährlich zwischen 15.000 und 30.000 Euro Wiedergutmachungszahlungen vermittelt. "Das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann", so die Jugendamtsleiterin Dr. Heynen.

Daniela Kundt, Dienststellenleiterin der Ambulanten Maßnahmen der Jugendhilfe im Strafverfahren betonte: "Ein Täter-Opfer-Ausgleich kann zu jedem Verfahrenszeitpunkt und in nahezu jedem Verfahren stattfinden, wenn es ein persönliches Opfer gibt." Das Ergebnis müsse dabei nicht immer eine Einstellung des Verfahrens sein, so Daniela Kundt. Vielmehr sollte im Vordergrund stehen, dass der junge Mensch etwas für sich "mitnimmt" und die oder der Geschädigte die Möglichkeit eines Ausgleichs erfährt.

Mediatorin Jasmina Wiehe sagte bei dem Treffen am Donnerstag: "Mit der Mediation in Strafsachen schaffen wir für die Jugendlichen und Heranwachsenden die Möglichkeit, sich selbst einzubringen und eine Lösung für ihren Konflikt zu finden." Ihr Kollege Wolfgang Schlupp-Hauck führte aus: "Die Lösung kann ganz unterschiedlich aussehen. Von einer Entschuldigung bis zu einer Schmerzensgeldvereinbarung, von einer gemeinsamen Unternehmung bis hin zu einer Unterlassungserklärung kann alles dabei sein."

Bei den meisten Fällen handelt es sich um Körperverletzungen

Täter und Opfer können sich bei der Schlichtungsstelle auch selbst melden. Sozialarbeiter und Rechtsanwälte regen das immer wieder an. Mehr als die Hälfte der vermittelten Fälle sind Körperverletzungsdelikte. Auch Delikte wie Sachbeschädigungen, Diebstahl und Beleidigungen sowie Straftaten im Internet treten häufig auf. Erfolgreich vermittelt wurde zudem schon bei Raubüberfällen. Die Vermittler besuchen die Täter zu Gesprächen in Haft. Das Ausgleichsgespräch selbst findet dann nicht im Jugendamt, sondern in der Justizvollzugsanstalt oder im Gericht statt.

Mehr Infos gibt es im Internet unter www.stuttgart.de/taeter-opfer-ausgleich. Betroffene können sich telefonisch beraten lassen unter der Telefonnummer 0711/216-55382 oder 0711/216-55379.