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Kampagne "Kenn Dein Risiko" für mehr Männergesundheit zum Tag der ungleichen Lebenserwartung

02.12.2019 Gesundheit
Zu viele Männer sterben immer noch viel zu jung: 28 Prozent aller Männer noch vor ihrem 70. Lebensjahr. In der Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren sind zwei Drittel aller Sterbefälle Männer, zwei Drittel aller Suizide werden von Männern begangen und zwei Drittel der Verkehrstoten sind ebenfalls männlich.

In der Landeshauptstadt ist die Lebenserwartung indes gestiegen und lag 2017 bei 79,7 Jahren für neugeborene Jungen (Quelle Gesundheitsatlas Baden-Württemberg). Die Kampagne "Kenn Dein Risiko" der Stiftung Männergesundheit will gemeinsam mit dem Gesundheitsamt als Kooperationspartner vor Ort Männer direkt ansprechen und für eine gesündere Lebensweise sensibilisieren.

Olaf Theuerkauf, Vorstand der Stiftung Männergesundheit, sagt: "Männer sterben viel zu früh, nicht, weil sie Männer sind, sondern weil sie sich riskant verhalten - und weil sie in riskanten Verhältnissen leben. Hinzu kommt: Den meisten Männern sind ihre Risiken gar nicht bewusst. Sie wissen auch zu wenig darüber, wie gefährlich anerzogene oder angewöhnte ungesunde Lebensweisen sind."

Das Gesundheitsamt hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit der städtischen Abteilung für Chancengleichheit und Diversity zu einer Männergesundheitskonferenz in Stuttgart eingeladen und dort Handlungsempfehlungen erarbeitet. Für das Gesundheitsamt ist ein geschlechtsspezifischer Ansatz in der Arbeit wichtig und wird nach Möglichkeit umgesetzt.

So wurde festgestellt, dass es zwar gute Anlauf- und Beratungsstellen für Jungen und Männer in Stuttgart gibt, wie "Jungen im Blick" im Verein Gesundheitsladen, doch sind viele dieser Angebote nicht gut vernetzt und es bräuchte einen Ausbau spezieller Angebote, wie in der Suizidprävention. Auch sollten die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten zur Jungen- und Männergesundheit weiter ausgebaut werden.

Prof. Dr. Stefan Ehehalt, Leiter des Gesundheitsamts, sagt: "In Stuttgart gibt es bereits eine gute Anzahl an Maßnahmen und Projekten zur Jungen- und Männergesundheit. Doch ist auch in Stuttgart noch einiges zu tun, um das Risikoverhalten und die Sensibilität zu gesundheitlichen Themen bei Jungen und Männern zu verbessern".

Männer haben einen anderen Lebensstil als Frauen, sie haben aber auch eine andere gesellschaftliche Rolle. "Männer leben riskanter", sagt Dr. Matthias Stiehler, Vorstand der Stiftung Männergesundheit. "Aber Männer wollen sich nicht selbst schaden. Hinter diesem Verhalten steckt immer der Versuch, Probleme zu bewältigen."

Welche Probleme Männer haben und was sie dagegen tun können, darum geht es bei der Kampagne "Kenn Dein Risiko". Mit Veranstaltungen in ganz Deutschland und einer Kampagne auf Facebook informiert die Stiftung Männergesundheit umfassend zum Thema. Die Kampagne hat am 19. November, dem Internationalen Männertag, begonnen und endet am 10. Dezember, dem Tag der ungleichen Lebenserwartung.

Gemeinsam mit Kooperationspartnern vor Ort will die Stiftung Männergesundheit Männer ermutigt, eine Bestandsaufnahme zu machen und herauszufinden, wo ihr persönliches Risiko liegt, zu erkranken. Neben den klassischen Bereichen wie Ernährung und Bewegung geht es vor allem um Themen wie Burnout, die psychische Gesundheit von Jungen, Partnerschaft, aber auch Lebensqualität.

Weitere Informationen zur Kampagne "Kenn Dein Risiko" unter www.tag-der-ungleichen-lebenserwartung.de und beim Gesundheitsamt, Sachgebiet Strategische Gesundheitsförderung, Geschäftsstelle Gesundheitskonferenz, Schloßstraße 91, Heinz-Peter Ohm, Telefon +49 711 216-59414, E-Mail heinz-peter.ohm@stuttgart.de.

Hintergrund - Daten für Stuttgart aus dem Gesundheitsatlas Baden-Württemberg

"Männer und Frauen haben ungleiche Gesundheitschancen. Unterschiede zwischen den Geschlechtern in der gesundheitlichen Lage zeigen sich in der unterschiedlichen Lebenserwartung sowie in der vorzeitigen Sterblichkeit von Männern.

Im Jahr 2017 lebten in Stuttgart knapp 315.000 männliche Einwohner, von denen ca. 2.700 verstarben, etwa 60 davon durch Suizid. Auch in Stuttgart ist die mittlere Lebenserwartung für Männer in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Sie betrug 2017 für neugeborene Jungen in Stuttgart 79,7 Jahre. Dies geht mit einem Rückgang der Lebenserwartungsdifferenz zwischen Frauen und Männern einher. In Stuttgart betrug diese Differenz 2017 aber immer noch 4,6 Jahre zu Ungunsten der Männer.

Schlechte soziale Rahmenbedingungen, wie z.B. geringes Einkommen, niedriger Bildungsstand und Arbeitslosigkeit, haben neben belastenden Lebensereignissen sowie Migration einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit. Sozial benachteiligte Männer sind häufiger gesundheitlichen Risikofaktoren ausgesetzt, weisen ein vergleichsweise höheres Erkrankungsund Sterberisiko auf und können schlechter auf gesundheitliche Ressourcen zurückgreifen.

In Stuttgart betrug die Arbeitslosenquote bei Männern 2017 durchschnittlich 5,4%, die Anzahl der männlichen Empfänger von Sozialleistungen lag bei 7,3 je 10.000 männliche Einwohner. Beide Werte liegen über dem Landesdurchschnitt.

Aufgrund der höheren vermeidbaren Sterblichkeit von Jungen und Männern sind diese eine wichtige Zielgruppe für Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention. Doch gerade sie werden durch aktuelle Maßnahmen meist sehr viel schlechter erreicht. Für männerspezifische Prävention und Gesundheitsförderung ist daher ein besserer Zugang zu Männern mit spezifischen Risikound Ressourcenprofilen entscheidend, sowohl in Bezug auf die Erhaltung gesundheitlichen Wohlbefindens als auch auf die Entstehung von Erkrankungen.

Der Bericht 'Jungen- und Männergesundheit in Baden-Württemberg 2015' untersuchte Angebot und Qualität von Aktivitäten zur Jungen- und Männergesundheitsförderung in den Stadt- und Landkreisen. Die Landeshauptstadt Stuttgart erreichte dabei mit 9 von 12 Punkten den Spitzenplatz in Baden-Württemberg."

Quelle: Gesundheitsatlas Baden-Württemberg, "Kreisprofil Jungen- und Männergesundheit für Stuttgart". Das "Kreisprofil Jungen- und Männergesundheit" im Gesundheitsatlas Baden-Württemberg zeigt für Stuttgart weitere Informationen aus Daten des Statistischen Bundesamtes (DESTATIS) sowie vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg (STALA BW).

Weitere Informationen: www.gesundheitsatlas-bw.de