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Richard von Weizsäcker zum 100. Geburtstag

08.04.2020 Aktuelles
Der Geburtstag des früheren Bundespräsidenten und Ehrenbürgers der Stadt Stuttgart, Dr. Richard von Weizsäcker, jährt sich am 15. April zum 100. Mal. Zur Würdigung seiner Verdienste wurde von Weizsäcker 1990 im Rathaus durch den Gemeinderat die Ehrenbürgerwürde verliehen. Nach seinem Tod wurde 2016 die Planie zwischen Schillerplatz und Charlottenplatz in "Richard-von-Weizsäcker-Planie" umbenannt.
Der Sohn einer bekannten evangelischen Gelehrten-, Theologen- und Juristenfamilie wurde 1920 in einer Mansardenwohnung des Neuen Schlosses geboren. Seine weitere Kindheit und Jugend verbrachte er aufgrund des Diplomatenberufs seines Vaters in der Schweiz, in Dänemark und in Berlin. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften und Geschichte in Göttingen, von 1937 an in Oxford und Grenoble, bevor er 1938 seinen Militär- und Kriegsdienst begann. Während dieser Zeit wurde er mehrfach verwundet. Eine enge Freundschaft verband ihn mit dem in der Gruppe des 20. Juli 1944 aktiven Widerstandskämpfer Axel Freiherr von dem Bussche-Streithorst.
 
Nach Kriegsende setzte er sein Studium der Rechtswissenschaften und Geschichte in Göttingen fort. Zunächst führten Richard von Weizsäcker berufliche Stationen in die Wirtschaft. Er gehörte ab 1962 dem Kirchentagspräsidium an und war von 1964 bis 1970 Präsident des Kirchentags. 1969 wurde er in den Bundestag gewählt. Von Juni 1981 bis Februar 1984 war Richard von Weizsäcker Regierender Bürgermeister von Berlin. Am 23. Mai 1984 erreichte er mit der Wahl zum 6. Bundespräsidenten sein höchstes politisches Amt, das er bis 1994 innehatte. Dabei sah er seine Aufgabe nicht nur in Repräsentationspflichten, sondern vor allem in der Begegnung mit Menschen. Besonders zur Jugend suchte er stets den Kontakt, aber auch gegenüber gesellschaftlichen Randgruppen oder Staatskritikern zeigte der promovierte Jurist keine Berührungsängste.
 
Die Aussöhnung mit dem Ostblock, Gespräche mit der damaligen DDR und die Unterstützung des Reformprozesses in der von Michail Gorbatschow geführten Sowjetunion waren seine Anliegen während seiner Amtszeit. Er kümmerte sich auf seinen Reisen besonders auch um die Probleme der Entwicklungsländer, beschäftigte sich darüber hinaus mit der weltweiten Arbeitslosigkeit, der Unterbeschäftigung und dem Umweltschutz. Aufsehen und Respekt im In- und Ausland erregte seine Rede zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 - einen Tag, den von Weizsäcker als Tag der Befreiung von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bezeichnete. "Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung", waren die Worte, mit denen der Bundespräsident zu einem bewussten Umgang mit der deutschen Geschichte aufrief.
 
1989 wurde er aufgrund seines hohen Ansehens und seiner Autorität als einziger Kandidat für die Bundespräsidentenwahl mit großer Mehrheit wiedergewählt. Die letzte Rede seiner Amtszeit nutzte von Weizsäcker, um deutlich zur Abwehr des Rechtsextremismus aufzurufen. Am 30. Juni 1994 übergab er das Amt des Bundespräsidenten an Roman Herzog. Richard von Weizsäcker verstarb am 31. Januar 2015 im Alter von 94 Jahren in Berlin.