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OB Kuhn zur Corona-Krise: "Leichtsinn ist der größte Gegner" - Verwaltung und Klinikum ziehen vorsichtig-positive Zwischenbilanz

19.06.2020 15:00 Gesundheit
Stuttgart hat nach Ansicht von Oberbürgermeister Fritz Kuhn die Corona-Krise bislang gut gemeistert. Der OB sagte bei einer Pressekonferenz am Freitag, 19. Juni: "Es gilt: Das Virus ist noch nicht weg. Leichtsinn ist der größte Gegner im weiteren Umgang mit ihm. Es gilt wachsam zu sein, um die Infektionszahlen nicht in die Höhe schnellen zu lassen und eine zweite Welle bereits im Aufbau zu verhindern. Eine zweite Ansteckungswelle einzufangen, ist noch schwieriger, als alles, was wir in den letzten vier Monaten geleistet haben."

OB Kuhn zur Corona-Krise: 'Leichtsinn ist der größte Gegner' - Verwaltung und Klinikum ziehen vorsichtig-positive ZwischenbilanzOberbürgermeister Fritz Kuhn, Prof. Jan Steffen Jürgensen (li., Medizinischer Vorstand des Klinikums Stuttgart) und Prof. Stefan Ehehalt (re., Leiter des Gesundheitsamts Stuttgart) zogen eine vorsichtig-positive Zwischenbilanz der Corona-Krise. Foto: Leif Piechowski/Landeshauptstadt StuttgartKuhn rief die Bürger zu "Vorsicht, Rücksicht und Umsicht" auf. Der OB weiter: "Neben den bekannten Hygieneregeln ist das richtige Tragen von Masken entscheidend. Mein Appell an alle: Schützt Euch selbst, um andere nicht zu gefährden." Neben einer Infektion über Tröpfchen bereiten ihm in der Luft befindliche Aeorosole als Übertragungsweg Sorgen. Kuhn wörtlich: "Regelmäßiges Lüften, am besten als Durchzug, ist daher unerlässlich. Außerdem rufe ich alle auf, die es noch nicht getan haben, sich möglichst die Corona-App herunterzuladen. Sie zeigt das persönliche Risiko einer Ansteckung und ist ein nützliches Instrument für das Gesundheitsamt, um Kontaktketten nachzuverfolgen."

Kuhn sprach von einer "gemeinsamen Leistung zur Eindämmung der Pandemie". Er lobte die Bürgerinnen und Bürger für ihren Umgang mit der Bedrohung und dankte Ärzten und Pflegern sowie Verwaltung, Gemeinderat, Feuerwehr, Polizei und Hilfsdiensten und Polizei für ihren geleisteten Einsatz. Kuhn kündigte an, dass die Stadt Lehren aus der Krise ziehen würde. So sei die Einrichtung eines Lagers mit Schutzausrüstung gemeinsam mit dem Klinikum in Planung.

Insgesamt über 1.500 Infektionen in Stuttgart

In Stuttgart sind aktuell 1.522 Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Davon gelten 1.422 Personen als genesen. 65 Personen sind bisher mit einer festgestellten Corona-Infektion verstorben. Demnach sind noch 35 Personen infiziert und damit ansteckend.

Professor Stefan Ehehalt, Leiter des Gesundheitsamtes, unterstrich: "Die Lage in Stuttgart ist derzeit stabil. Das ist aber nur eine Momentaufnahme. Das Virus breitet sich auf der ganzen Welt weiter aus, wir dürfen es nicht unterschätzen." Er mahnte, die Abstands- und Hygienemaßnahmen zu achten und auch persönliche Kontakte weiterhin auf ein Minimum zu reduzieren.

Die vom neuartigen Coronavirus ausgehenden Gefahren seien nur wirkungsvoll zu beenden, wenn die Reproduktionszahl stabil unter 1 liege. "In Deutschland war sie am Anfang deutlich höher: Ein Infizierter steckte im Schnitt zwei bis drei weitere Personen an. In Stuttgart waren es zeitweise doppelt so viele. Deswegen wurde ein beginnendes exponentielles Wachstum der Infektionen verzeichnet."

Ehehalt weiter: "Uns ist es gelungen, die Ausbreitung einzudämmen dank der Maßnahmen, die wir getroffen haben." Weiter wichtig waren die exzellente Zusammenarbeit innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung, die Ausweitung der Testkapazitäten sowie die Verteilung von Schutzausrüstung wie Masken, Schutzanzügen, Handschuhen, Desinfektionsmitteln oder Schutzbrillen. Ehehalt sagte, dass aus Lieferungen des Landes Baden-Württemberg und durch die Stadt insgesamt 250 Einrichtungen bedient wurden, darunter Alten- und Pflegeheime, Hospize, Frauenhäuser, Schutzeinrichtungen oder auch Hebammenverbände.

Außerdem habe die Stadt rund 7.400 Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen leben oder arbeiten, vorsorglich getestet. Dabei wurden acht Mitarbeiter positiv getestet. Die sich daraus ableitenden Maßnahmen wurden umgehend eingeleitet. Rund 45 Prozent der Verstorbenen in Stuttgart lebte zuvor in einer Alten- oder Pflegeeinrichtung.

Untersuchung der Todesursachen

Ehehalt führte aus: "Wir haben uns mit den Stuttgarter Krankenhäusern die Todesursachen angeschaut. Eine erste Analyse ergab bei rund 70 Prozent der Verstorbenen einen klaren Bezug zur Erkrankung mit dem Corona-Virus, rund 20 Prozent wiesen einen möglichen Bezug auf und zehn Prozent sind mit und nicht an dem Virus verstorben." Die Sterblichkeit insgesamt bewegt sich in Stuttgart innerhalb der Schwankungsbreite, die in den letzten zwanzig Jahren verzeichnet wurde.

Professor Jan-Steffen Jürgensen, Medizinischer Vorstand des Klinikums Stuttgart, führte aus, dass sich das Klinikum ab Januar auf eine mögliche Ausbreitung des Virus vorbereitet habe. Seitdem wurde die Zahl der Intensivplätze von zunächst 90 Betten derzeit 240 gesteigert und soll mit weiteren Gerätelieferungen im Juli gar 270 erreichen. Jürgensen unterstrich, dass von seinem Haus bisher über 36.000 Personen auf das Virus getestet wurden, Corona-Ambulanzen aufgebaut, Schleusenzugänge zu den Quarantänestationen errichtet und eine Isolations-Intensivstation aufgebaut wurde. "Wir haben mit den Krankenhäusern in Stuttgart sehr leistungsstarke Strukturen und eine gute Basis. Entscheidend bleiben aber die gesellschaftlichen Maßnahmen und gemeinsame Prävention. Vorbeugen ist immer besser als Heilen."

Laut Dr. Albrecht Stadler, Leiter der Abteilung Sicherheit und Ordnung im Amt für öffentliche Ordnung, wird das Land Baden-Württemberg noch im Juni eine neue Verordnung erlassen. "Unsere Aufgabe ist es, diese dann in Stuttgart umzusetzen und den Bürgern zu erklären. Gut ist, dass das Land ankündigt, die neuen Regeln mit einer Begründung zu versehen. Dies erleichtert die Nachvollziehbarkeit für alle."

Hintergrund zu Fieberambulanz, Bürgertelefon und Kommunikation

In einer Fieberambulanz wurden bislang nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg gut 2.600 Erwachsene und 300 Kinder behandelt. Es wurden etwa 2.400 Abstriche vorgenommen. In den Spitzenzeiten haben sich mehr als 100 Patienten pro Tag in der Fieberambulanz eingefunden.

Von Mitte März bis Ende Mai hatte die Stadt eine Telefonhotline geschalten, die auch an Wochenende und Feiertagen erreichbar war. 124 geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Ämtern der Stadt beantworteten Fragen rund um das Thema Corona. Insgesamt leisteten sie in einem Schichtmodell über 7.300 Stunden Dienst. In der Spitze meldeten sich 1.700 Anrufer an einem Tag.

Tausende Bürger nutzten Informationen, die die Stadt über ihre Online-Kanäle anbot. Die am 26. Februar gestartete Website www.stuttgart.de/corona wurde etwa eine Million Mal aufgerufen. Die 246 Posts auf Facebook erreichten 5,2 Millionen Nutzer. Die 157 Tweets auf Twitter erreichten weiter 1,5 Millionen Nutzer. Die 82 YouTube Videos erzielten über 41.000 Aufrufe.

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