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Urbane Gärten: Viel mehr als einfach nur Blumenbeete

Manche sind groß, manche sind klein, in einigen wird gemeinsam gegärtnert, in anderen hat jeder seine eigene Parzelle: Urbane Gärten sind so unterschiedlich und vielfältig wie die Menschen, die sich dort einbringen. Sie sind: Ein kleines Stückchen Heimat.

Es ist längst kein Trend mehr, sondern fester Bestandteil des Stadtbilds vieler Metropolen: Das urbane Gärtnern oder - in schönstem Neudeutsch - Urban Gardening. So auch in Stuttgart: "Urbane Gärten sind ein fester Baustein in unserem Grünkonzept", erklärt Larissa Eißler. Die Landschaftsarchitektin ist beim Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung Ansprechpartnerin für Urbanes Gärtnern und das kommunale Grünprogramm.

Urbane Gärten: Viel mehr als einfach nur BlumenbeeteEl Palito auf dem Haigst:Wie ein verwunschenes Paradies wirkt der Gemeinschaftsgarten am steilen Hang. Foto: Max Kovalenko
Sie teilt sich die Stelle mit ihrem Kollegen Alexander Schmid. Beide unterstützen und fördern Initiativen, die mehr Grün in die Stadt zurückbringen wollen. Seit 2014 gibt es das Förderprogramm, die Nachfrage ist groß: "Vor allem im Frühjahr werden wir regelrecht überrannt mit Anfragen", sagt Eißler und zeigt auf eine große Stuttgart-Karte, auf der die einzelnen Projekte markiert sind. Gut 40 kleine Fähnchen stecken hier, quer übers Stadtgebiet verteilt. "Das ist der Stand von Ende 2016", sagt die Landschaftsarchitektin fast entschuldigend - die im Frühjahr und Frühsommer 2017 neu hinzugekommenen fehlen noch.

Und was bewegt die Menschen jetzt dazu, brachliegende Flächen mit Blumen, Sträuchern oder Gemüsebeeten zu bepflanzen? Um die Selbstversorgung geht es nicht in erster Linie, weiß Larissa Eißler. "Das gemeinsame Gärtnern in einer anonymisierten Großstadt schafft Identität, schafft ein Stückchen Heimat", sagt sie. Ganz wichtig sei der Austausch untereinander, das miteinander und voneinander Lernen: "So kommen sich die Menschen im Quartier näher, lernen sich besser kennen."

Pädagogik, Interkulturalität, Begegnung

Genauso unterschiedlich wie die Menschen selbst sind auch die Gärten und Projekte, die von ihnen umgesetzt und gepflegt werden. So steht hinter dem Kirschgarten am Klingenbach in Stuttgart-Ost ein pädagogisches Konzept für Kinder, das gemeinsam mit den dort ansässigen Kleingärtnern verwirklicht wurde. In Untertürkheim am Karl-Benz-Platz hat die Initiative "Bunt statt grau" Blumen in bunte Autoreifen gepflanzt, um das Tor zum Stadtteil etwas freundlicher zu gestalten.

Die Bürgergärten im Hallschlag verfolgen ein interkulturelles Konzept: Verständigung und Austausch von Menschen unterschiedlicher ethnischer und kultureller Herkunft ist als wichtiges Ziel der Bürgergärten in der Vereinssatzung verankert. Eine kleine Insel für Demenzkranke wurde in der Kleingartenanlage "Schlotwiese" in Zuffenhausen geschaffen, in Botnang entsteht mit dem Garten-Kultur-Labor ein Nachbarschaftsgarten, der langfristig allen Nachbarn offenstehen soll.

Urbane Gärten: Viel mehr als einfach nur BlumenbeeteDas Traubenplätzle: Die bepflanzten Weinfässer lockern die Fläche in Stuttgart-West auf. Foto: Karl Semle
Doch sind es nicht immer nur die großen Projekte, die Menschen zusammenbringen und öffentlichen Raum im Viertel attraktiver machen. Am Traubenplätzle im Stuttgarter Westen etwa wurde aus dem "Motorradparkplatz" mit üppig bepflanzten Weinfässern - ganz in der Nähe waren früher Weinberge - und einer rustikalen Sitzgelegenheit ein schmucker Ort der Begegnung, der jetzt auch zum Verweilen und Innehalten einlädt.

Kleine Paradiese der Vielfalt

Ebenfalls mit recht einfachen Mitteln ist in der Bergstraße in Gablenberg ein kleines Paradies entstanden: Zahlreiche Hochbeete, fachmännisch zusammengezimmert aus alten Holzbrettern, beleben einen einstmals brachliegenden Grünstreifen. Rund 15 Bewohner bauen hier in 14 Beeten neben Radieschen, Kräutern, Tomaten oder Erdbeeren auch Zierpflanzen an - den Wildbienen zuliebe.

Urbane Gärten: Viel mehr als einfach nur BlumenbeeteDie Bergstraße in Gablenberg: Hochbeete bringen die Menschen einander näher. Foto: Johanna Kircher
Ganz im Zeichen der Vielfalt steht der Garten El Palito auf dem Haigst in Degerloch. "Diversität zieht sich bei uns durch wie ein roter Faden", sagt Victor vom gemeinnützigen Verein El Palito. Das gilt nicht nur für die Pflanzenwelt. "Jeder Mensch ist wertvoll. Wir freuen uns über jeden, der sich hier einbringen möchte."

Zu tun gibt es auf dem steilen, 3500 Quadratmeter großen Grundstück immer etwas - auch, weil im Garten öfter mal kulturelle Events stattfinden. Auch für Victor steht das gemeinsame voneinander Lernen im Vordergrund: "Jeder kann doch etwas besonders gut - umso schöner, wenn er andere daran teilhaben lässt." Ein kleines Paradies im Großstadtdschungel.

Förderung von Urban Gardening in Stuttgart

Die Stadt Stuttgart unterstützt die Schaffung von urbanen Gärten sowohl fachlich als auch finanziell. Zuständig ist das Amt für Stadtplanung und Stadt­erneuerung. Larissa Eißler und Alexander Schmid sind erreichbar unter der Telefonnummer 216-20325 oder per E-Mail: urbanes.gruen@stuttgart.de. Den Antrag und die Richtlinie zur Förderung von urbanen Gärten in Stuttgart gibt's unter www.stuttgart.de/urbanegaerten.

Freitag, 16.06.2017