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Von Erfahrungen profitieren und helfen: Marvin Asmelash hat bei den Stadtteilbibliotheken ein Soziales Jahr geleistet und sich um Flüchtlinge gekümmert

Die Stadt bietet Schulabgängern mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) bei der Stadtverwaltung und in Kultureinrichtungen die Möglichkeit, sich vor der Entscheidung für eine Berufsausbildung oder ein Studium zu orientieren. Seit 2016 können Absolventen auch ein Soziales Jahr mit Flüchtlingsbezug leisten. Marvin Asmelash war einer der ersten, der diese Chance ergriffen hat.

Marvin AsmelashDie Offenheit der Kinder hat Marvin Asmelash am meisten beeindruckt. Er selbst ist hier geboren, seine Eltern flüchteten vor vielen Jahren aus Eritrea nach Deutschland. Foto: Stadt Stuttgart

Nach einem Jahr zieht der 20-Jährige im Gespräch mit Fabian Aigner und Maximilian Hubl vom Haupt- und Personalamt der Stadt ein positives Resumee: "Ich habe in fast allen Stadtteilbibliotheken gearbeitet und viel Neues kennengelernt." Asmelash war eingebunden in die Entwicklung verschiedener Projekte: "In Feuerbach haben wir beispielsweise in Kooperation mit der Firma Bosch das Sprachcafé für Flüchtlinge eingerichtet, in Zazenhausen eine Spielewerkstatt für Flüchtlingskinder, die dort mit Hilfe von Spielen und Medien die deutsche Sprache lernen können." Das Spielen und Lernen mit den Kindern hat ihm am meisten Spaß gemacht, auch wenn es manches Mal anstrengend gewesen sei, bis zu 15 Kinder gleichzeitig zu betreuen.

Da ein Großteil der Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge dezentral im Stadtgebiet verteilt ist, besuchen viele geflüchtete Menschen die jeweiligen Stadtteilbibliotheken als soziale und kulturelle Treffpunkte und nutzen dort die Angebote wie Internet und Wlan, fremdsprachige Medien, Materialien zum Deutsch lernen oder besuchen interkulturelle Veranstaltungen wie Vorlesestunden für Flüchtlingskinder.

Marvins Eltern sind vor vielen Jahren aus Eritrea nach Deutschland gekommen, er ist hier geboren: "Wer selbst einen Flucht- oder Migrationshintergrund hat, bringt durch seine eigenen Erfahrungen und Erzählungen eher eine interkulturelle Sensibilität und Empathie im Umgang mit den Geflüchteten mit und kann vielleicht auch Sprachbarrieren leichter überwinden."

"Hey Marvin, lies uns doch was vor"

Die Offenheit der Kinder hat Marvin am meisten beeindruckt: "Wir sind mit dem ­Bibliotheksbus in die Flüchtlingsunterkunft gefahren und haben dort vorgelesen. Viele Kinder haben mich dort von ihren Besuchen in der Bibliothek wiedererkannt und gesagt ,Hey Marvin, lies uns doch was vor'. Dass die Kinder einen so annehmen, war wirklich schön." Für seine ­Arbeit bekam Marvin aber auch von den älteren Teilnehmern der Sprachförderprogramme viel positives Feedback für seine Offenheit und sein Engagement.

Marvin Asmelash sieht das Freiwillige Soziale Jahr mit Flüchtlingsbezug als eine gute Möglichkeit, Einblick zu bekommen in das kulturelle und politische Leben und Erfahrungen zu sammeln. "Als FSJler profitiere ich durch die Erfahrungen, die ich mache, und gleichzeitig helfe ich hier lebenden Geflüchteten, Kultur und Werte, Chancen und Möglichkeiten zu vermitteln. Das motiviert vielleicht auch andere, sich vor Ort zu engagieren und zu helfen."

Hilfreiches Netzwerk aus Kontakten

Das Freiwillige Soziale Jahr könne so etwas ins Rollen bringen und immer mehr Menschen anregen, sich auf diese Weise einzubringen. "Außerdem kann man sich durch den Kontakt mit anderen Ehrenamtlichen ein hilfreiches Netzwerk aufbauen", ergänzt er. Die Arbeit von Ehrenamtlichen, besonders der Stuttgarter Freundeskreise, hält er für elementar für eine erfolgreiche Integration der Flüchtlinge: "Wenn man nichts für die Geflüchteten in den Unterkünften tut, kann ­Integration gar nicht stattfinden", sagt Asmelash, der auch ein bisschen stolz darauf ist, mit seinen Erfahrungen als FSJler zur Integration von Flüchtlingen beigetragen zu haben. "Man kann sich ja auch nicht nur ausschließlich auf das Engagement der Zivilgesellschaft berufen. Da sind Stellen wie die des FSJ einfach wichtig."




Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) kann in Ämtern, Bezirksrathäusern oder kulturellen Institutionen geleistet werden. Die Freiwilligen erhalten ein vielfältiges Weiterbildungsprogramm und ein monatliches Taschengeld, wobei der Kindergeldanspruch gewahrt bleibt. Außerdem sind sie sozialversicherungspflichtig beschäftigt und kostenfrei unfallversichert. Im Anschluss wird ein Zeugnis ausgestellt.

Weitere Informationen und Bewerbung unter www.stuttgart.de/fsj.

Donnerstag, 09.11.2017