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Mitarbeiterunterstützungsteam hilft bei Übergriffen

Sie stehen betroffenen Kolleginnen und Kollegen zur Seite, um belastende Ereignisse zu verarbeiten und psychische Folgen zu lindern: Seit einem Jahr hilft das Mitarbeiterunterstützungsteam (MUT) städtischen Beschäftigten, die am Arbeitsplatz bedroht, beleidigt oder tätlich angegriffen wurden. Die Leiter des Teams, Jürgen Häberle und Walter Zaiss, geben Einblicke in ihre Arbeit.
Unter vergleichbar großen Städten ist Stuttgart eine der ersten, bei der es ein Konzept wie das MUT gibt. Im Mai vergangenen Jahres wurde es gegründet. Inzwischen zählt das Team 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Ämtern und Eigenbetrieben. Sie alle sind zu psychosozialen Fachkräften ausgebildet worden und engagieren sich ehrenamtlich für ihre Kolleginnen und Kollegen.

In den ersten zehn Monaten ist das Team bereits zu rund 25 Fällen gerufen worden. "Bei jedem Einsatz ist uns klar: Es gibt nicht das eine Rezept, das immer funktioniert. Jeder Fall ist ein Einzelfall und muss anders behandelt werden", erklärt Walter Zaiss. Der Pfarrer im Ruhestand hat langjährige Erfahrung in der Notfallseelsorge und leitet das Einsatzkräftenachsorgeteam der Stuttgarter Feuerwehr.

Wenn sich ein betroffener Mitarbeiter meldet, beginnt für die Teamleiter die Recherche: Was wird benötigt, um schnell Hilfe leisten zu können? Welche Gesprächsform passt am besten? Wer wird den Einsatz begleiten? Dabei umfasst das Angebot des Mitarbeiterunterstützungsteams Einzelberatungen und Gruppengespräche, einmalige oder mehrma­lige Treffen sind möglich. Außerdem kann auf professionelle Hilfsangebote der Unfallkasse Baden-Württemberg zurückgegriffen werden. Ist dies notwendig, wird Betroffenen innerhalb kürzester Zeit ein Beratungsplatz angeboten.

"Mit den Betroffenen sprechen wir auch darüber, welche Reaktionen nach einem Übergriff auftreten können. Das schafft Erleichterung und zeigt, dass bestimmte Belastungsreaktionen ganz normal sind", erklärt Jürgen Häberle, Personalratsvorsitzender der Branddirektion. Im Fokus steht auch die Frage, wie es nach einer traumatisierenden Situation weitergehen kann. Es geht darum, ohne Angst und Stress an den Arbeitsplatz zurückzukehren und wieder in die "Normalität" zu finden. Dabei profitiert das Team von seiner gemischten Zusammensetzung. Indem sich Mitarbeiter aus verschiedenen Ämtern und Eigenbetrieben engagieren, können sie auf das Wissen über den entsprechenden Arbeitsalltag zurückgreifen und gezielt Lösungen finden.

Nach dem ersten Jahr steht für die Teamleiter fest: Der Bedarf ist vorhanden. "Die Rückmeldungen von Betroffenen signalisieren uns: Es ist gut, dass wir da sind", sagt Jürgen Häberle. Im Laufe des Jahres möchten sie das MUT und seine Angebote noch bekannter machen. Geplant ist eine Flyer-Kampagne, die alle Beschäftigten der städtischen Ämter und Eigenbetriebe (außer Klinikum) erreichen soll. Dabei möchten Häberle und Zaiss vor allem Führungskräfte mit ins Boot holen, sie über das Angebot informieren und für das Thema sensibilisieren.

Das Mitarbeiterunterstützungsteam MUT ist eine der Maßnahmen, die städtischen Mitarbeitern Hilfestellungen beim Umgang mit Übergriffen und traumatisierenden Ereignissen bieten sollen. Am 3. Mai 2017 unterzeichneten Ober­bürgermeister Fritz Kuhn und Markus Freitag, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats, eine Grundsatzerklärung gegen ­Gewalt am Arbeitsplatz. Derzeit entwickelt eine Arbeitsgruppe einen Handlungsleit­faden für Beschäftigte und Führungskräfte, der unter ­anderem über Themen wie Prävention, Nachsorge und Rechtsschutz informiert und Checklisten für den Notfall beinhaltet.

Jürgen Häberle, Walter ZaissVergrößernDie Leiter von MUT Jürgen Häberle (links) und Walter Zaiss. Foto: Stadt Stuttgart/KrauffmannDie Leiter von MUT Jürgen Häberle (links) und Walter Zaiss. Foto: Stadt Stuttgart/Krauffmann