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81. Deutscher Fürsorgetag eröffnet

"Zusammenhalt stärken - Vielfalt gestalten": Unter diesem Motto findet der 81. Deutsche Fürsorgetag in Stuttgart statt. Rund 1800 Experten diskutieren von 15. bis 17. Mai im Kongresszentrum der Messe Stuttgart über aktuelle Themen der Sozialpolitik, des Sozialstaats und der Sozialen Arbeit.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn sagte in seinem Grußwort bei der Eröffnung des Kongresses am Dienstag, 15. Mai: "Wir sind stolz darauf, dass der Deutsche Fürsorgetag wieder in Stuttgart ist." Der OB weiter: "Stuttgart tut viel für Soziales. Rund 25 Prozent unseres Etats wenden wir dafür auf - für die Pflichtaufgaben, aber auch für viele zusätzliche Leistungen." Als gelungenes Beispiel nannte der OB unter anderem den "Stuttgarter Weg" der dezentralen Unterbringung von Geflüchteten. Auch Einrichtungen wie die Kinderbeteiligung in Stadtquartieren hob er hervor. Zum Motto des Kongresses "Zusammenhalt stärken - Vielfalt gestalten" sagte er: "Das gehört einfach zusammen. Vielfalt braucht die Stärkung des Zusammenhalts. Und um den Zusammenhalt zu stärken, brauchen wir eine gemeinsame Schnittmenge von Werten, eine gemeinsame Öffentlichkeit, die alle erreicht und eine Steigerung der sozialen Gerechtigkeit. Vielfalt braucht also einen Rahmen, sie als Wert an sich einfach nur laufen zu lassen, kann die Gesellschaft auseinanderbringen."

Bundesfamilienministerin ist Schirmherrin

Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey, Schirmherrin des Fürsorgetags, ging in einer Grundsatzrede auf den Begriff "Fürsorge" ein. Sie sagte: "Menschen, die sich um andere kümmern, Menschen, die sich mit Herz und Händen für andere einsetzen - das ist Fürsorge." Bei aller Kritik habe die Bundesrepublik Deutschland "einen leistungsfähigen Sozialstaat". Für Giffey fangen Zusammenhalt und Vielfalt damit an, dass man "seinem Nachbarn 'Guten Tag' wünscht, seinen Müll dahin räumt, wo er hingehört und seinem Kind eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest. Jeder in Deutschland kann etwas für Zusammenhalt und Vielfalt tun, wenn er sich nicht nur um sich selbst kümmert."

Der Deutsche Fürsorgetag ist der Leitkongress des Sozialen in Deutschland und Europa. Veranstaltet wird der mehrtägige Kongress vom Deutschen Verein für öffentliche und private Vorsorge (DV). Auf dem Kongress können sich Sozialexperten austauschen und ihre Konzepte und Projekte einem breiten Fachpublikum präsentieren. Der erste Fürsorgetag fand 1880 in Berlin statt. Stuttgart ist nach 1886, 1913, 1952 und 1973 zum fünften Mal Gastgeber der Veranstaltung.

Chancrengerechtigkeit für alle Menschen

Der Präsident des DV, Johannes Fuchs, bedankte sich bei der Landeshauptstadt Stuttgart für ihre Unterstützung. Mit dem Motto "Zusammenhalt stärken - Vielfalt gestalten" wolle der Verein an die stürmischen Zeiten globaler Krisen und ihre Folgen, aber auch an die gesellschaftlichen Veränderungen im eigenen Land anknüpfen. Fuchs sagte: "Wir wollen gemeinsam diskutieren, was unsere Gesellschaft im Kern zusammenhält, was wir brauchen, um diesen Zusammenhalt - auch angesichts eines raschen sozialen und kulturellen Wandels - dauerhaft zu stärken und wie wir unsere Gesellschaft der Vielfalt so gestalten, dass Chancengerechtigkeit für alle Menschen, die in Deutschland leben, erreicht wird."

Manfred Lucha, Minister für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg, sagte, der Kongress sei "zur richtigen Zeit mit dem richtigen Thema am richtigen Ort". Lucha weiter: "Stuttgart ist die Großstadt schlechthin, die Vielfalt gestaltet. Das Motto des Fürsorgetags ist auch das Motto des Zusammenlebens in Baden-Württemberg." Angesichts der aktuellen Probleme rief Lucha zur Gemeinsamkeit auf: "Wir alle müssen gemeinsam Antworten auf die Fragen unserer Zeit finden und unsere Stimme erheben. Die beste Antwort lautet Zusammenhalt. Für andere da sein, achtsam untereinander umgehen und aufeinander aufpassen."

Markt der Möglichkeiten

Bereits vor der Eröffnungsveranstaltung des Fürsorgetags hat Werner Wölfle, Bürgermeister für Soziales und gesellschaftliche Integration der Landeshauptstadt Stuttgart, am Dienstag, 15. Mai, den Markt der Möglichkeiten im Internationalen Kongresszentrum eröffnet. Dort können sich die Besucher während der drei Kongresstage bei rund 50 Ausstellern auf über 1.000 Quadratmetern über Projekte, Produkte und Dienstleistungen im Sozialbereich informieren. Auch die Stadt Stuttgart ist mit einem Stand zum Thema "Stuttgart inklusiv" vertreten. Städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter präsentieren an acht Themeninseln Themen und Projekte innerhalb der Handlungsfelder Sozialdaten, Suchthilfe, Wohnungsnotfallhilfe, Altenhilfe, Menschen mit Behinderung und Sozialpsychiatrie, gesellschaftliche Integration und informieren über die Arbeit des Behindertenbeauftragten und des Behindertenbeirats.

Auf dem Programm des 81. Deutschen Fürsorgetags stehen auch Vorträge des früheren Verfassungsrichters Udo Di Fabio, Professor an der Universität Bonn, und des Trend- und Zukunftsforschers Matthias Horx. Drei Symposien widmen sich dem gesellschaftlichen, dem familiären und dem sozialen Zusammenhalt. In mehr als 40 Fachforen tauschen sich Experten zu zahlreichen Sozialthemen aus, vom Betreuungsrecht über kommunale Sozialpässe bis hin zur Integration von Langzeitarbeitslosen und Geflüchteten. Am Mittwoch, 16. Mai, lädt die Landeshauptstadt Stuttgart zum "Abend der Begegnung" ein.

Der 81. Deutsche Fürsorgetag endet am Donnerstag, 17. Mai, mit der symbolischen Schlüsselübergabe an die nächste Gastgeberstadt. Essen wird im Jahr 2022 Gastgeber des 82. Deutschen Fürsorgetags sein.