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Neue Namen für Straßen, Wege und Plätze erinnern an Stuttgarter Frauen

Mit einer Reihe von Straßenbenennungen werden jetzt Frauen geehrt, die alle mit Stuttgart zu tun hatten - die hier geboren wurden oder gelebt und gearbeitet haben. Es sind vor allem Künstlerinnen, Journalistinnen und Politikerinnen. Der Verwaltungsausschuss hat mit einem Beschluss auf Vorschlag des Bezirksbeirats Stammheim mehrere Straßen, Wege und Plätze neu benannt. Die Straßen befinden sich im Neubaugebiet "Langenäcker-Wiesert" in Stammheim. Zudem benannte der Ausschuss nach einem Beschluss des Bezirksbeirats Mitte den Platz hinter der Gerberstraße 14 und 16 in Stuttgart-Mitte nach Therese Huber. Der Platz hatte bisher keinen offiziellen Namen und wurde Gerberplätzle genannt.
v. l. oben im Uhrzeigersinn: Therese Huber, Helene Wagner, Sophie von Adelung, Mathilde Planck, Emma von Suckow, Tony Schumacher, Hedwig Lohß und Anna SutterVergrößernv. l. oben im Uhrzeigersinn: Therese Huber, Helene Wagner, Sophie von Adelung, Mathilde Planck, Emma von Suckow, Tony Schumacher, Hedwig Lohß und Anna Sutter. Collage: Stadt Stuttgart, Fotos: Stadtarchiv Stuttgart, Landesmedienzentrum, Wikipediav. l. oben im Uhrzeigersinn: Therese Huber, Helene Wagner, Sophie von Adelung, Mathilde Planck, Emma von Suckow, Tony Schumacher, Hedwig Lohß und Anna Sutter. Collage: Stadt Stuttgart, Fotos: Stadtarchiv Stuttgart, Landesmedienzentrum, Wikipedia
Therese Huber

Die Schriftstellerin und Redakteurin Therese Huber wurde am 7. Mai 1764 in Göttingen als Tochter des Altphilologen Heyne geboren. Während ihrer Ehe mit ihrem zweiten Mann, dem Schriftsteller und Redakteur Ludwig Ferdinand Huber (1764-1804), begann sie, Erzählungen zu verfassen, die bis 1819 anonym oder unter dem Namen ihres Mannes erschienen.

Von 1798 an war der Ehemann Chefredakteur von Cottas Allgemeiner Zeitung in Stuttgart. Therese Huber agierte auch als Salonière, die als Streiterin für weibliche Bildungsmöglichkeiten und für qualifizierte Berufsausübungen für Frauen kämpfte.
Als die Zeitung 1804 verboten wurde, zog das Paar nach Ulm, 1816 kam Therese Huber nach Stuttgart zurück. Sie übernahm 1817 die Redaktion für Cottas Morgenblatt. 1823 zog sie nach Augsburg, wo sie am 15. Juni 1829 starb.

Sophie Reis

Die Frauenrechtlerin Sophie Reis entstammte der angesehenen jüdischen Stuttgarter Großkaufmannsfamilie Reis. Sie wurde am 3. Dezember 1867 geboren. Sie machte eine Ausbildung als Lehrerin, arbeitete jedoch nicht in diesem Beruf, sondern übernahm die Pressearbeit in Vereinen und Zeitungen der bürgerlichen Frauenbewegung in Stuttgart. 1895 war sie die Gründerin der "Frauenlesegruppe" des späteren "Literarischen Klubs". 1890 rief sie mit Mathilde Planck den "Württembergischen Lehrerinnenverein" ins Leben.

Reis gründete weitere Vereine, wie den "Schwäbischen Frauenverein". Die Einführung der weiblichen Berufsberatung ist unter anderem ihr zu verdanken. 1904 unterstützte König Wilhelm II. ihr zusammen mit Mathilde Planck eingereichtes Gesuch um Zulassung weiblicher Studierender an der Universität Tübingen. Sie starb am 26. Mai 1930 in Stuttgart.

Mathilde Planck

Mathilde Planck wurde am 29. November 1861 in Ulm geboren. Sie war eine der wichtigsten Frauen der bürgerlichen Frauen- und Friedensbewegung in Südwestdeutschland. Von 1919 bis 1928 gehörte sie als Gründungsmitglied der Demokratischen Deutschen Partei zunächst der verfassunggebenden Landesversammlung und anschließend dem württembergischen Landtag an. 1951 wurde sie zu ihrem 90. Geburtstag als erste Frau mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

In Stuttgart unterrichtete sie als Lehrerin 15 Jahre lang an verschiedenen Schulen. Sie war Vorsitzende des Württembergischen Lehrerinnenvereins und gründete 1906 den Verband Württembergischer Frauenvereine als Dachverband aller für Berufsinteressen und Berufsrechte arbeitender Frauenvereine, der 1933 aufgelöst wurde.

Als Aktive der bürgerlichen Frauenbewegung hielt sie Vorträge und engagierte sich Anfang der 1900er-Jahre als Redakteurin der Zeitschrift "Die Frauenwacht". Von 1921 bis 1927 war sie Herausgeberin der Frauenbeilage "Die Rosa Frau" des Stuttgarter Neuen Tagblatts. Sie setzte sich für bessere Bildungsvoraussetzungen und Berufschancen für Mädchen und Frauen ein. Sie kämpfte auch gegen das "Zölibatsverdikt" für Lehrerinnen. Am 31. Juli 1955 starb sie in Gochsen (Kreis Heilbronn).

Sally Wiest

Die Malerin Sally Wiest wurde am 12. Juli 1866 in Trier geboren und wuchs in Stuttgart auf. Sie gehörte zu den herausragenden Landschaftsmalerinnen des beginnenden 20. Jahrhunderts und zu den Künstlerinnen, die in der Natur malten.

Als hervorragende Malerin sommerlicher Landschaften, deren Bilder die Wachstumskraft und überwältigende Fülle der Natur wiedergeben, erwarb sie sich den Namen "Grüne Sally". Werke von ihr befinden sich unter anderem in der Staatsgalerie und im Kunstmuseum. Sally Wiest machte sich auch um die gesellschaftliche Anerkennung und ökonomische Unterstützung der künstlerisch arbeitenden Frauen verdient. 1893 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen des Württembergischen Malerinnenvereins. Sie starb am 14. August 1952 in Trier.

Hedwig Lohß


Die Schriftstellerin Hedwig Lohß wurde am 4. März 1892 in Stuttgart geboren. Sie veröffentlichte zunächst von 1914 bis 1917 im Schwäbischen Bilderblatt, der Wochenbeilage des Stuttgarters Neuen Tagblatts, Fotografien mit Kinder- und Tiermotiven, Reisefotos und Schnappschüsse von der "Heimatfront". 1920 kam ihr erstes Buch heraus, "Die Arche Noah", in der sie ihre Erlebnisse mit ihren Haustieren schilderte. Sie war für ihre große Tierliebe bekannt. Es folgten viele Bücher und kleine Erzählungen: Neben Tierbüchern Kinder- und Jugenderzählungen, Kindersachbücher, Märchen, Sagen und Legenden sowie Beiträge für die Zeitschrift "Der Schwäbische Jugendfreund".

Um 1922 heiratete sie den Architekten Alfred Staiger. In den 1970er-Jahren veröffentlichte sie noch drei Bücher mit Lebenserinnerungen. Sie starb am 12. Februar 1986 in Stuttgart.

Emma Joos

Die Malerin und Grafikerin Emma Joos kam am 20. Februar 1882 in Weinsberg zur Welt. Sie gehörte zu den schwäbischen Impressionistinnen. Ab 1896 lebte sie in Stuttgart. Sie besuchte die Damen-Malschule an der Königlichen Kunstschule Stuttgart sowie die Akademie der Freien Künste München. 1906 trat sie in den Württembergischen Malerinnenverein ein. Ab 1907 erlernte Emma Joos druckgraphische Techniken in Lithografie-Kursen. Sie war Mitglied im Frauenkunstverband und im Künstlerbund. Sie starb am 20. Juli 1932 in Stuttgart.

Maria Hiller-Föll

Die Malerin Maria Hiller-Föll  wurde 1880 in Odessa geboren. Die Familie siedelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Stuttgart über, wo Maria Föll an der Kunstakademie studierte. 1913 wurde sie Mitglied im Württembergischen Malerinnenverein. Sie zählt zu den ungewöhnlichsten Künstlerinnen des Expressionismus in Stuttgart und gilt als eine der begabtesten Schülerinnen von Adolf Hölzel, dessen Meisterschülerin sie war. Ab 1921 beschäftigte sie sich mit architekturgebundener Kunst: Sie fertigte zahlreiche Wandbilder und entwarf Glasfenster. Da sie als freischaffende Künstlerin recht erfolgreich war, gab sie ihre materielle Selbstständigkeit auch in ihrer Ehe mit dem Architekten und Maler Theodor Hiller nicht auf. Nach 1933 haben sich fast keine Informationen mehr über die Künstlerin erhalten. Sie starb am 3. Juni 1943 in Stuttgart.

Helene Wagner

Die Malerin Helene Wagner wurde am 23. April 1878 in Stuttgart geboren und war die Nichte des Stuttgarter Malers Otto Reiniger. Sie studierte an der Königlichen Kunstschule in Stuttgart bei Gustav Igler, in München und in Stuttgart bei dem impressionistischen Maler Christian Landenberger. Viele ihrer Motive und Modelle fand sie auf der Zollernalb in Tieringen, wo sie ihre Sommer verbrachte. Sie lernte dabei, die Unwiederbringlichkeit eines Augenblicks mittels Licht und Farbsymbolik einzufangen.

Ihre Themen waren besonders Landschaften, Stillleben, Porträts - vor allem Kinderporträts. Sie war Mitglied im württembergischen Malerinnen­verein, im Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs, im Künstlerbund Stuttgart und im Verein Bildender Künstler Württembergs. Sie starb am 16. September 1956 in Stuttgart.

Lily Hildebrandt

Die Malerin Lily Hildebrandt  entstammte einer großbürgerlichen jüdischen Familie und kam am 16. Oktober 1887 in Fürth zur Welt. Sie studierte Malerei in Berlin, dann, nachdem sie Ida Kerkovius kennengelernt hatte, bei Adolf Hölzel in Dachau. 1913 zog sie nach Stuttgart und wurde an der Akademie Meisterschülerin bei Hölzel.

Ab 1918 entstanden die ersten Hinterglasbilder. Ihr Stuttgarter Haus wurde nach 1919 zum internationalen Treffpunkt der Avantgarde. Eng befreundet war sie mit Marc Chagall. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete sie auch als Journalistin, erhielt jedoch 1933 Berufsverbot. Von 1935 an schuf sie zahlreiche Glasfenster, doch im selben Jahr wurden ihre Arbeiten für entartet erklärt. Arbeiten von ihr befinden sich unter anderem im Kunstmuseum und in der Staatsgalerie. Sie starb am 9. September 1974 in Stuttgart.

Marianne Ehrmann

Die Schriftstellerin Marianne Ehrmann wurde als Tochter des Kaufmanns Brentano am 25. November 1755 in Rapperswil in der Schweiz geboren. Nach einer Ehe mit einem betrügerischen und gewalttätigen Offizier erstritt sie 1779 die Ehescheidung. Danach erlebte sie einen sozialen Abstieg. Verarmt schlug sie sich als Magd und Putzmacherin durch und schloss sich einer Schauspieltruppe an.

1785 heiratete sie den Juristen Theophil Friedrich Ehrmann. 1788 zog das Paar nach Stuttgart. Nach ersten journalistischen Erfahrungen in der "Frauenzimmerzeitung" und als Mitarbeiterin der Zeitschrift ihres Mannes "Der Beobachter" gründete sie 1790 ihre eigene Monatsschrift "Amaliens Erholungsstunden".

Als einzige Frauenzeitschrift ihrer Zeit vertrat sie frauenemanzipatorische Positionen, womit sich Marianne Ehrmann mit satirischem Witz aktiv an der zeitgenössischen Debatte um die bürgerlichen Rechte der Frau beteiligte. Literarisch war sie mit Buchveröffentlichungen bereits ab 1784 tätig. Am 14. August 1795 starb sie.

Tony Schumacher

Die Schriftstellerin Tony Schumacher, geborene Antonie Louise Christiane Marie Sophie von Baur-Breitenfeld, wurde am 17. Mai 1848 in Ludwigsburg geboren. 1875 heiratete sie den Hofrat Schumacher und zog mit ihm nach Stuttgart.

Ihr erstes Buch erschien 1883. 1895 gelang ihr mit ihrem dritten Werk der Durchbruch. Sie war Autorin von mehr als 40 Kinderbüchern, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts viel gelesen wurden. Ihre Kinder- und Jugendbücher waren betont pädagogisch und sollten zur Entwicklung des Pflichtgefühls, des religiösen Verhaltens und der Nächstenliebe beitragen.

Tony Schumacher war bis in die 1950er-Jahre beliebt, danach wirkte ihr Tugendkatalog unzeitgemäß. Breiten Zuspruch fanden drei ihrer erfolgreichen Titel in Verfilmungen 1984 bis 1986 als unterhaltsame Erzählstoffe vergangener Zeit: "Reserl am Hofe", "Cirkuskinder", "Das Turmengele". Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit fertigte Tony Schumacher hunderte von teils aquarellierten Bleistiftzeichnungen.
Als 75-Jährige kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück und starb am 10. Juli 1931 in Ludwigsburg.

Emma von Suckow

Die Schriftstellerin Emma von Suckow kam am 12. Juli 1807 in Pappenheim zur Welt. 1826 heiratete sie den 20 Jahre älteren Offizier von Suckow, mit dem sie von 1837 an in Stuttgart lebte.

Hier begann ihre schriftstellerische Tätigkeit. Angeregt dazu wurde sie besonders durch ihren regen Kontakt mit den Dichtern Lenau, Schwab, Uhland und Mörike, die sich in ihrem Stuttgarter Salon trafen. Besonders enge Beziehungen unterhielt sie zu Justinus Kerner und dessen schwäbischen Dichterkreis in Weinsberg, wo sie sich häufig aufhielt. In ihrem umfangreichen Briefwechsel mit Justinus Kerner zeigte sie sich als scharfe Beobachterin und sehr ergiebige Quelle zur Stuttgarter Gesellschaft in dieser Zeit.

Unter dem Pseudonym Emma Niendorf fasste sie ihre Reiseerlebnisse in zahlreichen Büchern zusammen. Nebenher publizierte sie auch in vielen Zeitschriften, etwa in Cottas "Morgenblatt". Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1863 lebte Emma von Suckow teils in Stuttgart, teils in Baden-Baden. In Rom erlag sie am 7. April 1876 einem Herzschlag.

Sophie von Adelung

Die Schriftstellerin Sophie von Adelung wurde am 11. März 1850 in Stuttgart geboren. Ihre Eltern waren der württembergische Geheimrat und Sekretär von Olga von Württemberg, Nikolaus Adelung, und Alexandrine von Schubert. Sie war die Cousine der Schriftstellerin und Mathematikerin Sofia Kowaleskaja, über die sie ihre Jugenderinnerungen schrieb. Sie verfasste vor allem Jugendschriften, die sie auch selbst illustrierte und in denen sie sich zum Teil mit Russland auseinandersetzte. Sie veröffentlichte Erzählungen, Romane und Theaterstücke. Außerdem schrieb sie regelmäßig für Zeitschriften wie "Die Frau", "Fürs Haus" oder "Die Wahrheit". Sie starb am 15. Juni 1927 in Stuttgart.

Anna Sutter

Die Opernsängerin Anna Sutter wurde am 26. November 1871 in Wil in der Schweiz geboren. Nach ihrem Klavier- und Gesangsstudium in Bern und München hatte sie ab 1893 ein festes Engagement am Stuttgarter Hoftheater. Ihre Glanzrolle war die der "Carmen". 1906 wurde sie zur Kammersängerin ernannt und war trotz ihres freien Lebenswandels der Liebling des Stuttgarter Opernpublikums.

Neben ihrer Sangeskunst sorgten Liebesaffären für Aufmerksamkeit. Ihre Affäre mit dem Hofkapellmeister Aloys Obrist sollte sich als fatal erweisen. Nachdem Anna Sutter die Beziehung 1909 nach zwei Jahren beendet hatte, drang Obrist am 29. Juni 1910 in ihre Wohnung ein und tötete Anna Sutter mit zwei Pistolenschüssen, bevor er sich selbst erschoss.

Die Tat erregte im bürgerlichen Stuttgart ungeheures Aufsehen. Der "Schicksalsbrunnen" im Oberen Schlossgarten wurde 1914 zu ihrem Gedenken errichtet.


Donnerstag, 06.09.2018