Aktuelles
  •  

Stadtquartier mit klimaneutraler Energieversorgung

Einer Vision für eine klimaneutrale Energieversorgung in der Zukunft geht das Forschungsvorhaben "Stadtquartier 2050" nach. Die Durchführung des Projekts, das beim Amt für Umweltschutz angesiedelt ist, wird von den Bundesministerien für Wirtschaft und Energie sowie Bildung und Forschung voll gefördert und ist auf eine Laufzeit von fünf Jahren bis 2023 angelegt.
Nachdem der Gemeinderat im Januar 2016 mit dem Energiekonzept "Urbanisierung der Energiewende in Stuttgart" die Rahmenbedingungen für eine Umsetzung verabschiedet hat, wird in Stuttgart eine Wende zur klimaneutralen Landeshauptstadt bis 2050 ins Auge gefasst. Das ambitionierte Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn bei der Entwicklung neuer Stadtquartiere in Stuttgart bereits heute eine klimaneutrale Energieversorgung angestrebt wird.

Das Bürgerhospital könnte zukünftig ein beispielhaftes, energetisch klimaneutrales Quartier werden.VergrößernDas Bürgerhospital könnte zukünftig ein beispielhaftes, energetisch klimaneutrales Quartier werden. Luftbild: StadtmessungamtDas Bürgerhospital könnte zukünftig ein beispielhaftes, energetisch klimaneutrales Quartier werden. Luftbild: Stadtmessungamt
Die Entwicklung des Quartiers Bürgerhospital soll dafür beispielgebend sein. Damit Erkenntnisse aus diesem Projekt auch auf weitere Quartiersentwicklungen angewendet werden können, wird die Umsetzung umfangreich wissenschaftlich begleitet.

Energie aus Photovoitalk und Geothermie

Der Energiebedarf des neuen Quartiers soll vor allem durch lokal vorhandene Quellen, insbesondere Geothermie und Photovoltaik auf Dächern und Fassaden gedeckt werden. Die Wärmeverteilung erfolgt über ein Nahwärmenetz, das für Spitzenlasten einen Anschluss an die Fernwärme erhält. Fossile Brennstoffe sind dagegen ausgeschlossen. Außerdem müssen die Gebäude mindestens die Anforderungen des Energiestandards KfW 55 erfüllen. Denn Energie, die von Anfang an eingespart wird, muss nicht aufwendig ­erzeugt werden.

Neben diesen technischen Aspekten sind sozialwissenschaftliche Fragen wichtige Elemente der Forschung: Wie kann es gelingen, dass günstiger Wohnraum auch energieeffizient ist? Wie können die Bewohner über Mieterstrommodelle direkt von ihren Solaranlagen profitieren? Und wie können sie dazu motiviert werden, von sich aus sehr bewusst mit Energie umzugehen? Und wie ist es schließlich möglich, die Identität des alten Krankenhausstandortes zu bewahren und ihn dennoch an die Lebenswirklichkeit seiner neuen Bewohner anzupassen?

Projekt startet in Stuttgart und Überlingen

Dadurch, dass das Projekt in den zwei Städten Stuttgart und Überlingen parallel, aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten und lokalen Gegebenheiten, durchgeführt wird, sollen sich Synergieeffekte ergeben und Konzepte entstehen, die auf viele verschiedene Quartiersstrukturen deutschlandweit übertragbar sind. Die Stadt koordiniert das Forschungsprojekt gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik. Es besteht eine enge Verzahnung von Forschung und Umsetzung. So sind weitere Forschungspartner etwa die Universität Stuttgart mit dem Institut für Werkstoffe im Bauwesen, das Forschungsinstitut für Wärmeschutz München ­sowie das Institut für Ressourceneffizienz und Energiestrategien beteiligt. Für die Um­setzung vor Ort hat die Landeshauptstadt beispielsweise in den Stadtwerken Stuttgart einen Partner gefunden.

Als Projektförderung erhält Stuttgart 1,52 Millionen Euro für die anfallenden Personal- und Sachkosten. Der Verwaltungsausschuss hat dem Forschungsvorhaben schon zugestimmt. Stuttgart hatte sich gemeinsam mit der Stadt Überlingen und 13 weiteren Projektpartnern bei den Ministerien beworben. Insgesamt wurden 14 Millionen Euro bewilligt.

Donnerstag, 11.10.2018