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Großer Wurf für S-Bahn-Verkehr - Gesamte S-Bahn-Flotte im Bereich des Stuttgarter Schienenknotens soll mit ETCS/ATO ausgerüstet werden

Die Regionalversammlung hat am 30. Januar den Weg für mehr Pünktlichkeit und höhere Kapazitäten im S-Bahn-Verkehr frei gemacht. Ohne Gegenstimme hat sie die Anschaffung von 58 neuen S-Bahn-Fahrzeugen für ein besseres und zuverlässigeres Verkehrsangebot, die Ausrüstung der gesamten S-Bahn-Flotte mit ETCS/ATO und die damit verbundene Verlängerung des Verkehrsvertrags mit der DB Regio AG über den Betrieb der S-Bahn um weitere vier Jahre beschlossen.
Das europaweit standardisierte Zugbeeinflussungssystem ETCS (European Train Control System) Level 2 in Verbindung mit digitaler Stellwerkstechnik (DSTW) und einer Teilautomatisierung des Betriebs (ATO GoA 2) soll im Stuttgarter Schienenknoten als bundesweites Pilotprojekt erprobt werden und ab 2025 im Regelbetrieb zur Verfügung stehen. Die neue Signaltechnik ermöglicht eine kürzere Zugfolge und höhere Geschwindigkeiten. Dies erhöht die Kapazität auf der bestehenden Infrastruktur um bis zu 20 Prozent - für einen Abbau von Verspätungen oder auch für zusätzlichen S-?Bahn-Verkehr. Alle Fraktionen und Gruppen in der Regionalversammlung sind sich einig, dass die Einführung von ETCS eine einmalige Chance für ein besseres ÖPNV-Angebot ist - gerade auch im Hinblick auf noch mehr Fahrgäste, die mit der VVS-Tarifzonenreform und im Zuge von Verkehrsverboten erwartet werden.

Die nun bestellten 58 zusätzlichen S-Bahn-Fahrzeuge des Typs ET 430 ermöglichen zukünftig weitere Verbesserungen im S-Bahn-Verkehr: So sollen in der Hauptverkehrszeit alle S-Bahnen als Langzüge fahren und vier weitere Züge pro Stunde zwischen Schwabstraße und Stuttgart-Vaihingen verkehren. Zwei davon könnten sogar bis Böblingen fahren. Zudem wäre es möglich auf der Linie S6 zwischen Weil der Stadt und Feuerbach halbstündlich zusätzliche Verstärkerzüge aufs Gleis zu setzen. Die S-Bahn auf den Außenlinien der S60, zwischen Plochingen und Kirchheim/Teck (oder alternierend nach Nürtingen) sowie zwischen Vaihingen und Neuhausen könnte künftig im 15-Minuten-Takt fahren.

S-Bahn bei SchneeDie S-Bahn soll durch 58 neue Fahrzeuge auf insgesamt 215 verstärkt werden. Foto: VVSUm mehr S-Bahnen über die Stammstrecke fahren zu lassen und den Ein- und Ausstieg zu beschleunigen, ist der Einsatz neuer Technik auf der bestehenden Infrastruktur notwendig. Eine Studie im Auftrag von Land, DB Netz und Verband Region Stuttgart hat nun nachgewiesen, dass ein Betrieb mit dem europaweit standardisierten Zugbeeinflussungssystem (ETCS Level 2) in Kombination mit digitalen Stellwerken (DSTW) und einem teilautomatisierten Fahren - bei dem der Triebfahrzeugführer aber an Bord bleibt und jederzeit eingreifen kann - eine Leistungssteigerung um bis zu 20 Prozent ermöglicht.

Da im Zuge der Arbeiten zu S 21 ohnehin eine Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik ansteht, ergibt sich nun die einmalige Chance, die Strecken sowohl von Bad Cannstatt als auch vom Nordbahnhof bis zur Schwabstraße auf die neue Leit- und Sicherungstechnologie umzustellen. Gleichzeitig sollen auch die Strecken von Schwabstraße nach Vaihingen und von dort zum Flughafen und in Richtung Böblingen ausgerüstet werden.

Das ETCS/DSTW-Pilotprojekt soll im Verbund mit dem Land Baden-Württemberg und der Deutschen Bahn AG sowie durch eine maßgebliche Förderung durch das Bundesprogramm "Digitale Schiene Deutschland" realisiert werden. Die 58 neuen Fahrzeuge werden 421,8 Millionen Euro kosten. Das Land hat hierfür eine Förderung von rund 106 Millionen Euro zugesichert. Die S-Bahn Stuttgart investiert ihrerseits ebenfalls 265 Millionen Euro. Davon fließt ein großer Teil ab 2023 in ein Redesign der Fahrzeuge, um unter anderem Fahrgastinformation und Aufenthaltsqualität in den Zügen zu verbessern. Zusätzlich wird für die künftig deutlich größere Flotte die Werkstatt der S-Bahn in Plochingen erweitert.

Für die Zeit der Erprobung und Zulassung von ETCS/ATO GoA 2 soll der Vertrag des Verbands Region Stuttgart über den Betrieb der S-Bahn mit der DB Regio bis zum Juni 2032 verlängert und auf das ausgeweitete Angebot angepasst werden.

Donnerstag, 07.02.2019