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Engagement für den Artenschutz

Die Wilhelma, Stuttgarts zoologisch-botanischer Garten, züchtet nicht nur bedrohte Arten, sondern setzt sich auch weltweit dafür ein, dass deren Artgenossen in ihren ursprünglichen Lebensräumen geholfen wird. Jetzt beschreitet die ­Wilhelma neue Wege, um diesem internationalen Engagement gemeinsam mit ihren Besuchern zusätzlichen Schwung zu verleihen. Über den in anderen Zoos bereits bewährten Artenschutz-Euro soll zudem das Spendenaufkommen auf eine breitere Basis gestellt werden.
Fotos aus dem Virunga-Nationalpark in Belize, wo die Wilhelma Schutzmaßnahmen für Tiere unterstützt.VergrößernFotos aus dem Virunga-Nationalpark in Belize, wo die Wilhelma Schutzmaßnahmen für Tiere unterstützt. Fotos: Wilhelma Stuttgart/ITCF/CSFI/International Rhino Foundation/Stefanie ReskaFotos aus dem Virunga-Nationalpark in Belize, wo die Wilhelma Schutzmaßnahmen für Tiere unterstützt. Fotos: Wilhelma Stuttgart/ITCF/CSFI/International Rhino Foundation/Stefanie Reska
Thomas Kölpin, der seit 2014 Direktor ist, hat die Anstrengungen der Wilhelma für den Artenschutz deutlich verstärkt. Dank vieler kreativer Fund­raising-Aktionen stieg der jährliche Erlös, der zuvor bei rund 30 000 Euro lag, auf aktuell 80 000 Euro an. 

Die Wilhelma hat inzwischen den Grundsatz verankert, dass zu jeder neuen Großanlage im zoologisch-botanischen Garten auch der Einsatz für ein passendes Schutzprogramm vor Ort gehört. So wird seit Eröffnung des neuen Schneeleo­parden-Geheges im vergan­genen Jahr ein Projekt des ­Naturschutzbundes NABU in Kirgisien gefördert, der dort die Patrouillen gegen Wilderer unterstützt.

Spendengelder für mehr als ein Dutzend Organisationen

Insgesamt fließen die Spendengelder der Wilhelma an mehr als ein Dutzend Organisationen weltweit. Jedes der ­Artenschutz-Programme wird dabei individuell ausgewählt und über Jahre begleitet, um den Erfolg tatsächlich messen zu können. "Das Engagement erfordert einen langen Atem, aber es wirkt, wenn man konsequent am Ball bleibt", berichtet Stefanie Reska, die bei der Wilhelma für die Artenschutz- Aktivitäten zuständig ist. Im Virunga-Nationalpark in Zentralafrika etwa hat sich während der sieben Jahre, in denen die Stuttgarter die Spürhundestaffel "Congohounds" der Parkranger unterstützen, die Zahl der bedrohten Berg­gorillas von 880 auf rund 1000 erhöht.

Lebensraum erhalten

Auf Borneo hilft die Wilhelma bei der Wiederaufforstung eines Rodungsgebiets in Lamandau. Der Wald hat sich mittlerweile so gut erholt, dass dort wieder erste Orang-Utans ausgewildert werden konnten, die sogar schon Nachwuchs ­bekommen haben. Ganz neue Wege werden bei einem Projekt im mittelame­rikanischen Belize beschritten. Dort engagiert sich das "Ship-stern"-Reservat nicht für einzelne Tierarten, sondern den Erhalt des gesamten Lebensraums. Die Wilhelma hat einer Nicht-Regierungs-Organisation, der "Corozal Sustainable ­Future Initiative", ermöglicht, Regenwaldflächen aufzukaufen, um deren Rodung zu verhindern. Strategisch soll auf diese Weise ein Landkorridor erhalten bleiben, der die zunehmend zerstückelten Lebensräume der Tiere miteinander verbindet. Für die Gästeinformation zu diesem Projekt wird aktuell der Ausgangsbereich des Amazonienhauses umgestaltet.

Rettung des Sumatra-Nashorns

Neu in ihr Förderprogramm nimmt die Wilhelma dieses Jahr eine Maßnahme zur Rettung der Sumatra-Nashörner auf, von denen nur noch weniger als 80 Tiere bekannt sind. Ansatz der Rettungsaktion ist es, alle verbliebenen Tiere aufzuspüren und sie in drei Reservaten mit Zuchtstationen einander näherzubringen, um reelle Chancen auf ausreichend Nachwuchs zu ermöglichen.

Tierfreunde können mit Artenschutz-Euro helfen


Um einen dauerhaften Effekt zu erzielen, müssen sich die ­geschützten Lebensräume langfristig erholen und die Tierpopulationen über Gene­rationen anwachsen können. Dafür brauchen die Trägerorganisationen eine kalkulier­bare Finanzierungsgrundlage.
Weil sie den Artenschutz-Projekten ein noch verlässlicherer Partner sein will, greift die Wilhelma jetzt das Modell des Artenschutz-Euros auf, das in Basel, Karlsruhe, Leipzig und Dresden bereits erfolgreich praktiziert wird. Besucher haben so die Möglichkeit, gleich beim Kauf ihrer Eintrittskarte freiwillig einen kleinen Beitrag zum Artenschutz zu leisten. Erwachsenen schlägt die Wilhelma einen Euro als Spende vor. Beim Kauf von Jahreskarten würde sich der Zoo über eine Zuwendung in Höhe von drei Euro freuen. Direktor Thomas Kölpin hofft, dass möglichst viele Tierfreunde bei dieser Initiative mit- und sich für den Artenschutz stark machen.

Am Pfingstmontag, 10. Juni, gibt es dann Gelegenheit zu Austausch und persönlichem Kennenlernen in Stuttgart. An diesem Tag stellen nämlich die Kooperationspartner ihre Artenschutz-Projekte an Infoständen in der Wilhelma vor.
Donnerstag, 21.02.2019