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Kerbholz als Gedächtnisstütze

In der neuen Ausstellung "Rechnende Bürgermeister - Geld, Macht und Erinnerung im vormodernen Stuttgart" lässt das Stadtarchiv spannende und wenig bekannte Aspekte der Stadtgeschichte lebendig werden. Erster Bürgermeister Fabian Mayer eröffnet die Schau am Mittwoch, 15. Mai, um 18 Uhr.
Was haben ein Kerbholz und ein Stifterporträt aus dem 17. Jahrhundert gemeinsam? Beide Objekte sind in der neuen Ausstellung des Stadtarchivs Stuttgart zu sehen und dienten früher als Gedächtnisstütze. Die Kuratoren Katharina Beiergrößlein, Bettina Kunz und Jürgen Lotterer werden bei der Vernissage durch die Ausstellung führen.

Wolff Friedrich Lindenspür hielt sich mit diesem Porträt als Stifter in ErinnerungVergrößernWolff Friedrich Lindenspür hielt sich mit diesem Porträt als Stifter in Erinnerung. Foto: StadtarchivWolff Friedrich Lindenspür hielt sich mit diesem Porträt als Stifter in Erinnerung. Foto: Stadtarchiv

Das Holz half dem Stuttgarter Schmied Jakob Adlung bei der Stadt Ende der 1570er-Jahre erbrachte Leistungen abzurechnen. Das Bildnis von Bürgermeister Wolff Friedrich Lindenspür sorgte dafür, seine großzügigen Stiftungen für die Stadtgesellschaft sichtbar festzuhalten. Sie stehen beispielhaft für zwei Dimensionen von "Gedächtnis", dem Notieren von Geschäften, Schulden und Forderungen, sowie dem Entwurf eines personenbezogenen Bildes für die Mit- und Nachwelt.

Zahlreiche schriftliche und bildliche Zeugnisse wie prachtvolle Amtsporträts, Siegel mit Familienwappen oder eine Familienchronik belegen das Bedürfnis, das eigene Handeln als Amtsträger zum Ausdruck zu bringen und späteren Generationen zu überliefern. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Stuttgarts Bürgermeister der Frühen Neuzeit.

Vor allem für Finanzverwaltung zuständig


Anders als im heutigen Verständnis waren sie vor allem für die kommunale Finanzverwaltung zuständig. Sie führten die Rechnungen in persönlicher Verantwortung, quittierten Einnahmen, verantworteten Ausgaben und prägten dadurch zugleich die finanzielle Seite der Politik mit. Die überlieferten Rechnungen geben detailreich Aufschluss über Bauprojekte, Feste und Kriegslasten, aber auch über laufende Ausgaben und Einnahmequellen der Stadt.

Als historische Dokumente sind die Bürgermeisterrechnungen ein seltener Glücksfall und ein kostbarer, noch kaum ausgewerteter Quellenschatz zur Geschichte Stuttgarts. Die im Bestand "Dokumentation historisches Bild" enthaltenen Gemälde und Graphiken ermöglichen es, einigen Bürgermeistern im Porträt gegenüberzutreten. Das Stadtarchiv wird in naher Zukunft die Bestände "Bürgermeisterrechnungen" und "Dokumentation historisches Bild" digitalisieren.

Anmeldungen möglich

Anmeldungen zur Vernissage unter stadtarchiv@stuttgart.de. Die Ausstellung ist bis 20. Oktober im Stadtarchiv, Bellingweg 21, montags 9 bis 13 Uhr, dienstags, donnerstags und freitags 9 bis 16 Uhr sowie mittwochs 9 bis 18 Uhr zu sehen.
Donnerstag, 09.05.2019