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Begegnungen im "Tatort der Moderne"

Fast 30 Jahre hat Adolf Hölzel in Stuttgart gewirkt - von der Berufung an die Kunstakademie 1905 bis zu seinem Tod 1934. In dieser Zeit hat er zahlreiche Spuren hinterlassen. Das Kunstmuseum besitzt die größte Sammlung seiner Werke weltweit, die Staatsgalerie seinen kunsttheoretischen Nachlass. Und die Adolf Hölzel-Stiftung ist dabei, sein Degerlocher Wohnhaus zu einem "Tatort der Moderne" mit Malschule und Stipendiaten-Wohnung zu machen. Den notwendigen Umbau unterstützt die Stadt mit 900 000 Euro.
Adolf Hölzel, um 1930 in seinem Atelier.VergrößernAdolf Hölzel, um 1930 in seinem Atelier. Foto: privatAdolf Hölzel, um 1930 in seinem Atelier. Foto: privat
Der erste Blick vom Eingang in der Ahornstraße fällt auf den mächtigen, uralten Baum neben dem Haus. In den Ästen leuchtet eine bunte Hängematte, im Hintergrund ist ein Teil des großen Gartens zu sehen. Auf dem Schild neben der Tür steht "Dieckmann-Hoelzel", es erinnert an die Enkelin Doris, die 2005 die Stiftung gegründet hat, bevor sie 2010 starb. Im Vorraum schaut Adolf Hölzel von unzähligen ­Fotografien auf den Besucher - ernst, nachdenklich, meist mit dunklem Anzug, im Atelier auch mit übergestreiftem weißen Künstlermantel, das Wort "Kittel" scheint nicht zu passen. Vor allem sein Gesicht, seine Augen vermitteln etwas von der Ausstrahlung, die er besonders als Lehrer gehabt haben muss.

Stipendiatenwohnung geplant

Frank Oppenländer, Vorsitzender der Hölzel-Stiftung, und Jürgen Schmid, Vorsitzender des Fördervereins Hölzel-Haus, führen durch die Räume und erklären, was sich durch den Umbau verändern wird. Geplant ist ein neuer Haupteingang an der Felix-Dahn-Straße und ein Aufzug, damit das Gebäude barrierefrei zugänglich ist. Durch den Anbau vergrößert sich die Grundfläche um etwa ein Viertel und bietet Platz für neue Aktivitäten wie die Malschule. Studierende der Kunstakademie werden hier Kurse für Kinder und Erwachsene anbieten.

Die Wohnung im oberen Stockwerk ist noch vermietet. Hier wird die Stipendiatenwohnung mit Atelier eingerichtet. Damit soll die heute schon bestehende Möglichkeit, sich im Hölzel-Haus wissenschaftlich auf die Spuren des Künstlers und Lehrers zu begeben, erweitert werden.

Das Haus von Adolf Hölzel heuteVergrößernDas Haus von Adolf Hölzel in Degerloch. Foto: Petra Steidel-WokeckDas Haus von Adolf Hölzel in Degerloch. Foto: Petra Steidel-Wokeck
Offenes Haus für Forscher und Bürger


"Unser Ziel ist ein offenes Haus für Forscher und kunstinteressierte Laien sowie für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort in Degerloch", sagt Frank Oppenländer. Kernpunkt ist die Vernetzung mit der Kunstakademie, der Staatsgalerie und dem Kunstmuseum. "In diesem Kontext steht das Hölzel-Haus für die unortho­doxe Pädagogik des Künstlers, der sich immer gleichzeitig als Theoretiker und Praktiker verstand", so Oppenländer. Außerdem ist die Quartiersarbeit in Degerloch ein wichtiger Pfeiler des Konzepts, zum Beispiel in Form einer Geschichtswerkstatt in enger Zusammenarbeit mit der Waldschule und sozialen Einrichtungen wie der benachbarten Seniorenresidenz.

Um das Vorhaben verwirklichen zu können, hat die Stiftung 2014 den Förderverein gegründet. Das Projekt ist auch ein Anliegen der Degerlocher Bezirksvorsteherin Brigitte ­Kunath-Scheffold, die es als stellvertretende Vorsitzende unterstützt. Die Gesamtkosten schätzt die Stiftung auf 1,8 Millionen Euro. Die Hälfte sind aus Spenden und einem zinslosen Darlehen gesichert. Und nun hat auch der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats vor der Sommerpause der Förderung in Höhe von 900?000 Euro zugestimmt. "Wir rechnen im Herbst mit der Baugenehmigung. Im Frühjahr könnten dann die Bauarbeiten beginnen", erklärt Jürgen Schmid. Mitte oder Ende 2021 soll die Eröffnung gefeiert werden.

Hölzel bleibt aktuell

Vom Ordner mit den Umbauplänen fällt der Blick auf die Wand mit einer Reihe gerahmter Handschriften Hölzels. Die Blätter zeigen, wie er seine kunsttheoretischen Entwürfe mit Skizzen bis hin zu ausgearbeiteten, kolorierten Zeichnungen verband. Sie gehören zu der Installation des Künstlers Martin Schmidl und sind Teil der aktuellen Ausstellung "Weissenhof City. Von Geschichte und Gegenwart der Zukunft einer Stadt", die noch bis 20. Oktober in der Staatsgalerie zu sehen ist. Auch zum Entstehen des Katalogs "Handwirtschaft (Ein Porträt von Adolf Hölzel)" hat die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung, Isabell Ohst, beigetragen.

Ganz offenbar ist Hölzel sehr aktuell. Einen Beitrag dazu hat auch die große Retrospektive "Kaleidoskop - Hölzel in der Avant­garde" 2009 im Kunstmuseum geleistet. "Und zurzeit natürlich das Bauhaus-Jubiläum", sagt Frank Oppenländer. Denn vor allem Hölzels Schüler haben dafür gesorgt, dass seine Ideen lebendig geblieben sind.

Achtteilige Farbkreis Adolf Hölzels, 50 mal 64,5 Zentimeter, ohne JahrVergrößernAchtteiliger Farbkreis Adolf Hölzels, 50 mal 64,5 Zentimeter, ohne Jahr. Foto: Adolf-Hölzel-StiftungAchtteiliger Farbkreis Adolf Hölzels, 50 mal 64,5 Zentimeter, ohne Jahr. Foto: Adolf-Hölzel-Stiftung
Infos rund um Adolf Hölzel

Hölzel-Kreis: Zu seinen Schülern gehörten Oskar Schlemmer, Willi Baumeister und Ida Kerkovius (von ihr stammen die Glasfenster im Festraum des Rathauses), Johannes Itten, Hermann Stenner und Otto Meyer-Amden.

How to Hölzel ist der Titel der Gesprächsreihe zur Installation von Martin Schmidl in der Staatsgalerie. Am Donnerstag, 12. September, unterhält er sich um 18.30 Uhr mit Annette Weisser über "The Making of Artists - Zum Stand der Diskussion in der Lehre der Kunst". Der Eintritt ist frei. (Weitere Gespräche am 27. September sowie 2. und 20. Oktober).

Hölzel online: Die Staatsgalerie gibt Einblick in den kunsttheoretischen Nachlass unter www.staatsgalerie.de/sammlung/sammlung-digital.

Hölzel im Stadtlexikon: Den auf zwei Seiten konzentrierten Beitrag über Hölzels Leben und Wirken hat Ilka Voermann im digitalen Stadtlexikon des Stadtarchivs geschrieben: www.stadtlexikon-stuttgart.de.

Hölzel-Gespräch: Die Stiftung lädt am Donnerstag, 17. Oktober, dem 85. Todestag des Künstlers, zum jährlichen "Hölzel-Gespräch" in den Metzler-Saal der Staatsgalerie ein. Das Thema wird noch bekanntgegeben.

Weitere Informationen gibt die Hölzel-Stiftung unter www.adolf-hoelzel.de. Die nächsten Führungen sind am Sonntag, 29. September, um 11 Uhr und am Freitag, 15. November, um 18 Uhr. Um Anmeldung unter info@adolf-hoelzel.de wird gebeten.
Donnerstag, 15.08.2019