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Interimsoper in kreativer Umgebung

Das im Jahr 1912 von Max Littmann errichtete denkmalgeschützte Opernhaus soll in den nächsten Jahren umfassend saniert und erweitert werden. Im November 2018 hatte sich der Verwaltungsrat der Staatstheater auf die Weiterentwicklung des Baufelds C1 an den Wagenhallen als prioritären Standort für ein Interim verständigt. Hier lässt sich eine Spielstätte als Gesamtstandort umsetzen.
Teile der 'Maker City' können früher gebaut werden, wenn die mögliche Interimsoper (rot eingezeichnet) bei den Wagenhallen entsteht.VergrößernTeile der 'Maker City' können früher gebaut werden, wenn die mögliche Interimsoper (rot eingezeichnet) bei den Wagenhallen entsteht. Quelle: asp Architekten(Köber LandschaftsarchitekturTeile der 'Maker City' können früher gebaut werden, wenn die mögliche Interimsoper (rot eingezeichnet) bei den Wagenhallen entsteht. Quelle: asp Architekten(Köber Landschaftsarchitektur
Während der Zeit der Sanierung soll der Betrieb von Oper und Ballett in einer Interimsstätte fortgeführt werden. Dafür hat die Stadt im Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater am 5. November die Kostenschätzung und Pläne vorgelegt. Das städtische Hochbauamt hat das bisherige Konzept für ein Operninterim an den Wagenhallen überarbeitet und die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs zum Rosensteinquartier aufgegriffen. Die aktualisierten Pläne sehen nun eine Interimsstätte nördlich der Wagenhallen vor.

"Container City" und "Maker City"

Bei dieser Lösung kann die sogenannte "Container City" vor den Wagenhallen erhalten bleiben. Sie entstand 2016 unter anderem als Übergangsquartier für die Künstlerinnen und Künstler des Kunstvereins Wagenhalle während der Instandsetzung der Wagenhallen. Auf dem Areal wurden Container- und Sonderbauten errichtet, die als Ateliers, Proberäume oder Büros genutzt werden.

Der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs Rosenstein schlägt angrenzend an das Areal der "Container City" eine "Maker ­City" für Kreativwirtschaft, Künstler und Wohnen vor. Im Vorgriff auf diese spätere Nutzung sollen auf diesem Baufeld für den Bedarf der Interimsoper bereits jetzt zwei Gebäude der "Maker City" durch die Stadt dauerhaft und damit nachhaltig errichtet werden. Dafür kalkuliert das Hochbauamt Kosten von 84,1 Millionen Euro.

Modulare Bauten werden später verkauft

Daneben wird die Spielstätte für Oper und Ballett in modularer Bauweise errichtet. Sie kann später teilweise verkauft werden. Dafür sind Kosten von 104,1 Millionen Euro errechnet, die hälftig von Stadt und Land getragen werden. Zieht man den erwartbaren Wiederverkaufserlös für die Modularbauten ab, bleibt für Stadt und Land jeweils ein Anteil von 42,7 Millionen Euro.

Sanierungskonzept für Württembergische Staatstheater

Das Land hat im Verwaltungsrat konkrete Zahlen für Sanierung und Erweiterung der Württembergischen Staatstheater vorgelegt. Darin enthalten sind die Modernisierung von Zuschauer- und Bühnenhaus, der Einbau einer Kreuzbühne mit Erweiterung des Gebäudes, ein Neubau des Kulissengebäudes sowie die Umstrukturierung und Modernisierung der öffentlichen Funktionen. Demnach beläuft sich die Kostenschätzung auf 737 bis 958 Millionen Euro, inklusive eines Puffers für bereits absehbare Baukostensteigerungen. Darin sehen Stadt und Land eine "ehrliche Zahl", die belastbar hergeleitet wurde. Die Mittel für Sanierung und Interim fallen nicht auf einen Schlag an, sondern fließen über zehn bis zwölf Jahre ab.

Hintergrund: Maker City und städtebaulicher Wettbewerb Rosenstein

Im Juli 2018 ist der "internationale offene städtebauliche Wettbewerb Rosenstein - Ideen für den neuen Stadtteil" gestartet, der zuvor von einer Bürgerbeteiligung begleitet wurde. Internationale Planungsbüros erhielten den Auftrag, beispielhafte Lösungen und Visionen für das wichtige neue Quartier zu erarbeiten. Aus 54 Planungsbüros ging 2019 als Sieger der Entwurf der Arbeitsgemeinschaft von asp Architekten GmbH und Köber Landschaftsarchitektur GmbH hervor. Der Entwurf schlägt auf dem als "Maker City" bei den Wagenhallen bezeichneten Gelände eine kreative und experimentelle Nutzungsmischung von Wohnen, Gewerbe, Kultur und sozialer Infrastruktur vor. Die Bebauung soll dabei "modular, flexibel, innovativ, leicht und experimentierfreudig in Holzbauweise" errichtet werden (siehe Grafik).

Vorgesehen ist unter anderem, die bestehende "Container City" der Künstler zu integrieren und damit den temporären, kreativen Charakter des Areals bei gleichzeitiger Umgestaltung zu erhalten. Als "Identitätsanker" dienen die Wagenhallen, die jetzt schon als Ort kreativen Schaffens angesehen werden. Mit "Schwammstadt" umschreiben die Planer das Vorhaben, möglichst wenig Flächen zu versiegeln. Zum Beispiel sollen Freiflächen nicht mit Tiefgaragen unterbaut werden, dazu kommt Begrünung in unterschiedlichsten Formen. Der Nutzen: Versickerung von Regenwasser, Kühlung durch Verdunstung. Dabei helfen auch "Blaugrüne Dächer" Regenwasser zu nutzen, anstatt es in den Abwasserkanal abzuleiten. Das dient der Verdunstung und Kühlung, der Bewässerung von Pflanzen oder auch der Klimatisierung von Gebäuden. Auf sogenannten "Produktiven Dächern" könnte zum Beispiel urbane Landwirtschaft stattfinden.

Donnerstag, 14.11.2019