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Neuer Fahrgastrekord im VVS - OB Kuhn: "Tarifreform für den ÖPNV ein großer Schritt nach vorn."

10,6 Millionen mehr Fahrten trotz rückläufigem Ausbildungsverkehr - Plus 4,8 Prozent bei den von der Tarifreform betroffenen Tickets - Mehr als 93.000 FirmenTickets - VVS-Entwicklung deutlich über dem Bundestrend

Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart und VVS-Aufsichtsratsvorsitzende Fritz Kuhn und die beiden Geschäftsführer Thomas Hachenberger und Horst Stammler haben bei der Jahrespressekonferenz des VVS einen neuen Fahrgastrekord verkündet. Noch nie sind so viele Menschen mit den Bahnen und Bussen in der Region Stuttgart gefahren wie im vergangenen Jahr.


OB Kuhn bei der VVS-JahrespressekonferenzOberbürgermeister Fritz Kuhn (r.) mit den Geschäftsführern Horst Stammler und Thomas Hachenberger am Freitag, 14. Februar, auf der Jahrespressekonferenz des VVS. Foto: Max KovalenkoKuhn ist mit der Entwicklung der Nachfrage im öffentlichen Nahverkehr sehr zufrieden. Er sagt am Freitag, 14. Februar: "Das Ergebnis stimmt mich extrem positiv. Wir ruhen uns aber nicht auf dem Erfolg aus, wir machen weiter beim Ausbau des Nahverkehrs." Der OB sagt an die Adresse der Bahn: "Die S-Bahn muss aber besser, muss pünktlicher werden." Er forderte die Bahn auf, jetzt in die Pünktlichkeit der S-Bahn in Stuttgart und der Region zu investieren und nicht auf die Einführung des elektronischen Steuerungssystems ETCS zu warten.

Die Verkaufsstatistik weist für das Jahr 2019 rund 394,5 Millionen Fahrten aus, das sind 10,6 Millionen Fahrten mehr als im Vorjahr. Dies entspricht einer prozentualen Steigerung von 2,8 Prozent. Damit hat sich der VVS im bundesweiten Vergleich zu den anderen Verkehrsverbünden erneut überdurchschnittlich entwickelt: Nach der vorläufigen Bilanz des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) stiegen die Fahrgastzahlen im Jahr 2019 bundesweit im Durchschnitt lediglich um 0,3 Prozent. Insbesondere die VVS-Tarifreform hat der Nachfrageentwicklung einen kräftigen Schub gegeben und zu mehr Fahrgästen im öffentlichen Nahverkehr geführt.

Der VVS hatte zum 1. April 2019 eine bundesweit beachtete Tarifreform durchgeführt und das Tarifsystem damit wesentlich vereinfacht. Aus bislang 52 Tarifzonen wurden fünf Ringzonen. Ganz Stuttgart liegt jetzt in nur noch einer Tarifzone. Fahrten innerhalb der Landeshauptstadt und aus dem Umland in die City sind nun wesentlich preisgünstiger. Pendler sparen teilweise 25 bis 30 Prozent.

Während es im ersten Quartal 2019, ähnlich wie im bundesweiten Trend, auch beim VVS nur eine geringfügige Steigerung der Fahrgastzahlen gab, ist das hohe Nachfrageplus vor allem auf den Zeitraum nach der VVS-Tarifreform im April zurückzuführen. Seit diesem Zeitpunkt ist die Zahl der beförderten Personen in den Bahnen und Bussen der Verkehrsunternehmen im VVS um 3,2 Prozent gestiegen. Wenn man nur die Tickets betrachtet, die von der Tarifreform unmittelbar betroffen waren, beträgt die Steigerung sogar 4,8 Prozent. Vor allem die Zahl der Abonnenten hat durch die Reform stark zugelegt. Damit wurde ein wesentliches Ziel der Tarifreform - die Gewinnung weiterer Stammkunden - erreicht.

Aufsichtsratschef OB Kuhn erklärt weiter: "Seit Jahren verbessern wir das Fahrplanangebot im VVS. Mit der Tarifreform haben wir auch das Tarifsystem wesentlich vereinfacht und für viele Pendler vergünstigt. Das ist für den ÖPNV ein großer Schritt nach vorn. Immer mehr Menschen nutzen unsere Bahnen und Busse und lassen das Auto stehen." Kuhn verspricht, dass der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs unvermindert weitergeht. "Wir befinden uns mitten in einer echten Verkehrswende, die wir dringend brauchen, um die Luft in den Städten zu verbessern und das Klima zu schützen." Der Oberbürgermeister verweist dabei auch auf den kürzlich verabschiedeten Doppelhaushalt der Landeshauptstadt, in dem erhebliche Mittel für den Ausbau des ÖPNV zur Verfügung gestellt werden. Kuhn begrüßt auch die Entscheidungen auf Bundes- und Landesebene, die Regionalisierungsmittel und die Zuschüsse nach dem Gemeinde-Verkehrs-Finanzierungsgesetz kräftig aufzustocken.

VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger führt das Rekordergebnis vor allem auf die positive Entwicklung im Berufsverkehr zurück: "Die größten Zuwächse gab es mit 12,6 Prozent beim Firmen-Abo, wo wir wieder mehr Stammkunden gewinnen konnten." VVS- Geschäftsführer Horst Stammler wies darauf hin, dass die Rahmenbedingungen nicht mehr so positiv waren wie in den vergangenen Jahren: "Die Bevölkerung ist nur noch geringfügig gewachsen und die Zahl der Schüler, Auszubildenden und Studierenden, die das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs bilden, war sogar spürbar rückläufig. Insoweit ist das Fahrgastplus umso beachtlicher."

Wachstumsmotor Berufsverkehr

Im Berufsverkehr sind die Fahrgastzahlen um 5,6 Prozent gestiegen. Dazu hat insbesondere das FirmenTicket beigetragen. Inzwischen fahren über 93.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit dem FirmenTicket zur Arbeit. "Wir bedanken uns bei den vielen Firmen und Behörden, die ihren Mitarbeitern einen Zuschuss zu den Fahrtkosten für die Öffentlichen leisten. In Verbindung mit den Vergünstigungen durch die Tarifreform ergeben sich dadurch jetzt sehr attraktive Preise für die Beschäftigten", sagte Horst Stammler. Über 1.000 Unternehmen, darunter auch viele kleine Betriebe, zahlen einen Zuschuss von mindestens zehn Euro pro Monat. Im Gegenzug geben der VVS und seine Partner einen Rabatt von zehn Prozent auf den regulären Preis eines JahresTickets.

Gelegenheitsverkehr leicht positiv

Der Gelegenheitsverkehr - dazu gehören Einzel-, 4er- und TagesTickets - war seit längerer Zeit rückläufig. Seit der Tarifreform wurde erstmals wieder eine leicht positive Entwicklung verzeichnet. Im Gesamtjahr 2019 lag das Plus bei 0,8 Prozent. "Dabei muss berücksichtigt werden, dass zum Jahresbeginn der Baden-Württemberg-Tarif in Kraft getreten ist", informiert Thomas Hachenberger. Fahrgäste, die von außerhalb der Region in den VVS hineinfahren, benötigen nun kein VVS-Ticket mehr, da sie mit dem Baden-Württemberg-Tarif auch die Stadtbahnen und Busse am Zielort nutzen können. Der Verbund erhält für diese "Anschlussmobilität" im VVS einen Einnahmenanteil, der bei den "sonstigen Tickets" verbucht wird. Aus diesem Grunde und weil 2019 mehr KombiTickets angeboten wurden, ist bei den "sonstigen Tickets" ein deutliches Plus zu verzeichnen.

Besonders nachgefragt wurde 2019 das TagesTicket, das im Zuge der Tarifreform deutlich günstiger wurde. Für fünf Euro können die Fahrgäste zum Beispiel nun einen ganzen Tag lang in Stuttgart die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. "Damit bietet der VVS den günstigsten Preis für ein TagesTicket in allen deutschen Großstädten an", sagt Thomas Hachenberger. Das Plus beim TagesTicket betrug 12,7 Prozent. Allerdings gingen die Verkaufszahlen beim Einzel- und 4er-Ticket entsprechend zurück (- 2,8 bzw. - 9,4 Prozent).

Positiv gestartet sind auch die von den Kommunen mitfinanzierten StadtTickets in Ludwigsburg, Herrenberg und Esslingen. In diesen drei Städten wurden 2019 rund 772.000 StadtTickets verkauft. Das StadtTicket kostet nur 3 Euro (6 Euro für Kleingruppen oder Familien) und gilt für beliebig viele Fahrten innerhalb eines Tages. Seit Jahresbeginn 2020 wird das StadtTicket in 16 weiteren Städten und Gemeinden angeboten, im April kommen nochmals elf Kommunen hinzu.

Stark zugenommen hat auch der Verkauf über das Smartphone. 2019 wurden über 9,5 Mio. HandyTickets verkauft, das sind 25,5 Prozent mehr als im Vorjahr. "2018 wurde noch jedes fünfte Ticket im Gelegenheitsverkehr mit dem Handy gekauft, 2019 schon jedes vierte. Außerdem haben wir im Dezember mit über 950.000 HandyTickets erstmals an der Millionengrenze gekratzt", informiert Horst Stammler, der davon ausgeht, dass dieser Verkaufskanal in Zukunft weiter stark wachsen wird.

SeniorenTicket im Aufwärtstrend

Das SeniorenTicket bleibt im Aufwind und hat 2019 mit 3,0 Prozent zugelegt. Über 44.000 ältere Fahrgäste sind inzwischen regelmäßig mit einem SeniorenTicket unterwegs. Der Trend geht dabei weiterhin klar in Richtung JahresTicket: 81 Prozent nutzen das verbundweit gültige JahresTicket.

Ausbildungsverkehr rückläufig

Die Schülerzahlen sind schon seit einigen Jahren rückläufig, zum Wintersemester 2018/19 sind erstmals auch seit längerem die Studierendenzahlen an den Hochschulen in der Region Stuttgart gesunken. Deshalb ist der Ausbildungsverkehr insgesamt im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent zurückgegangen, wobei das Scool-Abo um 1,2 Prozent und das StudiTicket um 4,5 Prozent rückläufig waren. Positiv entwickelt hat sich noch einmal das seit Herbst 2016 angebotene Ausbildungs-Abo mit einem Plus von 5,1 Prozent. Auszubildende, Praktikanten, Volontäre und junge Leute im Bundesfreiwilligendienst können seither mit dem Ausbildungs-Abo für 59,90 Euro monatlich im ganzen Netz Bus und Bahn fahren.

Um jungen Menschen in Ausbildung die Nutzung des ÖPNV noch schmackhafter zu machen und Familien zu entlasten, stellt die Landeshauptstadt Stuttgart künftig knapp 6 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, um das Scool-Abo und Ausbildungs-Abo für Schüler und Azubis aus Stuttgart zu subventionieren.

Einnahmen wegen Preissenkung durch Tarifreform rückläufig

2019 betrugen die reinen Fahrgeldeinnahmen (ohne Erstattung der Schwerbehindertenfreifahrt) 511,4 Millionen Euro, das sind 5,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Dieser Rückgang ist vor allem auf die Preissenkungen durch die Tarifreform zurückzuführen. Für die einkalkulierten Mindereinnahmen leisteten die Finanzierungsträger der Tarifreform (Landeshauptstadt Stuttgart, Verbundlandkreise und Land Baden-Württemberg) den Verkehrsunternehmen einen Ausgleich von 31,8 Millionen Euro. Bezieht man diesen finanziellen Ausgleich mit ein, betrug das Einnahmeplus bei den Verkehrsunternehmen 0,7 Prozent. Damit konnte die Tarifabsenkung aus der Tarifreform erwirtschaftet werden, die Kostensteigerung bei den Verkehrsunternehmen bzw. die 2019 unterlassene Tariferhöhung von 2,6 Prozent konnte jedoch nicht in vollem Umfang abgedeckt werden.

Freitag, 14.02.2020