Aktuelles
  •  

Bedürfnisse und Probleme erkennen

Alexandra Sußmann, Bürgermeisterin für Soziales und gesellschaftliche Integration, hat am 5. Juni eine kleine Gruppe von Geflüchteten ins Rathaus eingeladen, um mit ihnen über die Erfahrungen und Alltagsschwierigkeiten während der Corona-­Zeit ins Gespräch zu kommen.
Diaolog mit GeflüchtetenVergrößernÜber Erfahrungen und Schwierigkeiten während der Corona-Krise hat Bürgermeisterin Alexandra Sußmann mit Geflüchteten gesprochen. Foto: Leif PiechowskiÜber Erfahrungen und Schwierigkeiten während der Corona-Krise hat Bürgermeisterin Alexandra Sußmann mit Geflüchteten gesprochen. Foto: Leif PiechowskiZwölf Personen verschiedenen Alters und aus unterschiedlichen Herkunftsländern schilderten ihre Erfahrungen und Herausforderungen, die sie durch die Corona-Einschränkungen im Alltag erleben. Das Gespräch wurde von Ayse Özbabacan und Konstantinos Kosmidis aus der Abteilung ­Integrationspolitik moderiert. Für das Jobcenter saß Damaris Pfau, stellvertretende Leiterin der Abteilung Migration und Teilhabe, am Tisch. Als Hauptprobleme in den Gemeinschaftsunterkünften wurden das Zusammenleben auf beengtem Raum und die Isola­tion durch die Besuchsverbote genannt. Die Menschen haben Angst vor Ansteckung und können durch die gemeinsame Nutzung von Duschen, Toiletten und Gemeinschaftsküchen die Hygiene- und Abstandsregeln nicht so einfach umsetzen wie in einer eigenen Wohnung. Hinzu kommt die Sorge um Verwandte und Freunde in der Heimat.

Kinder und Jugendliche haben kaum die Möglichkeit, dem Online-Schulunterricht zu folgen, da in den Unterkünften der Zugang zum Internet stark eingeschränkt ist und viele ­Familien über keine Endgeräte wie Laptops und Drucker verfügen. Die unterbrochene Lernbegleitung der freiwilligen ­Bildungspaten und die Schließung der Bibliotheken wirkt sich erschwerend auf die Prüfungsvorbereitungen von ­Jugendlichen aus. Auch die ­Be­wegungsmöglichkeiten der Kinder während der Schließung von Vereinen und Spielplätzen waren stark eingeschränkt, da die kleinen Außenanlagen der Unterkünfte nicht ausreichten.

Die für die Integration so wichtigen Sprachkurse konnten ebenfalls nicht stattfinden und auch der alltägliche Kontakt in deutscher Sprache mit Nachbarn, Ehrenamtlichen und Freunden ging deutlich zurück. Eingeschränkt sind auch die Beratungskontakte zu den Sozialarbeitern sowie das eigene freiwillige Engagement in den stadtweiten Empowermentprojekten der Geflüchteten mit ­anderen Einrichtungen. Unterstützende Maßnahmen zur beruflichen Integration konnten nicht oder nur eingeschränkt stattfinden und erschweren so auch die Arbeitssuche. Das Jobcenter sucht individuelle Lösungen für die Betroffenen und berät verstärkt telefonisch.
Die Geflüchteten motivieren und unterstützen sich gegenseitig mit allen verfügbaren Möglichkeiten wie WhatsApp-Gruppen, Videochats oder Zoom-Konferenzen. Einige geflüchtete Frauen haben Schutzmasken für die Nachbarschaft genäht oder bieten Online-­Unterricht für Erwachsene und Kinder an.

Bürgermeisterin Alexandra Sußmann bedankte sich bei den Geflüchteten für das Durchhalten in dieser schweren Zeit und für die wertvollen Hinweise und Anregungen. "Die Stadtverwaltung gewährleistet allen Bürgerinnen und Bürgern weiterhin eine funktionierende Grundversorgung und setzt alles daran, so gut wie möglich auf die Bedürfnisse und Problemlagen der Menschen einzugehen mit vielfältigen Angeboten und Initiativen. Wichtig ist es, sich bei den zuständigen Stellen zu melden und nach Angeboten zu fragen und in dieser Zeit auch die Online-Kommunikation zu nutzen", betonte Sußmann.