Was muss ich alles über Feinstaub & Co. wissen?

Wird es Fahrverbote in Stuttgart geben?

Die 13. Kammer des Stuttgarter Verwaltungsgericht hat am 28. Juli 2017 einer Klage der Deutschen Umwelthilfe stattgegeben. Damit könnte es in Stuttgart zu Fahrverboten für Dieselfahrzeuge kommen. Euro-6-Diesel sowie benzin- oder gasbetriebene Kraftfahrzeuge ab Euro-3-Norm wären von dem Verbot ausgenommen. Die Landesregierung hat im Oktober 2017 Rechtsmittel (Sprungrevision) gegen den Spruch des Verwaltungsgerichts eingelegt. Nun ist es am Bundesverwaltungsgericht, über das Urteil zu befinden.

Wichtig: Aktuell gibt es keine Verkehrsbeschränkungen in Stuttgart. Niemand muss im Moment auf sein Auto in Stuttgart verzichten. Aber, freiwillig das Auto stehen zu lassen hilft in jedem Fall auch heute schon, die Luft in Stuttgart zu verbessern.

Sollte es zu Fahrverboten kommen, wird es Regelungen geben, wer trotz der Beschränkungen fahren darf, wie etwa der Lieferverkehr oder Handwerker. Auch Rettungskräfte, Polizei und Feuerwehr dürfen in jedem Fall in ganz Stuttgart und zu jeder Zeit fahren. Über Härtefälle muss noch entschieden werden.

In jedem Fall wird die Stadt rechtzeitig und so früh wie möglich über alle Einzelheiten im Zusammenhang mit den Verkehrsbeschränkungen informieren.


Hintergrund:
Deutschland überschreitet in mehreren Städten, u.a. in Stuttgart, die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid seit Langem. Deshalb hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet. Sofern keine Abhilfe geschaffen wird, wäre der nächste Schritt eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Im Falle einer Verurteilung kann der EuGH Sanktionen wie zum Beispiel Zwangsgelder für jeden Überschreitungstag verhängen.

Zudem hat die Deutsche Umwelthilfe gegen mehrere Bundesländer Klage eingereicht. Die DUH will die Bundesländer damit verpflichten, ihre Luftreinhaltepläne zu ändern, dass der Grenzwert für Stickstoffdioxid eingehalten werden. Sie fordert daher ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. Neben Stuttgart sind u.a. auch die Städte Köln, Düsseldorf und Frankfurt betroffen.


Was bedeutet Feinstaubalarm?

Feinstaubalarm wird ausgelöst, sobald der Deutsche Wetterdienst (DWD) an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert. Meteorologen sprechen dabei von einer sogenannten austauscharmen Wetterlage: Warmluft in den höher liegenden Luftschichten verhindert das Aufsteigen der Luft vom Boden und damit den vertikalen Austausch. Gleichzeitig herrscht wenig oder kein Wind, so dass auch der Austausch in der horizontalen Richtung stark unterdrückt ist. Im Stadtkessel und in den Tälern wird dadurch die Verdünnung der belasteten Luft erschwert oder verhindert. Dadurch können Luftschadstoffe in Bodennähe nicht mehr abtransportiert werden. An diesen Tagen steigt die Konzentration von Feinstaub und Stickstoffdioxid in Stuttgart stark an. Es besteht die Gefahr von Überschreitungen der Grenzwerte.

Das Land Baden-Württemberg, das Regierungspräsidium und die Stadt Stuttgart appellieren deshalb an die Bevölkerung in Stuttgart und in der Metropolregion, bei Feinstaubalarm das Auto möglichst im Stadtgebiet Stuttgart nicht zu nutzen und auf den Betrieb von Komfort-Kaminen zu verzichten. Autofahrern wird empfohlen, auf den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad umzusteigen, zu Fuß zu gehen oder Fahrgemeinschaften zu bilden.

Wer die Möglichkeit hat, von zu Hause aus zu arbeiten oder von flexiblen Arbeitszeiten Gebrauch zu machen, sollte dies bei Feinstaubalarm in Absprache mit dem Arbeitgeber tun. Für Pendler, die vom Pkw auf das Schienennetz umsteigen, stehen im Gebiet des VVS auf 106 Park-and-Ride-Anlagen (P+R) insgesamt 15.250 Stellplätze zur Verfügung.

Wie lange dauert der Feinstaubalarm an?

Der Feinstaubalarm kann mehrere Tage lang andauern, mindestens aber zwei aufeinanderfolgende Tage. Zur Aufhebung des Feinstaubalarms muss der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine nachhaltige und deutliche Verbesserung des Austauschvermögens vorhersagen, eine eintägige Unterbrechung der starken Einschränkung des Austauschvermögens reicht hierbei nicht aus.

Wie lauten die Kriterien für Feinstaubalarm?

Austauscharme Wetterlagen sind vor allem im Winter ein Problem, da in dieser Jahreszeit diese Wetterlagen häufiger auftreten und die Ansammlung von Schadstoffen in Bodennähe begünstigen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert das Austauschvermögen anhand folgender Kriterien:

1. Feinstaubkonzentration mehr als 30 Mikrogramm am Neckartor und fehlender Regen
2. Fehlender Regen
3. Fehlender wirksamer Wind aus günstiger Richtung
4. Nächtliche Bodeninversion                
5. Flache Mischungsschicht tagsüber  
6. Geringe Windgeschwindigkeit        

Grundsätzlich hängt das Austauschvermögen von Anzahl und Kombination erfüllter Kriterien ab. Das Kriterium 1 (Feinstaubkonzentration > 30 µg/m³ und fehlender Regen) ist allerdings ein vorrangiges Erfüllungskriterium. Das heißt, die Erfüllung dieses Kriteriums reicht aus, um den Feinstaubalarm auszulösen.

Sollte das Kriterium 1 nicht erfüllt sein, müssen mindestens vier der anderen Kriterien vorliegen, damit das Austauschvermögen vom DWD als stark eingeschränkt eingestuft wird. Die Kriterien 2 (fehlender Regen) und 3 (fehlender wirksamer Wind aus günstiger Richtung) sowie mindestens eines der Kriterien 4 (nächtliche Bodeninversion) oder 5 (flache Mischungsschicht) müssen zwingend vorliegen. Das Kriterium 6 (geringe Windgeschwindigkeit) muss erfüllt werden, sollte nur eines der Kriterien 4 oder 5 vorliegen.

Warum darf ich keine Komfort-Kamine benutzen?

Das Land Baden-Württemberg hat im Januar 2017 eine Verordnung über Betriebsbeschränkungen für kleine Feuerungsanlagen (Luftqualitätsverordnung-Kleinfeuerungsanlagen) verabschiedet. Damit ist der Betrieb von sogenannten Komfort-Kaminen an Tagen mit Feinstaubalarm im Stadtgebiet Stuttgart verboten. Das Betriebsverbot ist am 24. Februar in Kraft getreten.

Komfort-Kamine sind Kamine oder Kaminöfen, die eher der Behaglichkeit als der Wärmeerzeugung dienen. Sie werden auch als Einzelraumfeuerungen bezeichnet, da sie nur einzelne Räume beheizen und oft nur als Zusatzheizung zu einer Gas- oder Ölheizung betrieben werden. Diese kleinen Holzfeuerungsanlagen haben häufig erhebliche Probleme mit Luftschadstoffen. Sie produzieren unzählige inhalierbare Staubteilchen - den Feinstaub. Grundsätzlich vom Feinstaubalarm ausgenommen sind Wohnungen, die ausschließlich mit solchen Feuerungen beheizt werden.

Ein erheblicher Teil der Feinstaub-Emissionen, die in Stuttgart gemessen werden, entstehen aus der Holzverbrennung. Laut einer Studie der LUBW macht das Heizen mit Komfort-Kaminen je nach Messstelle im Jahresmittel zwischen fünf und 32 Prozent der Feinstaub-Belastung aus.

Weitere Infos:

Wie funktioniert die Straßenreinigung am Neckartor?

Mit Beginn der neuen Feinstaubalarm-Periode wurde auch das Testprojekt "Straßenreinigung Feinstaub" fortgesetzt. Die Fahrspuren und Gehwege rund um das Neckartor werden bis zum Ende der Feinstaubalarm-Periode am 15. April 2018 von Sonntag bis Freitag zwischen 22 und 5 Uhr fünf Nächte lang gereinigt. Die Reinigung erfolgt durch eine Kombination aus Wasserdruckreinigung, Absaugung sowie mechanischer Reinigung. Während der Reinigungszeiten ist jeweils der Fahrstreifen, der gerade gereinigt wird, gesperrt. Ziel ist es, gröbere Partikel - etwa aus Bremsen- und Reifenabrieb - zu beseitigen, bevor sie überhaupt zu Feinstaub "zermahlen" werden. Die Kosten für die Reinigung in der gesamten Feinstaubalarm-Periode belaufen sich auf rund 600.000 Euro.

Die erste Projektphase der "Straßenreinigung Feinstaub" lief vom 1. März bis zum 6. April 2017. Koordiniert wurde der Pilotversuch von der DEKRA. Auswertungen haben gezeigt: Es gibt Indizien, dass diese Form der Straßenreinigung einen positiven Effekt auf die Feinstaub-Werte am Neckartor haben kann. Um eine valide Aussage darüber zu gewinnen, ob durch die Reinigung eine Verminderung der Feinstaub-Belastung tatsächlich erzielt werden kann, hat der Ausschuss für Umwelt und Technik des Stuttgarter Gemeinderats im Juli 2017 die Fortsetzung des Testprojekts beschlossen. Nach einer europaweiten Ausschreibung wurde erneut die DEKRA beauftragt, die Koordination und Durchführung der Straßenreinigung zu übernehmen.

Wie setzt sich die Schadstoff-Belastung an der Messstation Neckartor zusammen?

Die Feinstaub-Konzentration am Neckartor wird zu 51% durch den Straßenverkehr verursacht. Dieser Wert setzt sich aus den Abgas-Emissionen (7%) und den Emissionen durch Aufwirbelungen und Reifen-, Brems- und Straßenabrieb (44%) zusammen. Die Kleinen und Mittleren Feuerungsanlagen (z.B. Komfort-Kamine) haben einen Anteil von 16%, Industrie, Offroad-Verkehr und sonstige technische Einrichtungen tragen mit 3% zur Belastung bei.

Die Belastung durch Stickstoffdioxid (NO2) wird am Neckartor zu 77% durch den Straßenverkehr verursacht. Die Kleinen und Mittleren Feuerungsanlagen haben insgesamt einen Anteil von 12%. Die Quellengruppen Industrie, Offroad-Verkehr und sonstige Technische Einrichtungen tragen mit 4% zur Belastung bei.

Kann es zu Grenzwert-Überschreitungen kommen, obwohl die Stadt keinen Feinstaubalarm ausgelöst hat?

Ja, das ist durchaus möglich. Die Wetterlage ist nur ein steuernder Faktor, wenn es um die Höhe der Feinstaub-Belastung geht. Zu Grenzwertüberschreitungen tragen neben den meteorologischen Einflüssen auch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen oder starke Emissionen durch Heizungsanlagen bei. Die Stadt löst den Feinstaubalarm auf Basis einer Witterungsprognose bzw. der Vorbelastung an der Messstelle "Am Neckartor" aus: Anhand von sechs Kriterien, die zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) erarbeitet wurden, wird das Austauschvermögen der Atmosphäre bewertet. Dieses Verfahren liefert keine absolute Vorhersage-Sicherheit, da die Feinstaub-Belastung nicht vorhergesagt werden kann. Dennoch kann mit sehr großer Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden, ob die Wetterlage zu erhöhten Feinstaub-Werte beiträgt oder nicht.

Warum treten austauscharme Wetterlagen vorrangig im Winter auf?

Austauscharme Wetterlagen können das ganze Jahr über auftreten. In der kälteren Jahreszeit sind diese Wetterlagen jedoch andauernder und intensiver. Das liegt vor allem daran, dass die Sonne nicht die Kraft hat, eine Inversion zügig aufzulösen.

Wie viele Autos sind in Stuttgart täglich unterwegs?

Die Gemarkungsgrenze von Stuttgart wird innerhalb von 24 Stunden rund 890.000 Mal von ein- oder ausfahrenden Fahrzeugen überquert. Unter der vereinfachten Annahme, dass jedes Auto nur einmal in jede Richtung fährt, sind das rund 445.000 Fahrzeuge. Darunter sind schätzungsweise rund 225.000 Berufspendler (157.000 Einpendler und 67.000 Auspendler), der Rest ist Schwerlast-, Einkaufs- und Freizeitverkehr, oder Fahrzeuge, die die Markungsgrenze innerhalb von 24 Stunden mehr als zwei Mal überqueren. Weitere schätzungsweise rund 81.000 Autos werden jeden Tag von Berufstätigen gefahren, die innerhalb Stuttgarts wohnen und arbeiten. Diese überqueren die Grenzen der Gemarkung zwar nicht, tragen aber ebenfalls erheblich zum Verkehrsaufkommen in Stuttgart bei.

Alle zwei Jahre führt die Stadt zudem die sogenannte Kesselrandzählung durch. Bei dieser Erhebung wird der Verkehr an 21 markanten Stellen am Innenstadtrand gezählt, unter anderem an der B14 Cannstatter Straße und an der B27 Obere Weinsteige. Bei der neuesten Messung (Mai 2015) wurden am "Kesselrand" 430.612 Kraftfahrzeuge gezählt, die nach Stuttgart ein- und ausfahren. Die Zahl ist seit 2005 leicht rückläufig.

Gleichzeitig wächst die Zahl der Fahrzeuge in der Stadt. Aktuell sind in Stuttgart rund 300.000 Pkw (Stand 30.6.2017) registriert.

Was verursacht Feinstaub?

Feinstäube (PM10) bestehen aus winzigen Partikeln, die nicht einmal ein Zehntel des Durchmessers eines Haares erreichen. PM steht für Particulate Matter und 10 für die größte Staubpartikelgröße in Mikrometer - also ein Hunderttausendstel eines Meters -, die im Feinstaub vorkommt. Feinstaub wird vor allem durch menschliches Handeln erzeugt: Er entsteht unter anderem durch Emissionen aus Kraftfahrzeugen, bei der Strom- und Wärmeenergieerzeugung sowie aus Öfen und Heizungen in Wohnhäusern. Es gibt aber auch natürliche Quellen wie z.B. die Staubaufwirbelung von Böden oder Pollenflug.

In Großstädten ist der Straßenverkehr eine wichtige Feinstaubquelle (in Stuttgart "Am Neckartor" beispielsweise 51%). Der Feinstaub aus dem Verkehr entsteht überwiegend durch Brems- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes von der Straßenoberfläche ( "Am Neckartor" 44%) und nachrangig durch Abgase aus konventionell betriebenen Verbrennungsmotoren ("Am Neckartor" 7%).
Die Wirkung dieser mikroskopisch feinen Teilchen ist groß: Über die Lunge dringen sie in den menschlichen Organismus ein und können neben Atemwegproblemen auch Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems verursachen. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass die allerfeinsten Staubpartikel sogar in die Blutzirkulation, das Herz, die Leber und andere Organe transportiert werden und sogar bis ins Gehirn vordringen können. Besonders für Kinder kann Feinstaub schwerwiegende Folgen haben.

In Stuttgart wird der Tagesmittelwert für Feinstaub von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft teilweise häufiger als an den von der EU erlaubten 35 Tagen überschritten. So wurde der Grenzwert an der Messstelle Am Neckartor 2017 an 45 Tagen überschritten. Die Überschreitungen sind dort jedoch schon deutlich zurückgegangen: Die Zahl der Überschreitungstage lag 2017 bei 63, im Jahr 2005 noch bei 187. An allen weiteren Messstellen im Stuttgarter Stadtgebiet werden die Feinstaub-Grenzwerte inzwischen eingehalten.

Was verursacht Stickstoffdioxid?

Stickstoffdioxid (NO2) entsteht wie Feinstaub bei Verbrennungsprozessen, allerdings nur bei hohen Verbrennungstemperaturen, durch Oxidation von Luftstickstoff. Hauptquellen sind konventionell betriebene Verbrennungsmotoren, insbesondere Dieselmotoren ohne wirksame Entstickungstechniken. Auch Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle stoßen Stickstoffdioxid aus. Aber in Ballungsgebieten wie Stuttgart ist der Straßenverkehr ein bedeutender NO2-Verursacher (Anteil in Stuttgart 52%, an einigen Messstellen auch weitaus mehr (rund 80%).

Stickstoffdioxid kann zu Entzündungsreaktionen in den Atemwegen führen und die Reizwirkung anderer Luftschadstoffe verstärken. Bei längerer Einwirkung können höhere Konzentrationen zu chronischer Bronchitis oder auch zu einer Erhöhung der Empfindlichkeit gegenüber Atemweginfektionen führen. Eine hohe NO2-Konzentration ist vor allem für Asthmatiker ein Problem, da sie zu einer Bronchienverengung führen kann. Alle Stickstoffoxide haben auch eine toxische Wirkung auf Pflanzen, da sie beispielsweise bei Bäumen die Oberschicht von Blättern und Nadeln schädigen. Sie spielen auch bei der Bildung von sogenanntem Sommersmog eine entscheidende Rolle. Sie reagieren bei entsprechender Wärme und Sonnenstrahlung zu Ozon, einem Reizgas wie NO2 selbst auch.

Europaweit wurden auch für Stickstoffdioxid Grenzwerte festgelegt. Dieser wurde 2017 an der Messstelle Am Neckartor mit nur drei Überschreitungsstunden erstmals eingehalten. 2016 waren es noch 35, erlaubt sind 18 Überschreitungsstunden bei einem Kurzzeitgrenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.An allen weiteren Messstellen wird dieser Grenzwert inzwischen eingehalten.

Im Gegensatz zum Feinstaub ist bei Stickstoffdioxid jedoch der Jahresmittelwert problematisch. Der Grenzwert liegt im Jahresmittel bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Am Neckartor lag das Jahresmittel 2017 bei 73 Mikrogramm pro Kubikmeter. Im Jahr 2016 lag der Wert bei 82.

www.stadtklima-stuttgart.de/index.php?luft_messdaten_ueberschreitungen

Was tut die Stadt Stuttgart bereits jetzt gegen die Luftschadstoffe?

Aufgrund der besonderen topografischen Lage ist das Thema Luftreinhaltung schon lange ein wichtiges Thema in Stuttgart. Die stetige Verbesserung der Luftqualität in Stuttgart ist auf eine Reihe von Maßnahmen zurückzuführen. Ein wichtiger Schritt für Stuttgart war im Jahr 2006 die Verabschiedung des ersten Luftreinhalte-/Aktionsplans, den das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart gemeinsam erarbeitet haben. Der Plan umfasst fast 40 Maßnahmen zur Luftreinhaltung. Dazu zählen beispielsweise das Lkw-Durchfahrtsverbot, die Einführung der Umweltzone, der fortwährende Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Förderung des Fuß- und Radverkehrs, Tempo 40 auf Steigungsstrecken und das Jobticket. Aktuell arbeitet das Land an der dritten Fortschreibung des Luftreinhalteplans mit weiteren Maßnahmen.

2013 hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn zudem den Aktionsplan "Nachhaltig mobil in Stuttgart" vorgelegt, der die städtischen Luftreinhalte-Maßnahmen noch einmal deutlich erweitert hat. Hauptziel ist die Verbesserung der Luftqualität insbesondere in der Innenstadt, zum Beispiel durch die Reduzierung des konventionell angetriebenen Autoverkehrs um 20 Prozent im Talkessel.

Im Doppelhaushalt 2018/2019 werden weitere 25,61 Millionen Euro in die Umsetzung der Maßnahmen des Aktionsplans bereitgestellt. Ein Schwerpunkt ist dabei der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. So wird die Stadt 3,2 Millionen Euro in die Verlängerung der Buslinie 65 zum Flughafen investieren. Die Linie soll 2020 in Betrieb genommen werden. Zudem wird die Stadt in den nächsten Jahren zusätzlich zwei Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ) investieren. Damit sollen die Verkehrsteuerung und Verkehrsverstetigung im Stadtgebiet verbessert werden. Zusätzlich werden 1,4 Millionen Euro für die verkehrsverflüssigende Maßnahme "Tempo 40 an Steigungsstrecken" eingesetzt. Diese soll um acht Strecken erweitert werden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Haushaltpakets Mobilität sind Maßnahmen im Fuß- und Radverkehr. So wird die Stadt für 3,4 Millionen Euro erstmals ein eigenes Fußverkehr-Programmm auflegen. Darüber hinaus investiert die Stadt allein im Doppelhaushalt 2018/2019 zusätzlich rund 7,6 Millionen Euro für den Ausbau des Radverkehrs. Dies entspricht nahezu einer Verdopplung des ursprünglichen Radetats.

Ergänzt wird das Mobilitätspaket der Verwaltung durch Maßnahmen aus dem Bündnis für Mobilität und Luftreinhaltung des Stuttgarter Gemeinderats. So wird die Stadt beispielsweise rund 7,5 Millionen Euro für die Realisierung der Pilot-Bus-Linie "P" aufbringen. Diese soll ab Herbst 2018 im Fünf-Minuten-Takt Bad Cannstatt mit der Stuttgarter Innenstadt verbinden und damit den Auto- und Stadtbahnverkehr auf dieser Strecke entlasten.

Außerdem fließen rund 250.000 Euro in den Bau einer Fahrradstation mit Fahrradparkhaus und Ladestation für E-Bikes im Bereich Paulinenbrücke in der Tübinger Straße. Für die Umsetzung des Beschlusses "Eine lebenswerte Stadt für alle!", der im Juli 2017 im Gemeinderat gefasst wurde, werden Mittel in Höhe 500.000 Euro jährlich dauerhaft bereitgestellt. Langfristiges Ziel ist es, die bestehende Fußgängerzone innerhalb des Cityrings auszuweiten und die dortigen oberirdischen öffentlichen Parkplätze zurückzubauen.

Zudem erhält die SSB in einer ersten Tranche für weitere rund 15 Millionen Euro. Bis 2023 sind dazu weitere Mittel von rund 60,5 Millionen Euro veranschlagt. Damit sollen unter anderem die Beschaffung von weiteren 20 Stadtbahnen, ein neuer Betriebshof, die Ertüchtigung aller Haltestellen der U1-Linie für den Einsatz der 80m Züge, die Verlängerung der U19 bis zum Daimler-Werktor sowie die Modernisierung und Umbau der Zahnradbahn finanziert werden. Beschlossen wurde auch, ab 2019 jährlich neun Millionen Euro für die VVS-Tarifreform mit Zusammenlegung der Zonen 10 und 20 aufzuwenden.

Ist die Luft wirklich so schlecht in Stuttgart?

Durch die topografische Lage der Stadt gibt es relativ wenig Luftbewegung im Innenstadtbereich. Ohnehin gilt die ganze Region als windarm. Besonders in der kälteren Jahreszeit tritt deshalb häufig das Problem der sogenannten austauscharmen Wetterlagen auf: Die Luft kann nicht mehr zirkulieren und die Luftschadstoffe können nicht abtransportiert werden. Die Luftbelastung in Stuttgart bewegt sich - je nach Schadstoff - auf einem sehr unterschiedlichen Niveau. So werden etwa die Grenzwerte für Schwefeldioxid oder Kohlenmonoxid deutlich unterschritten. Bei diesen Luftschadstoffen sind die Belastungen unkritisch. Das Problem sind insbesondere die stärker verkehrsbedingten Schadstoffe Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid (NO2).

Am Neckartor wurde im Jahr 2017 an 45 Tagen der Grenzwert für Feinstaub von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Tagesmittel überschritten - laut EU-Recht erlaubt sind 35 Überschreitungstage. An der Hohenheimer Straße, wo es bis 2011 ebenfalls noch Überschreitungstage gab, wurde der Wert im Jahr 2017 an 16 Tagen überschritten.

Die Überschreitungen sind auch am Neckartor schon deutlich zurückgegangen: So lag die Zahl der Überschreitungstage 2016 bei 63, im Jahr 2005 bei 187. An den weiteren Messstellen im Stuttgarter Stadtgebiet werden die Feinstaub-Grenzwerte inzwischen eingehalten.

In Bezug auf die Stickstoffdioxid (NO2) Belastung gab es an der Messstelle Neckartor 2017 drei Überschreitungsstunden, erlaubt sind laut EU-Recht 18 Stunden bei einem Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Im Jahr 2016 wurden dort noch 35 Überschreitungsstunden gemessen. 

Im Gegensatz zum Feinstaub ist bei Stickstoffdioxid auch der Jahresmittelwert problematisch. Der Grenzwert liegt im Jahresmittel bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Am Neckartor lag das Jahresmittel 2017 bei 73, 2016 bei 82 Mikrogramm. Der Grenzwert im Jahresmittel beim Feinstaub beträgt ebenfalls 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Dieser wird inzwischen an allen Messstellen in Stuttgart eingehalten.

Abseits der stark befahrenen Straßen ist die Belastung durch Luftschadstoffe deutlich geringer. Es herrscht also bei weitem nicht in der gesamten Stadt "dicke Luft".

Was bedeutet die grüne Plakette am Auto?

Stuttgart ist seit dem 1. März 2008 Umweltzone. Das bedeutet, es dürfen inzwischen nur noch Kraftfahrzeuge der Schadstoffklasse 4 ins Stadtgebiet Stuttgart fahren. Diese besitzen eine grüne Umwelt-Plakette. Mit dieser Plakette dürfen alle Umweltzonen ohne Einschränkung befahren werden. Fahrzeuge, die der Schadstoffgruppe 1, 2 und 3 angehören (Fahrzeuge mit roter oder gelber Plakette), haben Fahrverbot in Stuttgart.

Was hat Parkraummanagement mit Feinstaub zu tun?

In den inneren Stadtbezirken konkurrieren Bewohner, Besucher, Beschäftigte, Kunden, Dienstleister und Lieferanten um Parkplätze. Das Parkraummanagement sorgt dafür, dass Parkflächen optimal ausgelastet und die Bewohner bevorzugt werden. Das Parkraummanagement hat aber noch einen wichtigen zweiten Vorteil: Es reduziert den Parksuchverkehr, der die Umwelt zusätzlich belastet.

Seit Anfang 2011 gibt es das Parkraummanagement in Stuttgart-West. Am 1. Oktober 2015 wurde es in einer ersten Umsetzungsstufe auf Teile der Innenstadtbezirke Mitte, Süd und Nord ausgedehnt. Seither sind alle betroffenen Parkplätze im Bezirk Mitte (M1, M2 und Ci1 bis Ci3), Süd (S1 bis S4) und Nord (N1) im öffentlichen Straßenraum gebührenpflichtig. Ausnahme ist die Gebührenzone City. Dort sind seit 1. Oktober alle Parkplätze montags bis samstags, 8 bis 22 Uhr kostenpflichtig - auch die bislang kostenlosen. Die Parkdauer bleibt auf eine Stunde beschränkt.

In einer zweiten Umsetzungsstufe folgten im Juni 2016 weitere Bereiche von Mitte (M3 und M4), Süd (S4 und S5) und Nord (N2 bis N4) sowie ein Teilgebiet von Ost (O1). In der dritten Umsetzungsstufe wurde das Parkraummanagement auf Teile von Stuttgart-Bad Cannstatt und weitere Gebiete des Stuttgarter Ostens ausgedehnt.

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