Was muss ich alles über Feinstaub & Co. wissen?

Ab wann gibt es Verkehrsverbote in Stuttgart?

Ab dem 1. Januar 2019 soll es in Stuttgart ein Verkehrsverbot für alle Kraftfahrzeuge mit Dieselmotoren der Abgasnorm Euro 4 und schlechter geben. Das hat die Landesregierung am Mittwoch, 11. Juli, 2018 beschlossen.

Das Verkehrsverbot soll ganzjährig in der Umweltzone der Stadt Stuttgart gelten. Dieselfahrzeuge mit der Abgasnorm ab Euro 5 sollen von diesem Verbot ausgenommen werden. Ausnahmen vom Verkehrsverbot soll es u.a. für bestimmte Lieferanten (Lebensmittel, Apotheken), Sozialdienste, Handwerker, medizinische Notfälle, Menschen mit Behinderung und Schichtdienstleistende geben. Für Anwohner ist eine Übergangsfrist bis zum 1. April 2019 geplant.

Alle wichtigen Fragen und Antworten zu den Verkehrsbeschränkungen gibt es auf der Seite des Verkehrsministeriums:

Die anstehenden Verkehrsverbote sowie zahlreiche weitere Maßnahmen zur Luftreinhaltung stehen im Entwurf der 3. Fortschreibung des Luftreinhalteplans für Stuttgart. Für die Fortschreibung ist das Land Baden-Württemberg zuständig, federführend das Regierungspräsidium Stuttgart. Der Planentwurf des Luftreinhalteplans ist zu finden unter:

Bis zum 12.10.2018 konnte zum Plan Stellung genommen werden. Das Regierungspräsidium wertet nun alle Stellungnahmen aus und legt danach eine endgültige Fassung der Fortschreibung des Luftreinhalteplans vor. Dieser soll noch in diesem Jahr in Kraft treten.

Hintergrund:
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat gegen mehrere Bundesländer Klage eingereicht. Die DUH will die Bundesländer damit verpflichten, ihre Luftreinhaltepläne zu ändern, dass der Grenzwert für Stickstoffdioxid eingehalten werden. Sie fordert daher ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. Neben Stuttgart sind u.a. auch die Städte Köln, Düsseldorf und Frankfurt betroffen.

Das Stuttgarter Verwaltungsgericht hat am 28. Juli 2017 der Klage der DUH stattgegeben. Die Landesregierung hat im Oktober 2017 Rechtsmittel (Sprungrevision) gegen den Spruch des Verwaltungsgerichts eingelegt. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Sprungrevision am 27. Februar 2018 zurückgewiesen. Das Gericht hält demnach Diesel-Fahrverbote in Städten - bei Wahrung der Verhältnismäßigkeit - für grundsätzlich zulässig.

Was bedeutet Feinstaubalarm?

Feinstaubalarm wird ausgelöst, sobald der Deutsche Wetterdienst (DWD) an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert. Meteorologen sprechen dabei von einer sogenannten austauscharmen Wetterlage: Warmluft in den höher liegenden Luftschichten verhindert das Aufsteigen der Luft vom Boden und damit den vertikalen Austausch. Gleichzeitig herrscht wenig oder kein Wind, so dass auch der Austausch in der horizontalen Richtung stark unterdrückt ist. Im Stadtkessel und in den Tälern wird dadurch die Verdünnung der belasteten Luft erschwert oder verhindert. Dadurch können Luftschadstoffe in Bodennähe nicht mehr abtransportiert werden. An diesen Tagen steigt die Konzentration von Feinstaub und Stickstoffdioxid in Stuttgart stark an. Es besteht die Gefahr von Überschreitungen der Grenzwerte.

Das Land Baden-Württemberg, das Regierungspräsidium und die Stadt Stuttgart appellieren deshalb an die Bevölkerung in Stuttgart und in der Metropolregion, bei Feinstaubalarm das Auto möglichst im Stadtgebiet Stuttgart nicht zu nutzen und auf den Betrieb von Komfort-Kaminen zu verzichten. Autofahrern wird empfohlen, auf den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad umzusteigen, zu Fuß zu gehen oder Fahrgemeinschaften zu bilden.

Wer die Möglichkeit hat, von zu Hause aus zu arbeiten oder von flexiblen Arbeitszeiten Gebrauch zu machen, sollte dies bei Feinstaubalarm in Absprache mit dem Arbeitgeber tun. Für Pendler, die vom Pkw auf das Schienennetz umsteigen, stehen im Gebiet des VVS auf 218 Park-and-Ride-Anlagen (P+R) über 17.000 Stellplätze zur Verfügung

Wie lange dauert der Feinstaubalarm an?

Der Feinstaubalarm kann mehrere Tage lang andauern, mindestens aber zwei aufeinanderfolgende Tage. Zur Aufhebung des Feinstaubalarms muss der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine nachhaltige und deutliche Verbesserung des Austauschvermögens vorhersagen, eine eintägige Unterbrechung der starken Einschränkung des Austauschvermögens reicht hierbei nicht aus.

Wie lauten die Kriterien für Feinstaubalarm?

Austauscharme Wetterlagen sind vor allem im Winter ein Problem, da in dieser Jahreszeit diese Wetterlagen häufiger auftreten und die Ansammlung von Schadstoffen in Bodennähe begünstigen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert das Austauschvermögen anhand folgender Kriterien:

1. Feinstaubkonzentration mehr als 30 Mikrogramm pro Kubikmeter am Neckartor und fehlender Regen
2. Fehlender Regen
3. Fehlender wirksamer Wind aus günstiger Richtung
4. Nächtliche Bodeninversion                
5. Flache Mischungsschicht tagsüber  
6. Geringe Windgeschwindigkeit        

Grundsätzlich hängt das Austauschvermögen von Anzahl und Kombination erfüllter Kriterien ab. Das Kriterium 1 (Feinstaubkonzentration > 30 µg/m³ und fehlender Regen) ist allerdings ein vorrangiges Erfüllungskriterium. Das heißt, die Erfüllung dieses Kriteriums reicht aus, um den Feinstaubalarm auszulösen.

Sollte das Kriterium 1 nicht erfüllt sein, müssen mindestens vier der anderen Kriterien vorliegen, damit das Austauschvermögen vom DWD als stark eingeschränkt eingestuft wird. Die Kriterien 2 (fehlender Regen) und 3 (fehlender wirksamer Wind aus günstiger Richtung) sowie mindestens eines der Kriterien 4 (nächtliche Bodeninversion) oder 5 (flache Mischungsschicht) müssen zwingend vorliegen. Das Kriterium 6 (geringe Windgeschwindigkeit) muss erfüllt werden, sollte nur eines der Kriterien 4 oder 5 vorliegen.

Warum darf ich keine Komfort-Kamine benutzen?

Das Land Baden-Württemberg hat im Januar 2017 eine Verordnung über Betriebsbeschränkungen für kleine Feuerungsanlagen (Luftqualitätsverordnung-Kleinfeuerungsanlagen) verabschiedet. Damit ist der Betrieb von sogenannten Komfort-Kaminen an Tagen mit Feinstaubalarm im Stadtgebiet Stuttgart verboten. Das Betriebsverbot ist am 24. Februar 2017 in Kraft getreten.

Komfort-Kamine sind Kamine oder Kaminöfen, die eher der Behaglichkeit als der Wärmeerzeugung dienen. Sie werden auch als Einzelraumfeuerungen bezeichnet, da sie nur einzelne Räume beheizen und oft nur als Zusatzheizung zu einer Gas- oder Ölheizung betrieben werden. Diese kleinen Holzfeuerungsanlagen haben häufig erhebliche Probleme mit Luftschadstoffen. Sie produzieren unzählige inhalierbare Staubteilchen - den Feinstaub. Grundsätzlich vom Feinstaubalarm ausgenommen sind Wohnungen, die ausschließlich mit solchen Feuerungen beheizt werden.

Ein erheblicher Teil der Feinstaub-Emissionen, die in Stuttgart gemessen werden, entstehen aus der Holzverbrennung. Laut einer Studie der LUBW macht das Heizen mit Komfort-Kaminen je nach Messstelle im Jahresmittel zwischen fünf und 32 Prozent der Feinstaub-Belastung aus.

Weitere Infos:

Wie funktioniert die Straßenreinigung am Neckartor?

Auch in der neuen Feinstaubalarm-Periode wird die "Straßenreinigung Feinstaub" fortgesetzt. Dies hat der Verwaltungsausschuss des Stuttgarter Gemeinderats am Mittwoch, 10. Oktober 2018, mit breiter Mehrheit beschlossen. Somit werden auch in der aktuellen Feinstaubalarm-Periode die Fahrspuren und Gehwege rund um das Neckartor von Sonntag bis Freitag zwischen 22 und 5 Uhr intensiv gereinigt.

Die Reinigung der Straßen und Gehwege soll dazu beitragen, die Feinstaub-Belastung an stark befahrenen Strecken zu senken. Durch die Reinigung sollen die Vorprodukte des Feinstaubs - z. B. Reifenpartikel, Bremspartikel, Streugut - beseitigt werden, sodass diese sich gar nicht erst zu Feinstaub entwickeln können.

Aufgrund der Erfahrungen aus der vorherigen Testphase wird der Reinigungsvorgang in dieser Alarm-Periode neu konfiguriert. Dadurch kann die Reinigungsstrecke um insgesamt drei Kilometer erweitert werden. Künftig wird zusätzlich ab dem Heinrich-Baumann-Steg ostwärts bis zur Villastraße vor dem Schwanenplatztunnel (je Fahrtrichtung dreispurig auf einer Länge von 500 Metern) gereinigt.

Die Firma DEKRA leitete die Testkoordination und organisierte die Messtechnik sowie die Analytik. Die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS), das Amt für Umweltschutz und die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) unterstützten bei der Durchführung des Projekts.

Untersuchungen nach den Straßenreinigungen in den vergangenen Feinstaubalarm-Perioden haben ergeben, dass es an der Messstation Am Neckartor einen Unterschied bei den Feinstaubwerten an Reinigungstagen und Nicht-Reinigungstagen gibt. Besonders die Betrachtung des groben Anteils von Feinstaub ergab Indizien für die Wirksamkeit der intensiven Straßenreinigung. Aufgrund der großen Bedeutung der meteorologischen Einflüsse lässt sich die Wirkung der Reinigung jedoch nicht genau quantifizieren.

Wie setzt sich die Schadstoff-Belastung an der Messstation Neckartor zusammen?

Die Feinstaub-Konzentration am Neckartor wird zu 65% durch den Straßenverkehr verursacht. Dieser Wert setzt sich aus den Abgas-Emissionen (9%) und den Emissionen durch Aufwirbelungen und Reifen-, Brems- und Straßenabrieb (56%) zusammen. Die Kleinen und Mittleren Feuerungsanlagen (z.B. Komfort-Kamine) haben einen Anteil von 7%, Industrie, Offroad-Verkehr und sonstige technische Einrichtungen tragen mit 5% zur Belastung bei.

Die Belastung durch Stickstoffdioxid (NO2) wird am Neckartor zu 78% durch den Straßenverkehr verursacht. Die Kleinen und Mittleren Feuerungsanlagen haben insgesamt einen Anteil von 12%. Die Quellengruppen Industrie, Offroad-Verkehr und sonstige Technische Einrichtungen tragen mit 3% zur Belastung bei.

Kann es zu Grenzwert-Überschreitungen kommen, obwohl die Stadt keinen Feinstaubalarm ausgelöst hat?

Ja, das ist durchaus möglich. Die Wetterlage ist nur ein steuernder Faktor, wenn es um die Höhe der Feinstaub-Belastung geht. Zu Grenzwertüberschreitungen tragen neben den meteorologischen Einflüssen auch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen oder starke Emissionen durch Heizungsanlagen bei. Die Stadt löst den Feinstaubalarm auf Basis einer Witterungsprognose bzw. der Vorbelastung an der Messstelle "Am Neckartor" aus: Anhand von sechs Kriterien, die zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) erarbeitet wurden, wird das Austauschvermögen der Atmosphäre bewertet. Dieses Verfahren liefert keine absolute Vorhersage-Sicherheit, da die Feinstaub-Belastung nicht vorhergesagt werden kann. Dennoch kann mit sehr großer Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden, ob die Wetterlage zu erhöhten Feinstaub-Werte beiträgt oder nicht.

Wie viele Autos sind in Stuttgart täglich unterwegs?

Die Gemarkungsgrenze von Stuttgart wird innerhalb von 24 Stunden rund 904.000 Mal von ein- oder ausfahrenden Fahrzeugen überquert (letzte Zählung 2016). Unter der vereinfachten Annahme, dass jedes Auto nur einmal in jede Richtung fährt, sind das rund 470.000 Fahrzeuge. Darunter sind schätzungsweise rund 225.000 Berufspendler (157.000 Einpendler und 67.000 Auspendler), der Rest ist Schwerlast-, Einkaufs- und Freizeitverkehr, oder Fahrzeuge, die die Markungsgrenze innerhalb von 24 Stunden mehr als zwei Mal überqueren. Weitere schätzungsweise rund 81.000 Autos werden jeden Tag von Berufstätigen gefahren, die innerhalb Stuttgarts wohnen und arbeiten. Diese überqueren die Grenzen der Gemarkung zwar nicht, tragen aber ebenfalls erheblich zum Verkehrsaufkommen in Stuttgart bei.

Alle zwei Jahre führt die Stadt zudem die sogenannte Kesselrandzählung durch. Bei dieser Erhebung wird der Verkehr an 21 markanten Stellen am Innenstadtrand gezählt, unter anderem an der B14 Cannstatter Straße und an der B27 Obere Weinsteige. Bei der letzten Zählung im Jahr 2017 wurden am "Kesselrand" 427.157 Kraftfahrzeuge gezählt, die nach Stuttgart ein- und ausfahren. Die Zahl ist seit 2005 leicht rückläufig, obwohl die Einwohnerzahlen in Stuttgart kontinuierlich steigen.

Gleichzeitig steigt auch die Zahl der Fahrzeuge in der Stadt. Aktuell sind in Stuttgart 303.704 Pkw (Stand 29.7.2018) registriert.

Was verursacht Feinstaub?

Feinstäube (PM10) bestehen aus winzigen Partikeln, die nicht einmal ein Zehntel des Durchmessers eines Haares erreichen. PM steht für Particulate Matter und 10 für die größten Staubpartikeldurchmesser in Mikrometer - also ein Hunderttausendstel eines Meters -, die im Feinstaub vorkommt. Feinstaub wird vor allem durch menschliches Handeln erzeugt: Er entsteht unter anderem durch Emissionen aus Kraftfahrzeugen, bei der Strom- und Wärmeenergieerzeugung sowie aus Öfen und Heizungen in Wohnhäusern. Es gibt aber auch natürliche Quellen wie z.B. die Staubaufwirbelung von Böden oder Pollenflug.

In Großstädten ist der Straßenverkehr eine wichtige Feinstaubquelle (in Stuttgart "Am Neckartor" beispielsweise 65%). Der Feinstaub aus dem Verkehr entsteht überwiegend durch Brems- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes von der Straßenoberfläche ( "Am Neckartor" 56%) und nachrangig durch Abgase aus konventionell betriebenen Verbrennungsmotoren ("Am Neckartor" 9%).
Die Wirkung dieser mikroskopisch feinen Teilchen ist groß: Über die Lunge dringen sie in den menschlichen Organismus ein und können neben Atemwegproblemen auch Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems verursachen. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass die allerfeinsten Staubpartikel sogar in die Blutzirkulation, das Herz, die Leber und andere Organe transportiert werden und sogar bis ins Gehirn vordringen können. Besonders für Kinder kann Feinstaub schwerwiegende Folgen haben.

In Stuttgart wird der Tagesmittelwert für Feinstaub von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft teilweise häufiger als an den von der EU erlaubten 35 Tagen im Jahr überschritten. So wurde der Grenzwert an der Messstelle Am Neckartor 2017 an 41 Tagen überschritten. Bereits abgezogen der Beitrag Streusalz (4 Tage) und natürliche Quellen (0 Tage). Die Überschreitungen Am Neckartor sind jedoch schon deutlich zurückgegangen: Die Überschreitungstage lagen 2016 bei 58, im Jahr 2005 noch bei 187. An allen weiteren Messstellen im Stuttgarter Stadtgebiet werden die Feinstaub-Grenzwerte inzwischen eingehalten.

Was verursacht Stickstoffdioxid?

Stickstoffdioxid (NO2) entsteht wie Feinstaub bei Verbrennungsprozessen, allerdings nur bei hohen Verbrennungstemperaturen, durch Oxidation von Luftstickstoff. Hauptquellen sind konventionell betriebene Verbrennungsmotoren, insbesondere Dieselmotoren ohne wirksame Entstickungstechniken. Auch Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle stoßen Stickstoffdioxid aus. Aber in Ballungsgebieten wie Stuttgart ist der Straßenverkehr ein bedeutender NO2-Verursacher.

Stickstoffdioxid kann zu Entzündungsreaktionen in den Atemwegen führen und die Reizwirkung anderer Luftschadstoffe verstärken. Bei längerer Einwirkung können höhere Konzentrationen zu chronischer Bronchitis oder auch zu einer Erhöhung der Empfindlichkeit gegenüber Atemweginfektionen führen. Eine hohe NO2-Konzentration ist vor allem für Asthmatiker ein Problem, da sie zu einer Bronchienverengung führen kann. Alle Stickstoffoxide haben auch eine toxische Wirkung auf Pflanzen, da sie beispielsweise bei Bäumen die Oberschicht von Blättern und Nadeln schädigen. Sie spielen auch bei der Bildung von sogenanntem Sommersmog eine entscheidende Rolle. Sie reagieren bei entsprechender Wärme und Sonnenstrahlung zu Ozon, einem Reizgas wie NO2 selbst auch.

Europaweit wurden auch für Stickstoffdioxid Grenzwerte festgelegt. Der Kurzzeitgrenzwert wurde 2017 an der Messstelle Am Neckartor mit nur drei Überschreitungsstunden erstmals eingehalten. 2016 waren es noch 35, erlaubt sind 18 Überschreitungsstunden bei einem Kurzzeitgrenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.An allen weiteren Messstellen wird dieser Grenzwert inzwischen eingehalten.

Im Gegensatz zum Feinstaub ist bei Stickstoffdioxid jedoch der Jahresmittelwert problematisch. Der Grenzwert liegt im Jahresmittel bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Am Neckartor lag das Jahresmittel 2017 bei 73 Mikrogramm pro Kubikmeter. Im Jahr 2016 lag der Wert bei 82.

www.stadtklima-stuttgart.de/index.php?luft_messdaten_ueberschreitungen

Was tut die Stadt Stuttgart bereits jetzt gegen die Luftschadstoffe?

Aufgrund der besonderen topografischen Lage ist das Thema Luftreinhaltung schon lange ein wichtiges Thema in Stuttgart. Die stetige Verbesserung der Luftqualität in Stuttgart ist auf eine Reihe von Maßnahmen zurückzuführen. Ein wichtiger Schritt für Stuttgart war im Jahr 2006 die Verabschiedung des ersten Luftreinhalte-/Aktionsplans, den das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart gemeinsam erarbeitet haben. Der Plan umfasst fast 40 Maßnahmen zur Luftreinhaltung. Dazu zählen beispielsweise das Lkw-Durchfahrtsverbot, die Einführung der Umweltzone, der fortwährende Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Förderung des Fuß- und Radverkehrs, Tempo 40 auf Steigungsstrecken und das Jobticket. Die dritte Fortschreibung des Luftreinhalteplans mit weiteren Maßnahmen ist aktuell noch in Bearbeitung und soll noch 2018 in Kraft treten.

2013 hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn zudem den Aktionsplan "Nachhaltig mobil in Stuttgart" vorgelegt, der die städtischen Luftreinhalte-Maßnahmen noch einmal deutlich erweitert hat. Hauptziel ist die Verbesserung der Luftqualität insbesondere in der Innenstadt, zum Beispiel durch die Reduzierung des konventionell angetriebenen Autoverkehrs um 20 Prozent im Talkessel.

Im Doppelhaushalt 2018/2019 werden weitere 25,61 Millionen Euro in die Umsetzung der Maßnahmen des Aktionsplans bereitgestellt. Ein Schwerpunkt ist dabei der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. So wird die Stadt 3,2 Millionen Euro in Busspuren und weitere technische Bevorrechtigungseinrichtungen investieren, um die Voraussetzungen für die Verlängerung der Buslinie 65 zum Flughafen zu schaffen. Die verlängerte Linie soll 2020 in Betrieb genommen werden. Zudem wird die Stadt in den nächsten Jahren zusätzlich zwei Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ) investieren. Damit sollen die Verkehrsteuerung und Verkehrsverstetigung im Stadtgebiet verbessert werden. Zusätzlich werden 1,4 Millionen Euro für die verkehrsverflüssigende Maßnahme "Tempo 40 an Steigungsstrecken" eingesetzt. Diese soll um acht Strecken erweitert werden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Haushaltpakets Mobilität sind Maßnahmen im Fuß- und Radverkehr. So wird die Stadt für 3,4 Millionen Euro erstmals ein eigenes Fußverkehr-Programm auflegen. Darüber hinaus investiert die Stadt allein im Doppelhaushalt 2018/2019 zusätzlich rund 7,6 Millionen Euro für den Ausbau des Radverkehrs. Dies entspricht nahezu einer Verdopplung des ursprünglichen Radetats.

Ergänzt wird das Mobilitätspaket der Verwaltung durch Maßnahmen aus dem Bündnis für Mobilität und Luftreinhaltung des Stuttgarter Gemeinderats. So wird die Stadt beispielsweise rund 2,5 Millionen Euro für die Realisierung der Expressbuslinie X1 aufbringen. Diese wird ab 15. Oktober 2018 als Schnellbuslinie im Fünf-Minuten-Takt Bad Cannstatt mit der Stuttgarter Innenstadt verbinden und damit den Stadtbahnverkehr auf dieser Strecke entlasten und eine Alternative zum Auto darstellen.

Außerdem fließen rund 250.000 Euro in den Bau einer Fahrradstation mit Fahrradparkhaus und Ladestation für E-Bikes im Bereich Paulinenbrücke in der Tübinger Straße. Für die Umsetzung des Beschlusses "Eine lebenswerte Stadt für alle!", der im Juli 2017 im Gemeinderat gefasst wurde, werden Mittel in Höhe 500.000 Euro jährlich dauerhaft bereitgestellt. Langfristiges Ziel ist es, die bestehende Fußgängerzone innerhalb des Cityrings auszuweiten und die dortigen oberirdischen öffentlichen Parkplätze zurückzubauen.

Zudem erhält die SSB einen Investitionszuschuss in Höhe von 72,5 Millionen Euro. Damit sollen unter anderem die Beschaffung von weiteren 20 Stadtbahnen, ein neuer Betriebshof und die Beschaffung neuer Zahnradbahnfahrzeuge finanziert werden. Beschlossen wurde auch, ab 2019 die Tarifzonenreform des VVS finanziell zu fördern. Für die Zusammenführung der Zonen 10 und 20, die Fahrten innerhalb von Stadt, aber auch Fahrten von Einpendlern nach Stuttgart hinein günstiger macht, zahlt die Stadt 2019 zunächst einen Betrag von 10,6 Millionen Euro. Dieser kann bis 2025 auf bis zu 18,9 Millionen Euro anstiegen.

Ist die Luft wirklich so schlecht in Stuttgart?

Durch die topografische Lage der Stadt gibt es relativ wenig Luftbewegung im Innenstadtbereich. Ohnehin gilt die ganze Region als windarm. Besonders in der kälteren Jahreszeit tritt deshalb häufig das Problem der sogenannten austauscharmen Wetterlagen auf: Die Luft kann nicht mehr zirkulieren und die Luftschadstoffe können nicht abtransportiert werden. Die Luftbelastung in Stuttgart bewegt sich - je nach Schadstoff - auf einem sehr unterschiedlichen Niveau. So werden etwa die Grenzwerte für Schwefeldioxid oder Kohlenmonoxid deutlich unterschritten. Bei diesen Luftschadstoffen sind die Belastungen unkritisch. Das Problem sind insbesondere die stärker verkehrsbedingten Schadstoffe Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid (NO2).

Am Neckartor wurde im Jahr 2017 an 41 Tagen der Grenzwert für Feinstaub von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Tagesmittel überschritten - laut EU-Recht erlaubt sind 35 Überschreitungstage. Bereits abgezogen der Beitrag Streusalz (4 Tage) und natürliche Quellen (0 Tage). Die Überschreitungen sind jedoch schon deutlich zurückgegangen: So lag die Zahl der Überschreitungstage 2016 bei 58, im Jahr 2005 bei 187. An den weiteren Messstellen im Stuttgarter Stadtgebiet werden die Feinstaub-Grenzwerte inzwischen eingehalten.

In Bezug auf die Stickstoffdioxid Belastung gab es an der Messstelle Neckartor 2017 drei Überschreitungsstunden, erlaubt sind laut EU-Recht 18 Stunden bei einem Stundengrenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Im Jahr 2016 wurden dort noch 35 Überschreitungsstunden gemessen. 

Im Gegensatz zum Feinstaub ist bei Stickstoffdioxid auch der Jahresmittelwert problematisch. Der Grenzwert liegt im Jahresmittel bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Am Neckartor lag das Jahresmittel 2017 bei 73, 2016 bei 82 Mikrogramm. Der Grenzwert im Jahresmittel beim Feinstaub beträgt ebenfalls 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Dieser wird inzwischen an allen Messstellen in Stuttgart eingehalten.

Abseits der stark befahrenen Straßen ist die Belastung durch Luftschadstoffe deutlich geringer. Es herrscht also bei weitem nicht in der gesamten Stadt "dicke Luft".

Was bedeutet die grüne Plakette am Auto?

Stuttgart ist seit dem 1. März 2008 Umweltzone. Das bedeutet, es dürfen inzwischen nur noch Kraftfahrzeuge der Schadstoffklasse 4 ins Stadtgebiet Stuttgart fahren. Diese besitzen eine grüne Umwelt-Plakette. Mit dieser Plakette dürfen alle Umweltzonen ohne Einschränkung befahren werden. Fahrzeuge, die der Schadstoffgruppe 1, 2 und 3 angehören (Fahrzeuge mit roter oder gelber Plakette), haben Fahrverbot in Stuttgart.