Was muss ich alles über Feinstaub & Co. wissen?

Seit wann gilt das Diesel-Verkehrsverbot in Stuttgart?

Im Gegensatz zum Feinstaub liegen die Werte bei Stickstoffdioxid noch erheblich über dem Grenzwert. Stickstoffdioxid wird hauptsächlich von Fahrzeugen im Straßenverkehr ausgestoßen. Deshalb hat das Land Baden-Württemberg zum 1. Januar 2019 ein Verkehrsverbot für alle Kraftfahrzeuge mit Dieselmotoren der Abgasnorm Euro 4 / IV und schlechter eingeführt. Das Verkehrsverbot gilt ganzjährig in der Umweltzone der Stadt Stuttgart und ist eine Maßnahme aus der 3. Fortschreibung des Luftreinhalteplans.

Ausnahmen vom Verkehrsverbot gibt es u.a. für bestimmte Lieferanten (Lebensmittel, Apotheken), Sozialdienste, Handwerker, medizinische Notfälle, Menschen mit Behinderung und Schichtdienstleistende. Für die Stuttgarterinnen und Stuttgarter gilt das Verkehrsverbot seit dem 1. April 2019.

Aktuell erarbeitet das Land Baden-Württemberg die 4. Fortschreibung des Luftreinhalteplans. Darin enthalten ist ein streckenbezogenes Verkehrsverbot für Dieselautos der Euronorm 5.

Informationen zum Diesel-Verkehrsverbot und zu den Ausnahmegenehmigungen gibt es hier:


Die Beantragung der Ausnahmegenehmigung ist über ein Online-Tool möglich: Unter der Adresse https://service.stuttgart.de/lhs-services/ag-diesel-verkehrsverbot/ können die Antragsteller ihre Daten und erforderlichen Dokumente von zuhause oder unterwegs aus hochladen. Darüber hinaus kann die Antragstellung auch persönlich in der Jägerstraße 14, 70174 Stuttgart, erfolgen. Fragen zur Antragstellung können schriftlich auf dem Postweg oder per E-Mail an verkehrsverbot@stuttgart.de gestellt werden. Telefonisch ist das Team unter 0711/216-32120 zu erreichen. Sprechzeiten sind montags bis freitags von 8.30 bis 13 Uhr sowie donnerstags zusätzlich von 14 bis 15.30 Uhr. Zudem informiert das Service-Center der Stadt Stuttgart von montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr unter der zentralen Behördennummer 115.

Hintergrund:

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat gegen mehrere Bundesländer Klage eingereicht. Die DUH will die Bundesländer damit verpflichten, ihre Luftreinhaltepläne zu ändern, dass der Grenzwert für Stickstoffdioxid eingehalten werden. Sie fordert daher ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. Neben Stuttgart sind u.a. auch die Städte Köln, Düsseldorf und Frankfurt betroffen.

Das Stuttgarter Verwaltungsgericht hat am 26. Juli 2017 der Klage der DUH stattgegeben. Die Landesregierung hat im Oktober 2017 Rechtsmittel (Sprungrevision) gegen den Spruch des Verwaltungsgerichts eingelegt. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Sprungrevision am 27. Februar 2018 zurückgewiesen. Das Gericht hält demnach Diesel-Fahrverbote in Städten - bei Wahrung der Verhältnismäßigkeit - für grundsätzlich zulässig.

Was bedeutet Feinstaubalarm?

Feinstaubalarm wird ausgelöst, sobald der Deutsche Wetterdienst (DWD) an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert. Meteorologen sprechen dabei von einer sogenannten austauscharmen Wetterlage: Warmluft in den höher liegenden Luftschichten verhindert das Aufsteigen der Luft vom Boden und damit den vertikalen Austausch. Gleichzeitig herrscht wenig oder kein Wind, so dass auch der Austausch in der horizontalen Richtung stark unterdrückt ist. Im Stadtkessel und in den Tälern wird dadurch die Verdünnung der belasteten Luft erschwert oder verhindert. Dadurch können Luftschadstoffe in Bodennähe nicht mehr abtransportiert werden. An diesen Tagen steigt die Konzentration von Feinstaub und Stickstoffdioxid in Stuttgart stark an. Es besteht die Gefahr von Überschreitungen der Grenzwerte.

Das Land Baden-Württemberg, das Regierungspräsidium und die Stadt Stuttgart appellieren deshalb an die Bevölkerung in Stuttgart und in der Metropolregion, bei Feinstaubalarm das Auto möglichst im Stadtgebiet Stuttgart nicht zu nutzen und auf den Betrieb von Komfort-Kaminen zu verzichten. Autofahrern wird empfohlen, auf den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad umzusteigen, zu Fuß zu gehen oder Fahrgemeinschaften zu bilden.

Wer die Möglichkeit hat, von zu Hause aus zu arbeiten oder von flexiblen Arbeitszeiten Gebrauch zu machen, sollte dies bei Feinstaubalarm in Absprache mit dem Arbeitgeber tun. Für Pendler, die vom Pkw auf das Schienennetz umsteigen, stehen im Gebiet des VVS auf 218 Park-and-Ride-Anlagen (P+R) über 17.000 Stellplätze zur Verfügung

Wie lange dauert der Feinstaubalarm an?

Der Feinstaubalarm kann mehrere Tage lang andauern, mindestens aber zwei aufeinanderfolgende Tage. Zur Aufhebung des Feinstaubalarms muss der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine nachhaltige und deutliche Verbesserung des Austauschvermögens vorhersagen, eine eintägige Unterbrechung der starken Einschränkung des Austauschvermögens reicht hierbei nicht aus.

Wie lauten die Kriterien für Feinstaubalarm?

Austauscharme Wetterlagen sind vor allem im Winter ein Problem, da in dieser Jahreszeit diese Wetterlagen häufiger auftreten und die Ansammlung von Schadstoffen in Bodennähe begünstigen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert das Austauschvermögen anhand folgender Kriterien:

1. Feinstaubkonzentration mehr als 30 Mikrogramm pro Kubikmeter am Neckartor und fehlender Regen
2. Fehlender Regen
3. Fehlender wirksamer Wind aus günstiger Richtung
4. Nächtliche Bodeninversion                
5. Flache Mischungsschicht tagsüber  
6. Geringe Windgeschwindigkeit        


Grundsätzlich hängt das Austauschvermögen von Anzahl und Kombination erfüllter Kriterien ab. Das Kriterium 1 (Feinstaubkonzentration > 30 µg/m³ und fehlender Regen) ist allerdings ein vorrangiges Erfüllungskriterium. Das heißt, die Erfüllung dieses Kriteriums reicht aus, um den Feinstaubalarm auszulösen.

Sollte das Kriterium 1 nicht erfüllt sein, müssen mindestens vier der anderen Kriterien vorliegen, damit das Austauschvermögen vom DWD als stark eingeschränkt eingestuft wird. Die Kriterien 2 (fehlender Regen) und 3 (fehlender wirksamer Wind aus günstiger Richtung) sowie mindestens eines der Kriterien 4 (nächtliche Bodeninversion) oder 5 (flache Mischungsschicht) müssen zwingend vorliegen. Das Kriterium 6 (geringe Windgeschwindigkeit) muss erfüllt werden, sollte nur eines der Kriterien 4 oder 5 vorliegen.

Warum darf ich keine Komfort-Kamine benutzen?

Das Land Baden-Württemberg hat im Januar 2017 eine Verordnung über Betriebsbeschränkungen für kleine Feuerungsanlagen (Luftqualitätsverordnung-Kleinfeuerungsanlagen) verabschiedet. Damit ist der Betrieb von sogenannten Komfort-Kaminen an Tagen mit Feinstaubalarm im Stadtgebiet Stuttgart verboten. Das Betriebsverbot ist am 24. Februar 2017 in Kraft getreten.

Komfort-Kamine sind Kamine oder Kaminöfen, die eher der Behaglichkeit als der Wärmeerzeugung dienen. Sie werden auch als Einzelraumfeuerungen bezeichnet, da sie nur einzelne Räume beheizen und oft nur als Zusatzheizung zu einer Gas- oder Ölheizung betrieben werden. Diese kleinen Holzfeuerungsanlagen haben häufig erhebliche Probleme mit Luftschadstoffen. Sie produzieren unzählige inhalierbare Staubteilchen - den Feinstaub. Grundsätzlich vom Feinstaubalarm ausgenommen sind Wohnungen, die ausschließlich mit solchen Feuerungen beheizt werden.

Ein erheblicher Teil der Feinstaub-Emissionen, die in Stuttgart gemessen werden, entstehen aus der Holzverbrennung. Laut einer Studie der LUBW macht das Heizen mit Komfort-Kaminen je nach Messstelle im Jahresmittel zwischen fünf und 32 Prozent der Feinstaub-Belastung aus.

Weitere Infos:

Wie funktioniert die Straßenreinigung am Neckartor?

Auch in der neuen Feinstaubalarm-Periode wird die "Straßenreinigung Feinstaub" fortgesetzt. Dies hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik am Dienstag, 8. Oktober, mit großer Mehrheit beschlossen. Die Fahrspuren und Gehwege rund um das Neckartor werden dann wieder von Sonntag bis Freitag zwischen 22 und 5 Uhr bis zum Ende der Feinstaubalarm-Periode intensiv gereinigt. Die Koordination der Straßenreinigung übernimmt erneut DEKRA.

Die Reinigung der Straßen und Gehwege soll dazu beitragen, die Feinstaub-Belastung an stark befahrenen Strecken zu senken. Durch die Reinigung sollen die Vorprodukte des Feinstaubs - z. B. Reifenpartikel, Bremspartikel, Streugut - beseitigt werden, sodass diese sich gar nicht erst zu Feinstaub entwickeln können.

Aufgrund der Erfahrungen aus der vorherigen Testphase wurde der Reinigungsvorgang in der Alarm-Periode 2018/2019 neu konfiguriert. Dadurch konnte die Reinigungsstrecke um insgesamt drei Kilometer erweitert werden. Es wurde zusätzlich ab dem Heinrich-Baumann-Steg ostwärts bis zur Villastraße vor dem Schwanenplatztunnel (je Fahrtrichtung dreispurig auf einer Länge von 500 Metern) gereinigt.

Die Firma DEKRA leitete die Testkoordination und organisierte die Messtechnik sowie die Analytik. Die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS), das Amt für Umweltschutz und die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) unterstützten bei der Durchführung des Projekts.

Untersuchungen nach den Straßenreinigungen in den vergangenen Feinstaubalarm-Perioden haben ergeben, dass es an der Messstation Am Neckartor einen Unterschied bei den Feinstaubwerten an Reinigungstagen und Nicht-Reinigungstagen gibt. Besonders die Betrachtung des groben Anteils von Feinstaub ergab Indizien für die Wirksamkeit der intensiven Straßenreinigung. Aufgrund der großen Bedeutung der meteorologischen Einflüsse lässt sich die Wirkung der Reinigung jedoch nicht genau quantifizieren.

Wie setzt sich die Schadstoff-Belastung an der Messstation Neckartor zusammen?

Die Feinstaub-Konzentration am Neckartor wird zu über 58 % durch den Straßenverkehr verursacht. Dieser Wert setzt sich aus dem Abgas-Immissionsanteil (7%) und den Immissionsanteilen durch Aufwirbelungen und Reifen-, Brems- und Straßenabrieb (45%) bzw. Sekundärimmissionen (6,2%) zusammen. Die Kleinen und Mittleren Feuerungsanlagen (z.B. Komfort-Kamine) haben einen Anteil von knapp 8%, Industrie, Offroad-Verkehr und sonstige technische Einrichtungen tragen mit 7% zur Belastung bei.

Die Belastung durch Stickstoffdioxid (NO2) wird am Neckartor zu 78% durch den Straßenverkehr verursacht. Die Kleinen und Mittleren Feuerungsanlagen haben insgesamt einen Anteil von 12%. Die Quellengruppen Industrie, Offroad-Verkehr und sonstige Technische Einrichtungen tragen mit 3% zur Belastung bei.

Kann es zu Grenzwert-Überschreitungen kommen, obwohl die Stadt keinen Feinstaubalarm ausgelöst hat?

Ja, das ist durchaus möglich. Die Wetterlage ist nur ein steuernder Faktor, wenn es um die Höhe der Feinstaub-Belastung geht. Zu Grenzwertüberschreitungen tragen neben den meteorologischen Einflüssen auch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen oder starke Emissionen durch Heizungsanlagen bei. Die Stadt löst den Feinstaubalarm auf Basis einer Witterungsprognose bzw. der Vorbelastung an der Messstelle "Am Neckartor" aus: Anhand von sechs Kriterien, die zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) erarbeitet wurden, wird das Austauschvermögen der Atmosphäre bewertet. Dieses Verfahren liefert keine absolute Vorhersage-Sicherheit, da die Feinstaub-Belastung nicht vorhergesagt werden kann. Dennoch kann mit sehr großer Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden, ob die Wetterlage zu erhöhten Feinstaub-Werte beiträgt oder nicht.

Wie viele Autos sind in Stuttgart täglich unterwegs?

Die Gemarkungsgrenze von Stuttgart wird innerhalb von 24 Stunden rund 912.000 Mal von ein- oder ausfahrenden Fahrzeugen überquert (letzte Zählung 2018). Unter der vereinfachten Annahme, dass jedes Auto nur einmal in jede Richtung fährt, sind das rund 455.000 Fahrzeuge.

Alle zwei Jahre führt die Stadt zudem die sogenannte Kesselrandzählung durch. Bei dieser Erhebung wird der Verkehr an 21 markanten Stellen am Innenstadtrand gezählt, unter anderem an der B14 Cannstatter Straße und an der B27 Obere Weinsteige. Bei der letzten Zählung im Jahr 2017 wurden am "Kesselrand" 427.157 Kraftfahrzeuge gezählt, die nach Stuttgart ein- und ausfahren. Die Zahl ist seit 2005 leicht rückläufig, obwohl die Einwohnerzahlen in Stuttgart kontinuierlich steigen.

Aktuell sind in Stuttgart 304.903 Pkw (Stand 30.09.2019) registriert.

Was verursacht Feinstaub?

Feinstäube (PM10) bestehen aus winzigen Partikeln, die nicht einmal ein Zehntel des Durchmessers eines Haares erreichen. PM steht für Particulate Matter und 10 für die größten Staubpartikeldurchmesser in Mikrometer - also ein Hunderttausendstel eines Meters -, die im Feinstaub vorkommt. Feinstaub wird vor allem durch menschliches Handeln erzeugt: Er entsteht unter anderem durch Emissionen aus Kraftfahrzeugen, bei der Strom- und Wärmeenergieerzeugung sowie aus Öfen und Heizungen in Wohnhäusern. Es gibt aber auch natürliche Quellen wie z.B. die Staubaufwirbelung von Böden oder Pollenflug.

In Großstädten ist der Straßenverkehr eine große Feinstaubquelle. Der Feinstaub aus dem Verkehr entsteht überwiegend durch Brems- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes von der Straßenoberfläche und nachrangig durch Abgase aus konventionell betriebenen Verbrennungsmotoren.

Die Wirkung dieser mikroskopisch feinen Teilchen ist groß: Über die Lunge dringen sie in den menschlichen Organismus ein und können neben Atemwegproblemen auch Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems verursachen. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass die allerfeinsten Staubpartikel sogar in die Blutzirkulation, das Herz, die Leber und andere Organe transportiert werden und sogar bis ins Gehirn vordringen können. Besonders für Kinder kann Feinstaub schwerwiegende Folgen haben.

Der Grenzwert für Feinstaub liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Dieser darf an 35 Tagen im Jahr überschritten werden. 2018 wurde der Grenzwert an der Messstelle Am Neckartor laut offiziellen Messungen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg nur noch an 20 Tagen überschritten. Damit wurden erstmals an allen Messstellen im Stuttgarter Stadtgebiet die Feinstaub-Grenzwerte eingehalten. 2017 wurde der Wert  noch an 41 Tagen überschritten ( die Beiträge von Streusalz und natürlichen Quellen schon abgezogen) . 2016 waren es 58, im Jahr 2005 noch 187 Überschreitungstage. Der Jahresmittelwert für Feinstaub wird schon seit 2011 an allen Stationen eingehalten. 

Was verursacht Stickstoffdioxid?

Stickstoffdioxid (NO2) entsteht wie Feinstaub bei Verbrennungsprozessen, allerdings nur bei hohen Verbrennungstemperaturen, durch Oxidation von Luftstickstoff. Hauptquellen sind konventionell betriebene Verbrennungsmotoren, insbesondere Dieselmotoren ohne wirksame Entstickungstechniken. Auch Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle stoßen Stickstoffdioxid aus. Aber in Ballungsgebieten wie Stuttgart ist der Straßenverkehr ein bedeutender NO2-Verursacher.

Stickstoffdioxid kann zu Entzündungsreaktionen in den Atemwegen führen und die Reizwirkung anderer Luftschadstoffe verstärken. Bei längerer Einwirkung können höhere Konzentrationen zu chronischer Bronchitis oder auch zu einer Erhöhung der Empfindlichkeit gegenüber Atemweginfektionen führen. Eine hohe NO2-Konzentration ist vor allem für Asthmatiker ein Problem, da sie zu einer Bronchienverengung führen kann. Alle Stickstoffoxide haben auch eine toxische Wirkung auf Pflanzen, da sie beispielsweise bei Bäumen die Oberschicht von Blättern und Nadeln schädigen. Sie spielen auch bei der Bildung von sogenanntem Sommersmog eine entscheidende Rolle. Sie reagieren bei entsprechender Wärme und Sonnenstrahlung zu Ozon, einem Reizgas wie NO2 selbst auch.

Europaweit wurden auch für Stickstoffdioxid Grenzwerte festgelegt. Erlaubt sind 18 Überschreitungsstunden bei einem Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Der Grenzwert wurde 2018 an 11 Stunden überschritten. 2017 waren es drei Überschreitungsstunden, 2016 waren es noch 35. An allen weiteren Messstellen wird dieser Grenzwert inzwischen eingehalten.

Im Gegensatz zum Feinstaub ist bei Stickstoffdioxid jedoch der Jahresmittelwert problematisch. Der Grenzwert liegt im Jahresmittel bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. An der Messstelle "Am Neckartor" lag das Jahresmittel 2018 bei 71 Mikrogramm, 2017 bei 73 und im Jahr 2016 noch bei 82. Auch an den Messstellen "Hohenheimer Straße" (65 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft in 2018) und "Arnulf-Klett-Platz" (46 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft in 2018) wird der zulässige NO2-Jahresmittelwert überschritten.

Dennoch haben sich Verbesserungen auch hier ergeben. Die von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg veröffentlichten Halbjahreswerte für die drei Messstationen in Stuttgart stellen sich wie folgt dar: Arnulf-Klett-Platz 45 Mikrogramm/Kubikmeter Luft, Hohenheimer Straße 55 Mikrogramm/Kubikmeter Luft und Am Neckartor 56 Mikrogramm/Kubikmeter Luft.

Was tut die Stadt Stuttgart bereits jetzt gegen die Luftschadstoffe?

Die Themen Mobilität und Luftreinhaltung sind zentrale und wichtige Aufgaben für die Landeshauptstadt Stuttgart. Ziel ist es, mit vielfältigen Aktivitäten die Lebensqualität in der Stadt weiter zu verbessern und Luftschadstoffe, Staus, Lärm und Stress zu reduzieren. Ein Schwerpunkt ist dabei der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Grundlage bildet der vom Oberbürgermeister vorgelegte und vom Gemeinderat beschlossene Aktionsplan "Nachhaltig mobil in Stuttgart" in seiner Fassung vom 18. Juli 2017. Der Aktionsplan beschreibt in neun Handlungsfeldern mehr als 100 Einzelmaßnahmen: darunter ÖPNV, motorisierter Individualverkehr, Fuß- und Radverkehr, Wirtschaftsverkehr, Berufsverkehr, stadteigene Mobilität, Mobilität in der Region, Öffentlichkeitsarbeit sowie Intermodalität und Vernetzung. Im aktuellen Doppelhaushalt 2018/2019 stehen hierfür 25,6 Millionen Euro bereit.
 
Ergänzt wird das Mobilitätspaket durch weitere Maßnahmen aus dem "Bündnis für Mobilität und Luftreinhaltung" des Gemeinderats in Höhe von 27,7 Millionen Euro.


Eine Liste an Maßnahmen zur Luftreinhaltung gibt es unter www.stuttgart.de/luftreinhaltung

Ist die Luft wirklich so schlecht in Stuttgart?

Durch die topografische Lage der Stadt gibt es relativ wenig Luftbewegung im Innenstadtbereich. Ohnehin gilt die ganze Region als windarm. Besonders in der kälteren Jahreszeit tritt deshalb häufig das Problem der sogenannten austauscharmen Wetterlagen auf: Die Luft kann nicht mehr zirkulieren und die Luftschadstoffe können nicht abtransportiert werden. Die Luftbelastung in Stuttgart bewegt sich - je nach Schadstoff - auf einem sehr unterschiedlichen Niveau. So werden etwa die Grenzwerte für Schwefeldioxid oder Kohlenmonoxid deutlich unterschritten. Bei diesen Luftschadstoffen sind die Belastungen unkritisch. Das Problem sind insbesondere die stärker verkehrsbedingten Schadstoffe Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid (NO2).

Abseits der stark befahrenen Straßen ist die Belastung durch Luftschadstoffe deutlich geringer. Es herrscht also bei weitem nicht in der gesamten Stadt "dicke Luft".

Was bedeutet die grüne Plakette am Auto?

Stuttgart ist seit dem 1. März 2008 Umweltzone. Das bedeutet, es dürfen inzwischen nur noch Kraftfahrzeuge der Schadstoffklasse 4 ins Stadtgebiet Stuttgart fahren. Diese besitzen eine grüne Umwelt-Plakette. Mit dieser Plakette dürfen alle Umweltzonen ohne Einschränkung befahren werden. Fahrzeuge, die der Schadstoffgruppe 1, 2 und 3 angehören (Fahrzeuge mit roter oder gelber Plakette), haben Fahrverbot in Stuttgart.