Als Stadt nachhaltig, solidarisch und fair handeln

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat am 25. September 2015 die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Ihr Ziel: die Trans­for­ma­ti­on hin zu ei­ner Welt, in der je­der öko­lo­gisch ver­träg­lich, so­zi­al ge­recht und wirt­schaft­lich leis­tungs­fä­hig han­delt. Konkret sind darin unter dem Namen Globale Nachhaltigkeitsziele (engl. Sustainable Development Goals - SDGs) 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zusammengefasst.

Globale Entwicklungsziele2015 hat die Weltgemeinschaft die Agenda 2030 mit 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Foto: United Nations

Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten

Die Zie­le der Agen­da 2030 kön­nen nur durch ei­ne in­ten­si­ve Zu­sam­men­ar­beit im Rah­men ei­ner glo­ba­len Part­ner­schaft er­reicht wer­den. Den Kommunen als Träger von Innovation und Kompetenz und mit ihrer Bürgernähe kommt bei der Umsetzung der SDGs eine besondere Rolle zu. Der Stuttgarter Gemeinderat hat seine Bereitschaft erklärt, sich für die Ziele der Agenda 2030 (Sustainable Development Goals) auf lokaler Ebene zu engagieren, und die entsprechende Mustererklärung des Deutschen Städtetags  unterzeichnet. 

Kommunen können, wie es der Deutsche Städtetag formuliert, mit ihren Bürgerinnen und Bürgern beispielsweise in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit vor Ort aktiv sein oder kommunale Strategien für ein Nachhaltigkeitsmanagement verfolgen, ihr Partnerschaftsnetz vertiefen, ihre Partnerstädte auf anderen Kontinenten durch kommunalen Erfahrungsaustausch unterstützen, beim Aufbau selbstverwalteter Strukturen beraten und dabei von innovativen Ansätzen und neuen Methoden ihrer Partner profitieren.

Die städtischen Themenfelder der Kommunalen Entwicklungspolitik, ergänzt durch kommunale Nachhaltigkeitsaspekte, betreffen verschiedene Ämter und Referate sowie vor allem zivilgesellschaftliche Einrichtungen. Der Abteilung Außenbeziehungen kommt hier eine vernetzende, beratende, koordinierende und impulsgebende Aufgabe zu.


Bundesweit erste SDG-Bestandsaufnahme


SDG BestandsaufnahmeIm November 2019 legte Stuttgart die bundesweit erste Bestandsaufnahme einer Großstadt zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen vor.
Die Landeshauptstadt hat sich auf den Weg gemacht, die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu erreichen. Wie weit sie gekommen ist, zeigt jetzt eine Bestandsaufnahme, die die Verwaltung dem Gemeinderat am Mittwoch, 6. November, präsentiert hat. 'Lebenswertes Stuttgart - die globale Agenda 2030 auf lokaler Ebene' ist eine deutschlandweit einmalige Untersuchung, die systematisch zentrale Bereiche nachhaltiger Stadtentwicklung unter die Lupe nimmt.  Die Verwaltung hat die soziale, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung seit 2007 untersucht. Die Spannweite der 77 Indikatoren reicht von Ärzteversorgung über die Einkommensverteilung, die Luft- oder die Fließwasserqualität, dem Anteil erneuerbarer Energien bis hin zu den Naherholungsflächen. Die Indikatoren basieren auf einem bundesweiten Projekt des Deutschen Städtetags sowie weiterer Träger. Die Studie wurde zusammen mit dem Deutschen Institut für Urbanistik und der Bertelsmann Stiftung erstellt. Mit Zeitreihenanalysen stellt der Bericht die Entwicklungen dar. Neben Zahlen und Fakten finden sich auch Beispiele ausgewählter Programme und Maßnahmen der Landeshauptstadt Stuttgart. Diese Beschreibungen geben einen Eindruck von dem breiten Spektrum am nachhaltigen Engagement der Stadt. Diese Bestandsaufnahme ist für die Landeshauptstadt eine Voraussetzung, Entwicklungen zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen regelmäßig zu erfassen. Damit Politik und Verwaltung die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Maßnahmen zielgerichtet weiterentwickeln.

Der Gemeinderat hat bereits 2017 mit der Einrichtung einer Projektstelle "Koordination kommunaler Entwicklungspolitik" die Voraussetzungen dafür geschaffen, einen strategischen Handlungsrahmen zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen in der Landeshauptstadt zu verankern. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist die nun vorgelegte Bestandsaufnahme.

Gemeinschaftsprojekt ENGAGEMENT KOMMUNAL. VERANTWORTUNG GLOBAL

Gemeinschaftsprojekt ENGAGEMENT KOMMUNAL. VERANTWORTUNG GLOBALKommunen sollen für lokale Entwicklungshilfemaßnahmen gewonnen werden. Rechte: Städtetag Baden-Württemberg
Lokale Maßnahmen für globale Entwicklungszusammenarbeit sind notwendig. Kommunen für die kommunale Entwicklungspolitik zu sensibilisieren, war Ziel des Gemeinschaftsprojekts ENGAGEMENT KOMMUNAL. VERANTWORTUNG GLOBAL., das im Auftrag des Städtetages Baden-Württemberg mit finanzieller Unterstützung des Landes sowie Engagement Global (EG) vom März 2014 bis Februar 2015 durchgeführt wurde (GRDrs 1389/2014). Inhaltlich war die Landeshauptstadt mit Beiträgen zur aktiven Rolle der Migrantenvereine in der Stadtgesellschaft, dem Welcome Center sowie dem Fairen Handel vertreten.


Fairtrade-Stadt Stuttgart

Fairtrade-Logo Stadt Stuttgart. Rechte: Stadt StuttgartSeit Herbst 2013 zählt auch die Landeshauptstadt zum Kreis der Fairtrade-Städte. Bild-Rechte: Stadt StuttgartFairtrade-Kommunen gibt es in 24 Ländern auf allen fünf Kontinenten. Der Gemeinderat hat bereits im Sommer 2011 beschlossen, dass Stuttgart "Fairtrade-Stadt" werden soll. Die erstmalige Auszeichnung von 2013 wurde 2015 für weitere vier Jahre bestätigt. Ergänzt wurde dieser wichtige Schritt für eine nachhaltige Stadtpolitik z. B. durch die städtische Unterstützung bei der Einrichtung des Welthauses, einem von engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus Eine-Welt Gruppen und Migranten-Organisationen initiierten Zentrums für interkulturellen Austausch, globales Lernen und ein soldarisches Miteinander. Stuttgart war die 200. Stadt in Deutschland, die als Fairtrade-Kommune anerkannt wurde. Der Stuttgarter Stadtteil Degerloch war im März 2011 - zusammen mit dem Berliner Stadtteil Charlottenburg - der erste Fairtrade-Stadtbezirk.


UNICEF- Kinderstadt Stuttgart

UNICEF Kinderstadt StuttgartEin Jahr lang war die Landeshauptstadt UNICEF-Kinderstadt. © UNICEF
Stuttgart war ab November 2015 ein Jahr lang UNICEF-Kinderstadt. Dabei wurden Krisenregionen durch UNICEF-Projekte in den Fokus gerückt und durch Spenden unterstützt. Bürgerinnen und Bürger sowie Kinder und Jugendliche wurden in diesem Jahr für globale Solidarität und entwicklungspolitische Zusammenhänge sensibilisiert. Im Mittelpunkt stand der Einsatz für die Rechte von Kindern in Krisenregionen. Mit dem Städtepartnerschaftsjahr wurden konkrete Projekte von UNICEF unterstützt, die auch in einem Bezug zu Stuttgart standen, z. B. in der Partnerstadt Kairo (Gesundheitsversorgung in Slums und illegalen Siedlungen), dem baden-württembergischen Partnerland Burundi (Innovationsprojekte in Bildung und Mobilität) sowie in der Region rund um die Stadt Mardin in der Türkei (Bildung für syrische Flüchtlinge).


XI. Stuttgarter Städtepartnerschaftstreffen 2014

Anlässlich des Europäischen Jahres der Entwicklung 2015 fand das XI. Stuttgarter Städtepartnerschaftstreffen 2014 statt. Ein lokales praktisches Thema (Eröffnung des Welcome Centers) wurde fachlich mit EU- und UN-Initiativen verbunden (dem Europäischen Jahr der Entwicklung 2015 sowie der Weiterentwicklung der Millenium-Entwicklungsziele der UN), um gemeinsam mit Vertretern aus den Partnerstädten Fragen nachhaltiger Stadtentwicklung zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungsansätzen zu suchen.