2018 - Dr. Michael Volkmann

Die Landeshauptstadt Stuttgart, der Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Stuttgart und der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs haben am 19. Februar 2018 die Otto-Hirsch-Auszeichnung 2018 an den Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Dr. Michael Volkmann verleihen.

Dr. Michael Volkmann ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Doktor der Sozialwissenschaften. Seit 2003 ist er landeskirchlicher Beauftragter für das Gespräch zwischen Christen und Juden sowie Geschäftsführer der Arbeitsgruppe "Wege zum Verständnis des Judentums".

Von 2006 bis 2015 war Volkmann Vorsitzender der "Konferenz landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden" (KLAK), Trägerin der Buber-Rosenzweig-Medaille 2017.

Von 2006 bis 2012 war er Mitglied im Gemeinsamen Ausschuss »Kirche und Judentum« der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Vereinigten Evangelisch-lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) und der Union Evangelischer Kirchen (UEK). Seit 2001 ist er Ehrenmitglied der Jüdischen Gemeinde in Tübingens Partnerstadt Petrosawodsk/ Russland.

Er ist verheiratet mit Angelika Volkmann, Pfarrerin in Tübingen. Mit ihr teilte er von 1992 bis 2003 die Pfarrstelle der Tübinger Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde. Sie haben einen Sohn, Leo (26), und eine Tochter, Marie (24).

Volkmann wurde 1954 in Stuttgart geboren. Schon als Kind erfuhr er im Elternhaus vom Zusammenhang zwischen dem Volk Israel aus den biblischen Geschichten, dem von den Nazis verfolgten jüdischen Volk und dem neuen Staat Israel.

Seit dem Sechstagekrieg 1967 interessiert ihn das Geschehen im Nahen Osten. Seine erste Israelreise fiel zusammen mit dem Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft in München.

1975 bis 1976 arbeitete er als Freiwilliger der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Israel. Seitdem reist er regelmäßig ins Land, häufig in Gruppen. Im Theologiestudium in Tübingen und Berlin legte er den Schwerpunkt auf die Theologie der christlich- jüdischen Beziehungen. Im Pädagogikstudium entdeckte er die jüdische Erwachsenenbildung im 20. Jahrhundert als Forschungsgebiet, verknüpft mit den Namen Franz Rosenzweig, Martin Buber und Ernst Simon.

Er promovierte ber Prof. Dr. Martha Friedenthal-Haase in Tübingen mit der Arbeit "Neuorientierung in Palästina. Erwachsenenbildung deutschsprachiger jüdischer Einwanderer 1933-1948". Wiederholt hatte er Lehraufträge für jüdische Erwachsenenbildung an den Universitäten Tübingen und Jena inne.

!996 ermöglichte er als Pfarrer der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Tübingen mit Pfarrer i.R. Dankwart Paul Zeller (gestorben 2010) durch die Aktion "Eine Torarolle für die Juden in Petrosawodsk" die Gründung einer Synagogengemeinde in der russischen Partnerstadt. Seitdem besteht eine christlich-jüdische Partnerschaft zwischen beiden Gemeinden mit jährlichen Kontakten.

2001 ernannten die jüdischen Freunde Zeller und Volkmann zu Ehrenmitgliedern ihrer Gemeinde. Aus der Partnerschaft resultierte Volkmanns Engagement für das Tübinger Denkmal Synagogenplatz, für einen kirchlichen Gedenktag zur "Erinnerung und Umkehr" am 09.November, für Toralernwochen mit Lehrern aus Israel für die Juden in Petrosawodsk und für das Jahre lange Gastrecht für den jüdischen Verein Bustan Shalom e.V. in den Räumen der Bonhoeffergemeinde.

Als Pfarrer für Gespräch zwischen Christen und Juden, bis 2009 im Kloster Denkendorf, seit 2010 in Bad Boll und mit Susanne Heinzmann in Sekretariat, führt Michael Volkmann die von Dr. Hartmut Metzger begründete und nach diesem von Dr. Ernst-Michael Dörrfuß und Dr. Joachim Hahn geleitete Arbeit fort. Er veranstaltet in enger Zusammenarbeit mit einem großen Kreis von jüdischen Lehrern Toralernwochen, Fortbildungskurse und Studienreisen. Außerdem vermittelt er in zahlreichen Gemeindevorträgen Wissen über das Verhältnis von Christen und Juden, wirbt um Sensibilität und spricht auch kritische Themen an.

Im Februar 2010 beteiligte sich Volkmann an der Gründung des Stuttgarter Lehrhauses, einer Stiftung für den interreligiösen Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen. Dieser neue Arbeitsschwerpunkt in Stuttgart ist mit dem wöchentlichen Toralernkreis in Kooperation mit dem "forum jüdischer bildung und kultur e.V.", mit Studiennachmittagen, Toralernwochen, Symposien und Lehrhausfesten ein spannendes interreligiöses Praxisfeld, zu dem auch "Haus Abraham e.V." und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Stuttgart e.V. beitragen. Im neu eröffneten Hospitalhof hielt Volkmann Vorträge und Seminare zu Martin Bubers 50. Todestag und über die Reformation und die Juden. Er begleitet die Aktivitäten der IRGW seit vielen Jahren und greift Themen, die auch die IRGW bewegen, in seinem E-Mail-Newsletter "Ölbaum online" auf. Die mehr als 110 Ausgaben seit 2005 ergeben zusammeneine Chronik des christlich-jüdischen Dialogs in den vergangenen dreizehn Jahren.

Dr. Michael Volkmann, Träger der Otto-Hirsch-Medaille 2018Vergrößern
Dr. Michael Volkmann. Foto: privat