Hegel-Preis 2018 - Prof. Michael Stolleis

Die Landeshauptstadt Stuttgart hat den 17. Hegel-Preis der Landeshauptstadt Stuttgart am 11. Juni 2018 an Prof. Dr. Michael Stolleis verliehen. Sie würdigt damit einen der fruchtbarsten und scharfsinnigsten Rechtsdenker der Gegenwart, der in seinen zahlreichen Arbeiten zur Rechtsgeschichte, zum Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie zum Staatskirchenrecht ein Höchstmaß an Tiefenschärfe mit einem souveränen Überblick über die ideengeschichtliche, politische und gesellschaftliche Verwobenheit der Rechtsnormen und Rechtstexte verbindet. Der Hegel-Preis ist mit 12.000 Euro dotiert.

Hegel-Preisträger 2018: Prof. Michael StolleisVergrößernProf. Michael Stolleis. Foto: Christiane BirrProf. Michael Stolleis. Foto: Christiane Birr

Begründung der Jury

Die Jury hat ihre Entscheidung am 29. November 2017 mit der folgenden Begründung getroffen:

"Herr Prof. Dr. Michael Stolleis, von 1974 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2006 Professor für Öffentliches Recht und Neuere Rechtsgeschichte an der Johann Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie von 1992 bis 2009 Direktor am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, ist einer der fruchtbarsten und scharfsinnigsten Rechtsdenker der Gegenwart. In seinen zahlreichen Arbeiten zur Rechtsgeschichte, zum Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie zum Staatskirchenrecht verbindet sich ein Höchstmaß an Tiefenschärfe mit einem souveränen Überblick über die ideengeschichtliche, politische und gesellschaftliche Verwobenheit der Rechtsnormen und Rechtstexte. Sein vierbändiges opus magnum 'Geschichte des öffentliches Rechts in Deutschland', das einen Zeitraum von vier Jahrhunderten umfasst, setzt mit der detailgenauen Verschränkung von Wissenschaftsgeschichte, Geistesgeschichte, Rechtsgeschichte und politischer Geschichte Maßstäbe und eröffnet damit zugleich neue Horizonte zu einem tieferen Verständnis auch der Rechtskultur der Gegenwart. In dieser wie in anderen Arbeiten offenbart sich eine bewundernswerte Fähigkeit, differenzierte historische und systematische Zusammenhänge auf höchstem wissenschaftlichen Niveau in einer Weise darzustellen, die die Lektüre zu einem fesselnden Erlebnis macht. In diesem integrativen, den Geist der Epochen in mehreren Dimensionen spiegelnden Werk, das sich ebenso durch große gedankliche Kraft wie durch selbstlose Hingabe an ein schier überwältigendes Tatsachenmaterial auszeichnet, erblickt die Jury eine Leistung, die es aufgrund ihrer beeindruckenden Originalität in besonderem Maße verdient, mit dem Hegel-Preis der Stadt Stuttgart ausgezeichnet zu werden."

Biografie

Michael Stolleis wurde am 20. Juli 1941 in Ludwigshafen am Rhein geboren. Er absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte in Heidelberg und Würzburg, woraufhin er 1965 das erste und 1969 das zweite Staatsexamen ablegte. 1967 promovierte er in München bei Sten Gagnér.

1973 habilitierte Stolleis sich in München für die Fächer Staats- und Verwaltungsrecht, Neuere Rechtsgeschichte und Kirchenrecht. Daraufhin wurde er ein Jahr später zur Professur für Öffentliches Recht und Rechtsgeschichte an der Johann Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main berufen, welche er bis zu seiner Emeritierung 2006 ausübte.

Ab 1991 war Stolleis Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte; nach seiner Emeritierung im Jahr 2006 übernahm er aber die kommissarische Leitung bis Ende 2009.

Hauptbereiche seiner Arbeiten sind das Öffentliche Recht (vor allem Sozialrecht), Juristische Zeitgeschichte und Neuere Rechtsgeschichte (vor allem Wissenschaftsgeschichte des öffentlichen Rechts).

Des Weiteren ist Stolleis Mitglied in verschiedenen Akademien der Wissenschaft in Deutschland sowie im Ausland und Mitherausgeber diverser Schriftreihen und Zeitschriften.

Preise und Auszeichnungen

  • 1991 Leibniz-Preis der DFG
  • 2000 Balzan-Preis
  • Ehrendoktorale Lund, Toulouse, Padua, Helsinki
  • Mitglied der Akademien in Mainz, Berlin, Göttingen, Darmstadt, Halle, Kopenhagen, Helsinki
  • 2014 Pour le Mérite

Wichtigste Werke

  • Geschichte des öffentlichen Rechts, 4 Bde. München 1988, 1992, 1999, 2012, mit englischer, französischer, italienischer und chinesischer Übersetzung
  • Geschichte des Sozialrechts in Deutschland. Stuttgart 2003 (englisch 2013)
  • Das Auge des Gesetzes, 2 Auflagen. München 2004 (vielfach übersetzt)
  • Rechtsgeschichte schreiben. Rekonstruktion, Erzählung, Fiktion?. Basel 2008
  • Ausgewählte Aufsätze und Beiträge, hrsg. Von Stefan Ruppert und Milos Vec, 2 Teilbände. Frankfurt (Klostermann) 2011
  • Öffentliches Recht in Deutschland. München 2014
  • Nahes Unrecht, fernes Recht. Göttingen 2014
  • Margarethe und der Mönch. Rechtsgeschichte in Geschichten. München 2015
  • Verfassungs(ge)schichten. Tübingen 2017
  • Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte. Materialien, Methodik, Fragestellungen. Berlin 2017

Jury

Der Jury gehören vier Fachjurorinnen und Fachjuroren an. Dies sind derzeit: Herr Martin Bauer, Hamburger Institut für Sozialforschung, Frau Prof. Dr. Dina Emundts, Präsidentin der Internationalen Hegel-Vereinigung, Herr Prof. Dr. Dres.h.c. Ulfrid Neumann, Goethe-Universität Frankfurt am Main und Herr Prof. Dr. Reinhard Steiner, Institut für Kunstgeschichte Stuttgart. Außerdem Vertreterinnen und Vertreter des Stuttgarter Gemeinderates, zurzeit Frau Rühle, Bündnis 90/DIE GRÜNEN-Gemeinderatsfraktion, Herr Ehrlich, SPD-Gemeinderatsfraktion, Herr Sauer, CDU-Gemeinderatsfraktion, Frau Müller-Enßlin, SÖS - LINKE - PluS und die Leiterin des Kulturamtes, Frau Dr. Schneider-Bönninger.