Einweihung des Karl Heinrich Ulrichs Platzes

Am 14. Juli 2015, dem 120. Todestag Ulrichs, wurde in Stuttgart der Karl Heinrich Ulrichs Platz eingeweiht, auf Vorschlag der Gemeinderatsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN als eine Initiative des AK LSBTTIQ.

Der Dreiecksplatz an der Kreuzung von Lehen- und Filderstraße im Stuttgarter Süden soll durch die Namensgebung an den ersten bekannten Vorkämpfer für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen erinnern.

Diese Ehrung soll stellvertretend ein Zeichen der Rehabilitierung von LSBTTIQ-Menschen (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuell, Transgender, Intersexuell, Queer) darstellen, die nach § 175 bestraft wurden. Bisher gab es in Stuttgart keinen Ort, an dem Menschen öffentlich und sichtbar gewürdigt werden, die sich für die Rechte von LSBTTIQ-Menschen eingesetzt haben.

Karl Heinrich Ulrichs lebte in Stuttgart

Karl-Heinrich Ulrichs war ein Vorkämpfer der homosexuellen Emanzipation. Der am 28. August 1825 auf Gut Westerfeld bei Aurich (Ostfriesland) geborene Ulrichs studierte Jura an den Universitäten Göttingen und Berlin. Er trat in den Staatsdienst ein und war u.a. Amtsauditor (Referendar) in Achim bei Bremen, Amtsassessor in Syke und Bremervörde sowie Hilfsrichter beim Obergericht Hildesheim. Wegen seiner Homosexualität wurde er denunziert und erhielt 1858 ein Berufsverbot. Anschließend schlug er sich als Journalist, Privatsekretär und Fremdsprachenlehrer durch. 1864 veröffentlichte er die erste von insgesamt zwölf Schriften unter dem Titel "Forschungen über das Rätsel der mannmännlichen Liebe", die in einigen deutschen Staaten verboten wurden. Am 14. Juli 1895 starb Ulrichs in Aquila in den Abruzzen, wo sich auch sein Grab befindet.

Von 1870 bis 1880 lebte Ulrichs in Stuttgart, zuerst in der Lindenstraße 10 (heute Kienestraße), dann seit 1872 in der Silberburgstraße 102. In seinen in Stuttgart verfassten Schriften nannte er die gleichgeschlechtliche Liebe "Uranismus". Er ging von einer natürlich, nicht krankhaften Veranlagung aus und forderte die Straflosigkeit homosexueller Handlungen. Im Jahr 1867 trug er diese Forderung erstmals auf dem deutschen Juristentag in München vor und erntete dafür Tumulte und Empörung.



 
 

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