"Partnerschaften bringen zusammen": Interview mit Nadia vom Scheidt, Abteilung Außenbeziehungen

St. Helens, Mumbai und Lodz - mit ihnen feiert Stuttgart in diesem Jahr runde Geburtstage. Das macht 2018 zum Jahr der Partnerstädte. Drei Fragen zu den langjährigen Freundschaften und zum Aktionstag am 30. Juni an Nadia vom Scheidt, Leiterin der Abteilung Außenbeziehungen.

Frau vom Scheidt, wie entsteht so eine Städtepartnerschaft?
Nadia vom Scheidt: Beim Abschluss der ersten Stuttgarter Städtepartnerschaften nach dem Zweiten Weltkrieg standen vor allem der Versöhnungsgedanke und die Integration Deutschlands in die neue europäische Wertegemeinschaft im Mittelpunkt. Nach einer Phase der Fokussierung auf Nord-Süd-Partnerschaften bestimmte dann ab dem Ende der 80er-Jahre die Aufnahme des Dialogs mit Mittel- und Osteuropa den Abschluss neuer Städtepartnerschaften.

Nadia vom Scheidt mit Abteilung AußenbeziehungenVergrößernNadia vom Scheidt (Vierte von rechts) mit ihrem Team von der Abteilung Außenbeziehungen. Foto: Stadt StuttgartNadia vom Scheidt (Vierte von rechts) mit ihrem Team von der Abteilung Außenbeziehungen. Foto: Stadt Stuttgart
Wenn man unsere diesjährigen Jubiläumsstädte betrachtet: 1948 hat sich der damalige Oberbürgermeister Arnulf Klett persönlich sehr stark für die Verbindung mit einer englischen Stadt eingesetzt, so kam sein Kollege aus St. Helens zu Besuch und schenkte dem kriegszerstörten Stuttgart Fensterglas. 1968 mit Mumbai war es eine sehr politische ­Entscheidung, in die auch das deutsche Auswärtige Amt stark einbezogen war. Die Partnerschaft 1988 mit Lodz dagegen baute auf zivilgesellschaftlichen Aktivitäten und Austauschbegegnungen auf.

Warum sind Partnerstädte ­heute überhaupt wichtig?
Nadia vom Scheidt: Städtepartnerschaften bringen Menschen zusammen: Sie engagieren sich in Vereinen, Schulen, Organisationen oder als Einzelpersonen und treffen Gleichgesinnte in den Partnerstädten. Damit setzen sie sich für eine internationale Verständigung ein, schaffen Austausch und lernen so Neues über andere Kulturen und Perspektiven. Das sind oft sehr bewegende Geschichten von jungen Menschen, wenn sie beispielsweise zum ersten Mal in ihrem Leben im Ausland waren und erfahren, dass Fremdsprachen ganz neue Welten erschließen und neue Freundschaften entstehen. Städtepartnerschaften sind oft über Jahre gewachsen, und das ermöglicht nachhaltige Projekte und eine vertrauensvolle Kommunikation über Grenzen hinweg.

Am 30. Juni feiert Stuttgart mit seinen Partnerstädten im Treffpunkt Rotebühlplatz. Was erwartet Besucherinnen und Besucher beim Aktionstag?
Nadia vom Scheidt: Die Besucher können die kulturelle Vielfalt und thematische Bandbreite der Partnerschaften und Projekte erleben. Sie können an Hip-Hop- und Kunst-Workshops teilnehmen, Foto-Impressionen aus Lodz und St. Helens bewundern oder faire Mode und nachhaltig produzierende Labels auf der Future Fashion Show kennenlernen. Musik aller Richtungen und Stile erklingt und schafft neue Werke. Bei verschiedenen Gewinnspielen können sie unter anderem eine Reise nach Lodz gewinnen. Gäste aus allen Partnerstädten präsentieren ihre Heimatstadt, auch kulinarisch wird vieles geboten: Besucher können tunesische Süßigkeiten, indische Snacks oder Eissorten zu den Jubiläumsstädten probieren.