"Was gut für die Wirtschaft ist, ist gut für Stuttgart"

Stuttgart ist nach Ansicht des Oberbürgermeisters eine "starke Wirtschaftsmetropole und ein Hot Spot der Innovation". Das sagte der OB bei der vierten und letzten Generaldebatte im Gemeinderat am Donnerstag, 7. Februar.

Kuhn wörtlich: "Unsere Stellung ist herausragend: In Deutschland, Europa und auch weltweit. Ich sage daher klar: Was gut für die Wirtschaft ist, ist auch gut für die Stadt". Stuttgart sei eine Industriestadt mit hervorragenden Großbetrieben im Automobilcluster, bei der Elektronik- und Informationstechnologie und beim Maschinenbau. Die Stuttgarter Wirtschaft bezöge ihre Stärke aus dem Mittelstand und den Kleinbetrieben, die laut Kuhn "die Treiber der Innovation sind. Darauf sind wir genauso stolz wie die Leistungen der Forschungsinstitute an den Universitäten und Unternehmen. Fast die Hälfte aller Forschungsinvestitionen in Baden-Württemberg wird hier getätigt, das zeigt sich auch in der hohen Zahl der Patente".

Neben einem starken Finanzsektor - auf Platz zwei nach Frankfurt - sei Stuttgart auch Verwaltungszentrum. So arbeiten 50.000 Menschen für das Land Baden-Württemberg bzw. die Landeshauptstadt. Stuttgart sei beispielhaft für eine gelebte soziale Marktwirtschaft, wie die zahlreichen Gewerkschaften oder auch gerade Bosch verdeutlichten.

Vielfalt und Reichtum

Dem wirtschaftlichen Erfolg verdanke Stuttgart seine Vielfalt und seinen Reichtum. Die Gewerbesteuer betrug in den vergangenen beiden Jahren rund 700 Millionen Euro, rechnete Kuhn vor. Das erlaube Freiräume für eine gute Stadtentwicklung und die Pflege der weichen Standortfaktoren. Kuhn wörtlich: "Wir haben eine grüne Stadt mit Wäldern, Landwirtschaft und Weinbau. Also einer hohen Freizeitqualität. Wir sind die Kulturmetropole in Deutschland. Wir sind eine weltoffene Stadt der Integration. Bei uns leben Menschen aus 172 Nationen und in fast alle dieser Nationen wollen wir in Stuttgart produzierte Güter und auch Dienstleistungen exportieren."

Schwachpunkte sieht Kuhn in fehlendem Wohnraum, beim Facharbeitermangel und beim Stau. Er unterstrich: "Wir müssen raus aus dem Stau. Es kann nicht sein, dass Fahrzeuge zu Stauzeugen werden." Die Mobilitätsindustrie stehe vor einem großen Wandel: "Wir verlieren Arbeitsplätze, wenn uns nicht die Transformation gelingt hin zu neuen Mobilitätssystemen, neuen Antriebstechnicken, zum autonomen Fahren. Nur, wo soll denn diese Transformation besser geschehen, als hier, wo das Auto erfunden wurde? Es ist Aufgabe der Stadtgesellschaft, diesen Wandel nicht zu vermeckern."

StartUp Kultur fördern

Der OB forderte mit Blick auf die Digitalisierung der Gesellschaft, schnelles Internet und die Glasfaserverkabelung mit "Tempo und Drive" anzupacken. Weiterhin seien auch der Wirtschaft Flächen bereitzustellen. Beispielhaft nannte der OB die Allianz, die in Vaihingen einen neuen Standort aufbauen könne.

Die StartUp Kultur könne ein neues Markenzeichen für die Stadt werden, wie erfolgreiche Projekte wie das Wizemann-Areal oder CODE_n SPACES bewiesen. Auch das Handwerk, die Landwirtschaft oder der Handel seien Pfeiler der hiesigen Wirtschaft. Die Stadtverwaltung und die Wirtschaftsförderung bemühten sich um optimale Bedingungen für alle.

Kuhn schloss mit dem Appell an den Gemeinderat: "Ohne starke Wirtschaft, Beschäftigte, gute soziale Fairness in der sozialen Marktwirtschaft kommen wir nicht weiter."

Hintergrund

  • In Stuttgart arbeiten so viele Menschen wie nie zuvor. Zwischen 2010 und 2016 stieg die Zahl der Erwerbstätigen um rund zehn Prozent auf 519.300 Personen.
  • Im Juni 2018 waren 416.667 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Gleichzeitig waren 14.302 Menschen arbeitslos gemeldet.
  • Die Quote von 4,6 Prozent ist auf einem im Zeit- und Regionalvergleich niedrigem Niveau.
  • Es gibt rund 30.000 Unternehmen in Stuttgart. Die Bruttowertschöpfung der Landeshauptstadt liegt bei rund 46,452 Milliarden Euro (Stand 2016).
  • Damit erwirtschaftet Stuttgart rund 11 Prozent der Wertschöpfung des Landes Baden-Württemberg. Den Großteil leistet das produzierende Gewerbe (34%),  darauf folgen Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister (30%).
  • In Stuttgart sind überdurchschnittlich viele Personen im wissensintensiven Dienstleistungsbereich tätig. Das macht Stuttgart besonders innovativ.
  • Neben den sieben öffentlichen Hochschulen gibt es weitere bedeutende Forschungseinrichtungen wie beispielsweise die Institute der Helmholtz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft. Auch die hiesigen Unternehmen sind bekannt für ihre starken Entwicklungssparten.
  • Beachtlich ist auch, dass die Hochschulen der viertgrößte Arbeitgeber am Standort sind. Im Jahr 2018 waren rund 15.000 Personen an den Hochschulen in Stuttgart beschäftigt, darunter 5.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Video-Mitschnitt der Generaldebatte und Reden der Fraktionen, Gruppierungen und Einzelstadträte



Die Reden der Fraktionen, Gruppierungen und Einzelstadträte finden Sie hier.

Zum Hintergrund der Generaldebatte

Die "Wirtschafts- und Innovationsstadt Stuttgart" war die letzte von insgesamt vier Generaldebatten im Stuttgarter Gemeinderat. Im Visionspapier "Stuttgart 2030" hat der Gemeinderat  Themen von übergeordneter Bedeutung für die Stadtgesellschaft mit richtungsweisendem Handlungsbedarf herausgearbeitet. Dies gab den Impuls für eine Reihe von Generaldebatten.

Den Auftakt bildete am 19. April 2018 die Generaldebatte zum Thema "Mobilität". Die zweite zum Thema "Wohnen" fand am 14. Juni statt, in der dritten Generaldebatte am 11. Oktober diskutierte der Gemeinderat über das Thema "Soziale Stadt". Video-Mitschnitte der Sitzungen gibt es auf www.stuttgart.de/generaldebatten.