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Landeshauptstadt Stuttgart

Städtische Kultureinrichtungen

Frag mich - Das Kulturamt stellt sich vor

Im Kulturamt mit seinen acht Abteilungen arbeiten Menschen, die ganz unterschiedlichen Berufen nachgehen. Einen kleinen Einblick gibt unser Social-Media-Format „Frag mich“. Im monatlichen Turnus stellen wir die Antworten unserer Mitarbeiter*innen auch hier vor – vom Astrogator bis zur Verwaltungswirtin.

Nachdem verschiedene Mitarbeiter*innen ihre Berufe im Kulturamt vorgestellt haben, beantwortet Kulturamtsleiter Marc Gegenfurtner Fragen zu seinem Beruf.

Interview mit Marc Gegenfurtner, Leiter des Kulturamts

Nicht nur bei schönem Wetter ist für Marc Gegenfurtner das Rad innerorts mittlerweile alternativlos.

Sie leiten ein Amt mit circa 780 Mitarbeiter*innen. Womit beginnen Sie Ihren Tag? Und wie sieht Ihr Alltag aus?

Da mein Büro direkt neben dem Rathaus liegt, komme ich gerne mit dem Fahrrad zur Arbeit. Man bewegt sich schneller und stressfreier und lernt zudem auf der Suche nach geeigneten Radschleichwegen Stuttgarts verborgene Schönheiten kennen.

Mein Tag beginnt in der Regel mit einem ersten Kaffee, von dem ich leider nicht lassen kann, und den ich mir am Automaten bei den Kolleg*innen der Kulturförderung hole. Das hat den guten Nebeneffekt, dass sich auch gleich kleinere Themen zwischen Tür und Angel besprechen lassen. Beim schnellen Überflug über die aktuellen Medien mache ich mir ein Bild, wie die Presse (oder was davon bald noch übrig sein wird) über die Welt und die Kultur denkt.

Ansonsten wird mein Alltag von permanenter Kommunikation bestimmt: unter anderem mit den Kolleg*innen, den vielen Kulturakteur*innen in Stuttgart und den vielfältig an Kultur Interessierten. Gott sei Dank darf ich immer wieder das Büro verlassen und Menschen begegnen – erst recht jetzt wieder auf dem Weg zu neuer Normalität und (Wieder-)Sehen. Das bereichert meinen Alltag ungemein und ist eigentlich meine Hauptantriebskraft. Wenn das dann abends noch von einer gelungenen Veranstaltung gekrönt wird, bin ich sehr dankbar dafür, zusammen mit vielen wunderbaren Menschen im Weinberg der Kultur zu arbeiten.     

Das Kulturamt mit seinen unterschiedlichen Abteilungen gestaltet das kulturelle Leben der Landeshauptstadt mehr als kooperativ mit.

Sie sind seit fast drei Jahren Kulturamtsleiter in Stuttgart. Worauf sind Sie stolz?

Ich bin froh, in einem Kulturamt zu arbeiten, das nicht nur ein breites Kulturangebot bereithält. Unsere Kolleg*innen wollen auch gemeinsam die Kultur in der Landeshauptstadt Stuttgart gestalten. Vom Stadtarchiv und dem StadtPalais über die Stadtbibliothek, die Philharmoniker und die Musikschule bis hin zum Planetarium, zu der Kulturförderung und der Verwaltung bieten wir eine Vielfalt, die auch angenommen wird.

Es macht mich glücklich, dass dies auch in der Politik stets eine breite Unterstützung erfährt. Zufrieden bin ich darüber hinaus über die Diskursfreude und Dialogfähigkeit sowohl der Kulturszenen und ihrer Akteur*innen untereinander als auch mit der Politik. Das ist aus meiner Sicht die entscheidende Basis für die zahlreichen Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen.

Während des Lockdowns wurden ungewöhnliche Formate ausprobiert - wie hier das Projekt "Social Distance Staks" von Florian Mehnert mit den Philharmonikern.

Wie haben Sie als Kulturamtsleiter die Zeit während des Lockdowns erlebt? Hat sich die Kulturszene in Stuttgart seitdem verändert?

Ich bin im September 2019 Kulturamtsleiter in Stuttgart geworden. Natürlich gibt es auf den ersten Blick schöneres als nach einem halben Jahr im Amt direkt einen für alle Beteiligten historischen Lockdown zu managen. Aber tatsächlich haben sich die bereits beschriebenen Vorzüge des Stuttgarter Kulturlebens als entscheidende Stärken gezeigt. Daher war die Zeit geprägt von der Besonnenheit der Handelnden, der Solidarität zwischen den Akteur*innen und eine Zeitlang auch durch das Öffnen von Möglichkeitsräumen. Von letzteren hoffe ich, dass wir sie gemeinsam offenhalten können. Wie nachhaltig die Veränderungen sind, ist bislang schwer zu sagen. Gesellschaftlich wird der vermeintliche Krisenmodus uns noch länger begleiten. Aber dem müssen wir die ebenfalls vorhandenen positiven Gestaltungsmöglichkeiten entgegensetzen. Wir als Kulturamt jedenfalls unterstützen auch weiterhin nach Kräften bei allen Veränderungen. Und eine urbane vitale Kulturszene verändert sich ohnehin stetig. 

Beim Kinetarium greift das Publikum aktiv mit dem Smartphone in das Geschehen unter der Planetariumskuppel ein.

Ich denke, dass all jene Menschen, Institutionen und Entwicklungen in der Zukunft prägend sein werden, die nicht nur auf sich blicken. Dass öffentliche Daseinsvorsorge notwendig ist, hat sich ja in letzter Zeit sehr deutlich gezeigt. In kultureller Hinsicht allerdings liegt da noch einiges vor uns, wenn unser Angebot wirklich von der Allgemeinheit wahrgenommen werden soll. Denn unsere vielfältige Großstadtgesellschaft bildet sich in manchen unserer Einrichtungen und auch in geförderten Projekten nicht angemessen wider. Das betrifft das Publikum, aber auch die Ebene der Kultur Produzierenden und Anbietenden. Dieses Thema anzugehen, wird ebenso unsere Arbeit der Zukunft bestimmen wie die in der Pandemie offensichtlich gewordene prekäre Arbeitssituation vieler in der Kultur Arbeitenden.

Und was die technologische Seite betrifft: Vieles, was während der Lockdowns den Weg ins weltweite Netzt gestellt wurde, kann die Kultur nicht ersetzen, die live vor Ort erlebt wird. Aber in einigen Bereichen ist der digitale Raum auch eine Chance zur besseren und breiteren Vermittlung von Inhalten. Und für solche Formate haben wir in Stuttgart wirklich gute Vorraussetzungen: in den Einrichtungen, aber auch in der Stadtgesellschaft.

Wie und wann geht es mit der Hajek-Villa weiter?

Wie es mit dem ehemaligen Arbeits- und Wohnhaus des 2005 verstorbenen Künstlers Otto Herbert Hajek weitergeht, hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt vom Verhalten des Hausbesitzers und seinem Verhältnis zum Denkmalschutz. Das Kulturamt steht im Austausch mit allen potentiellen Partnern, mit denen gemeinsam der Skulpturenpark vor dem Haus in der Hasenbergsteige neu gestaltet werden kann. Ziel ist eine bessere Verortung der Werke und eine deutlichere Kontextualisierung des Wirkens von O. H. Hajek. Hajeks Skulpturen prägen seit vielen Jahrzehnten den Stuttgarter Stadtraum, aber sein weiteres Werk jenseits des öffentlichen Raumes ist noch weitgehend unbekannt. Eine Ausstellung im Kunstmuseum 2023 wird hierzu sicherlich einiges beitragen.

Der Kulturamtsleiter tauscht sich regelmäßig über alle Themen der Kultur aus.

Was ist Kultur für Sie? Sind zum Beispiel Fußball oder das "Dschungelcamp" für Sie Kultur?

Persönlich bin ich bei einem guten Buch in meiner Welt und ganz bei mir. Aber davon abgesehen habe ich mich immer schon in einem ziemlich weiten Kulturbegriffsfeld bewegt, das von populärkulturellen Erscheinungen bis zu Außenseiterpositionierungen reicht. Ich selbst habe erfahren, dass sich Kultur am besten vermittelt und Menschen am ehesten entwickeln, wenn sich Kultur und ihre Protagonist*innen nicht pseudo-elitär geben, sondern wirklich an Öffnung, Austausch und gegenseitigem Lernen interessiert sind. 

Zudem finde ich wichtig, dass Kultur ihre Berührungspunkte mit anderen Feldern sucht, wie mit dem Sport oder dem sozialen Bereich. Aber ich würde kulturbegrifflich gar nicht mit Fußball, anderen Sportarten oder medialen Brot-und-Spiele-Formaten konkurrieren wollen. Und auch wenn ich gut finde, dass sich Kultur im Fernsehen abbildet, finde ich im "Dschungelcamp" beim besten Willen keine Schnittmenge, die mit einer die Menschen wertschätzenden Perspektive vereinbar wäre. 

Aber um wieder dienstlich zu werden: Mein weiter Kulturbegriff ist nicht entscheidend für die Definition öffentlich finanzierter oder getragener Kultur. Diese sollte im Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen und im Diskurs entstehen, sich entwickeln, und gemeinwohlorientiert sein - ohne in Konkurenz zu anderen Bereichen zu treten.

Bei der mobilen Jugendarbeit mit der Stadtbibliothek im Europaviertel wird Teilhabe groß geschrieben.

Wie ist Ihre Vision für die Kultur in Stuttgart? Was ist Ihr To do für die nächsten Jahre?

Ich würde mein Amt falsch verstehe, wenn ich allein eine Vision über Stuttgart legen würde. Kultur be- und entsteht aus und in Gemeinschaft. Die Landeshauptstadt ist von sich aus und aus sich heraus auf vielen guten Wegen: Sie wird internationaler und transkultureller, ohne ihre Traditionen im notwendigen Transformationsprozess zu vergessen. Sie ist offen für neue Entwicklungen und insbesondere im Kulturbereich enorm kooperativ gesonnen. 

Dabei ist es wichtig, dass die Kultureinrichtungen diese Prozesse im Auge behalten und offen für sich verändernde Bedürfnisse bleiben. Die Kulturverwaltung mit ihrer multiplen Kompetenz gestaltet behutsam mit, vermittelt und will auch Neues ermöglichen. 

Die To-Dos werden wir eher später als früher ohnehin auf der Agenda haben: Teilhabe, Nachhaltigkeit und Klimaschutz klingen zwar nach Gemeinplätzen, gehen uns aber alle an – und zwar auf existentielle Art und Weise. Und die Kultur kann dabei eine Vorreiterrolle einnehmen. Müssen wir dabei beispielsweise das längst schon verinnerlichte und bereits vor der Pandemie problematisierte „Höher-Schneller-Weiter“ wirklich immer als Maxime begreifen oder sollten wir nicht neue Parameter für unsere Arbeit finden? Wir sollten hier gemeinsam neue Antworten auf viele Fragen finden, die ich möglichst guten Gewissens meiner Tochter nicht erst dann beantworten möchte, wenn sie erwachsen und vieles zu spät ist.

Was ist Ihr Kultur-Highlight 2022?

Ich habe die Kultur, wie sie die Menschen in Stuttgart gewohnt waren, ja nur ein halbes Jahr in Normalbetrieb und damit nur sehr fragmentarisch kennen lernen können. Insofern habe ich in diesem Jahr bereits andauernd Highlight-Momente: ob das ein Chorkonzert ist, das allen im Raum deutlich macht, wie wichtig singen für die Menschen ist, oder ein Filmfestival, das sich endlich wieder im Kino ereignet, oder auch ein Festival, das es schafft, die Stuttgarter Vielfalt wirklich zu repräsentieren. Auf viele solcher umgesetzten Möglichkeitsräume freue ich mich – nicht nur in 2022, sondern auch in Zukunft.

Vielen Dank für die interessanten Einblicke, Herr Gegenfurtner!

Die Fragen wurden im Rahmen der Social‐Media‐Aktion „Frag mich“ gesammelt und vom Kulturamt aufbereitet.

Mit dieser Folge endet dieses Format des Kulturamts.

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