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Der Pragfriedhof wird 150 Jahre alt

Dichter, Politiker, Luftfahrtpioniere liegen hier begraben – der am 14. Januar 1873 feierlich seiner Bestimmung übergebene „Zentralfriedhof auf der Prag“, der bald nur noch Pragfriedhof hieß, ist 150 Jahre nach seiner Einweihung einer der geschichts- und kulturträchtigsten Friedhöfe Stuttgarts.

Annähernd 300 seiner Grabstätten sind erhaltenswert, die Anlage ist in ihrer Gesamtheit denkmalgeschützt.

Prominente Gäste haben sich eingefunden, als der neu angelegte Pragfriedhof im Januar 1873 offiziell eingeweiht wurde. Allen voran der Bauherr der Villa Berg, König Karl von Württemberg, mit seiner Gemahlin, Königin Olga, Gründerin vieler sozialer Einrichtungen und Schirmherrin des Olgahospitals für Kinder. Zudem waren – neben den Geistlichen – die Mitglieder der bürgerlichen Kollegien (Gemeinde- und Bürgerausschuss), Bürgermeister Theophil Friedrich von Hack und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger gekommen, um das neue Kleinod der Stadt in Empfang zu nehmen.

Stadtpfarrer Carl Theurer hielt im Anschluss an die symbolische Übergabe die Trauerrede für Christina Fritz, geborene Strobel, Gattin des Bahnhofaufsehers. Sie hatte die Arbeiten am Friedhof vom Krankenbett aus verfolgt und war am 11.1.1873 im Alter von 55 Jahren gestorben. Ihr Grab ist erhalten und trägt die Inschrift: „Die erste Leiche dieses Friedhofs“.

Geplant wurde die von ihrer Haupt- und Querallee geprägte Anlage von Gartenbaudirektor Adolf Wagner (1817-1893). In den folgenden Jahren wurde der Friedhof um viele neue Elemente ergänzt. So konnte der spätere Ulmer Münsterbaumeister August von Beyer (1834-1899) als Architekt des Verwaltungsgebäudes, des ersten Leichenhauses an der Friedhofstraße und der Kapelle gewonnen werden, die von 1873 bis 1876 im historisierenden Rückgriff auf gotische Formen erbaut wurden.

Im Jahr 1877 wurde der israelitische Friedhof auf der Prag angelegt und nach Ende des Zweiten Weltkrieges wiederinstandgesetzt. Von 1905 bis 1907 wurde das einzige Krematorium Stuttgarts mit seinen flankierenden Kolumbarien nach den Plänen des Architekten Wilhelm Scholter (1858-1915) im Jugendstil errichtet.

Verschiedene Weiterentwicklungen reichen gar bis in die jüngere Vergangenheit zurück. So wurde der Pragfriedhof um alternative Grabarten, wie Baum- und Rasengräber oder um Gemeinschaftsgrabstätten, ergänzt.

In den letzten beiden Jahren wurde im ältesten Teil des Friedhofs der Baumbestand entlang der Wegeachsen im Rahmen der Baumstandortsanierung gestärkt. Durch den Einbau von wasserdurchlässigen Belägen soll den Bäumen das wertvolle Oberflächenwasser zugutekommen. Die zusätzliche Vergrößerung der Baumstandorte wird eine nachhaltige Verbesserung zu den besonderen Lebensbedingungen im Innenstadtklima schaffen.

Der Pflasterbelag im Bereich des Gute-Hirte-Brunnens und des Fußgängereingangs Martinskirche wurden zudem komplett überarbeitet. Der Zugang ist barrierefrei, sämtliche Belagsunebenheiten sind beseitigt. Im Sommer 2023 soll auch der Gute-Hirte-Brunnen wieder mit seiner Skulptur versehen und in Betrieb genommen werden.

Heute, 150 Jahre nach seiner Einweihung, ist der Pragfriedhof einer der geschichts- und kulturträchtigsten Friedhöfe Stuttgarts und beispielhaft für die Friedhofskunst. Die Ruhestätte besitzt annähernd 300 erhaltenswerte Grabstätten und ist in ihrer Sachgesamtheit denkmalgeschützt. Mit seinen rund 21 Hektar und der parkähnlichen Anlage ist der Friedhof zudem ein wichtiger Grünbereich im Norden Stuttgarts, der vielen Besuchern auch als Erholungs- und Naturerlebnisraum dient. Er durchlief bis heute einen steten Wandel und wurde mit Blick auf die aktuellen Anforderungen behutsam weiterentwickelt – ohne dabei sein historisches, vertrautes Gesicht zu verlieren.

Berühmte Persönlichkeiten

Viele berühmte Persönlichkeiten haben auf dem Pragfriedhof ihre letzte Ruhe gefunden. Dazu gehören unter anderem Oberbürgermeister Emil von Rümelin (1846–1899), Sozialreformer Eduard von Pfeiffer (1835–1921), der Dichter Eduard Mörike (1804–1875 ), der Luftschiffpionier Graf Ferdinand von Zeppelin (1838–1917), die Opernsängerin Anna Sutter (1871–1910) und Chansonistin Claire Waldoff (1884–1957), ein Star der 1920er-Jahre.

Hinweis: Zur Verfügung gestellte Bilder dürfen nur im Zusammenhang mit einer redaktionellen Berichterstattung zu dieser Pressemitteilung verwendet werden.

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