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Landeshauptstadt Stuttgart

Tunnel

Zwei Stuttgarter Straßentunnel feiern Geburtstag

Gleich zwei wichtige Straßentunnel in Stuttgart feiern in diesem Jahr ihren Geburtstag: Durch den Heslacher Tunnel rollt der Verkehr seit 30 Jahren. Der Schwabtunnel ist Stuttgarts erster Straßentunnel. Er besteht am 29. Juni sogar schon seit mittlerweile 125 Jahren.

Diese Schwarz-Weiß-Abbildung zeigt den Schwabtunnel um das Jahr 1900.
Jahr 1972: Die Stuttgarter Straßenbahn durchquert den Schwabtunnel.
Der Schwabtunnel ist auch ein beliebtes Motiv für Postkarten. Hier mit dem Blick auf Degerloch gerichtet.
Die Figurengruppe über der Südeinfahrt des Schwabtunnels.
Die wohl bekannteste Ansicht auf den Stuttgarter Schwabtunnel.
Der Heslacher Tunnel ist 2,3 Kilometer lang und einer der am stärksten befahrenen Gegenverkehrstunnel in Europa.

Gleich zwei Stuttgarter Straßentunnel feiern in diesem Jahr einen besonderen Geburtstag: Der Heslacher Tunnel hat am 7. Mai Jahrestag und wird 30 Jahre alt. Durch den Schwabtunnel rollt ab dem  29. Juni sogar seit mittlerweile 125 Jahren der Verkehr.

Wegen der Corona-Pandemie wird es in diesen Jahr keine Feier geben. Für den älteren der beiden Tunnel erscheint bis zum Jubiläumsmonat jedoch eine Jubiläumsbroschüre der Stadt. Darin wird auf die Anfangszeit und die 125 Betriebsjahre zurückgeblickt.

Raiko Grieb, Bezirksvorsteher in Stuttgart-Süd: „Für den Stadtbezirk Stuttgart-Süd haben der Schwabtunnel und der Heslacher Tunnel eine besondere Bedeutung. Beide Verkehrsbauwerke haben die Lebensqualität der Bewohner des Stadtbezirks deutlich verbessert.“

Schutz gegen Lärm und Abgase

Früher sind Tunnel für die Bahn oder Straße nur dann in Frage gekommen, wenn unwegsame Topografie im Wege war. Mit einem Tunnel – wie dem Schwabtunnel – ist einem Höhenrücken ausgewichen worden, indem er unterfahren wurde.

Heute haben Tunnel eine zusätzliche Funktion übernommen: den Schutz gegen Lärm und Abgase. „Verkehrsbauwerke wie der Heslacher Tunnel schaffen wieder freie Flächen für Fußgänger und Radfahrer“, erklärte Claus-Dieter Hauck, Leiter der Abteilung Stadtbahn, Brücken und Tunnelbau. „Sie ermöglichen damit auch eine Neugestaltung des öffentlichen Straßenraums.“

Schwabtunnel war Vorreiter in Europa

Der Schwabtunnel wird aktuell noch saniert: So werden schadhafte Fliesen ausgetauscht, die Fliesen hell angestrichen. Hauck dazu: „Mit 125 Jahren hat der Schwabtunnel ein respektvolles Alter erreicht und braucht ein Facelifting. Das bekommt der Tunnel derzeit, sodass er an seinem Geburtstag im Juni mit neuem Antlitz aufwarten kann.“

Rückblick: 125 Jahre Schwabtunnel

Der Schwabtunnel wurde von 1894 bis 1896 gebaut. Er sollte die Stadteile Heslach und Stuttgart-West für Fußgänger, Fuhrwerke und die Straßenbahn verbinden. Der Tunnelbau war damals unter schwierigen geologischen Verhältnissen eine technische Meisterleistung. Die Tunnel-Planung erfolgte unter der Federführung des Tiefbauamtsleiters Stadtbaurat Karl Kölle.

Am 29. Juni 1896 wurde der Schwabtunnel mit einem Festzug der Stuttgarter Bürgervereine eingeweiht. Es war der erste kombinierte Straßen- und Straßenbahntunnel in der damaligen Zeit und mit einer Breite von 10,50 Metern – ausgelegt für den Verkehr der Straßenbahn in Tunnelmitte und den Fuhrwerken an beiden Seiten – der breiteste in Europa. Außerdem war der Schwabtunnel der erste Tunnel, durch den ein Automobil fuhr. In den Anfangsjahren nutzten ihn 4.000 Fußgänger täglich, um auf verkürztem Weg von und zu ihrer Arbeitsstätte zu gelangen.

Neuer Belag und neue Gehwege

Im Laufe seiner Nutzung gab es immer wieder Verkehrsanpassungen. Erst fuhr die Straßenbahn eingleisig, dann zweigleisig. Seit 1972 fährt ein Linienbus durch den Tunnel. Laut Tiefbauamt, sind die heutigen Anforderungen an das Verkehrsbauwerk hoch. Denn: Alle Verkehrsteilnehmer wollen berücksichtigt werden. Doch der Platz ist mit 10,50 Metern begrenzt.

Das Tiefbauamt hat im vergangenen Jahr verschiedene Unterhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen durchgeführt. Unter anderem erhielt der Tunnel einen neuen Fahrbahnbelag und neue Gehwege. Die Beleuchtung über der Fahrbahn wurde erneuert und um Leuchten über Gehwegen und der optischen Leiteinrichtung am Bordstein erweitert.

Zudem führt der Rückbau der Spritzbetonwände auf den Gehwegen zu einer Mehrbreite von 40 Zentimetern, was eine neue Gesamtbreite von 2,20 Metern ergibt. Zu einer höheren Nutzungsqualität für die Fußgänger und Radfahrer tragen die Reinigung des Gewölbes sowie die Instandsetzung der Fliesen bei. Nach Fertigstellung der Arbeiten erstrahlt der Schwabtunnel dann in neuem Glanz.

Rückblick 30 Jahre Heslacher Tunnel

Der mit seinen 30 Jahren um einiges jüngere Heslacher Tunnel steht dem Schwabtunnel in nichts nach: Er hat eine Gesamtlänge von 2,3 Kilometern und ist mit einer Verkehrsbelastung von bis zu 50.000 Kraftfahrzeugen pro Tag einer der am stärksten befahrenen Gegenverkehrstunnel in Europa. Seit seiner Verkehrsfreigabe am 7. Mai 1991 rollten schon geschätzt 400 Millionen Fahrzeuge durch den Tunnel.

Die Idee für den Heslacher Tunnel entstand Anfang der 1960er-Jahre. Der Tunnel sollte den Stadtteil Heslach vor dem Durchgangsverkehr der Bundesstraße B 14 bewahren. Eine alternative Umfahrungsstraße, wie sie ursprünglich einmal angedacht gewesen war, hätte die Landschaft und die Naherholungsmöglichkeit im Umfeld des Stadtbezirks stark beeinträchtigt und fiel damit als Lösung weg.

Bauzeit wurde eingehalten

Folglich wurde in den 1980er-Jahren eine Tunnelröhre mit zwei Fahrstreifen gebaut, die bis heute im Gegenverkehr betrieben wird. So gelingt es, den größten Teil des Durchgangsverkehrs abzuwickeln und eine städtebauliche Aufwertung im Stadtbezirk zu erreichen. 

Die geologischen Verhältnisse, insbesondere am Marienplatz, hatten den Bau zwar schwierig, jedoch nicht unmöglich gemacht. Das Tunnelbau-Konzept konnte wie geplant verwirklicht werden. Die vorgesehene Bauzeit wurde eingehalten. Beim Bau hatte sich die sogenannte Neue Österreichische Tunnelbauweise bewährt, die auf Änderungen im Gebirge flexibel reagieren kann. In allen Phasen des Tunnelbaus stand das Tiefbauamt mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern im Dialog. In Gesprächen wurden immer wieder für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger akzeptable Lösungen gesucht. Vor allem das Bauvorhaben am Marienplatz stellte für die Anwohner eine Belastung dar.

Auf aktuellem Sicherheits-Stand

Wegen mehrerer Brandkatastrophen war es notwendig, auch den Heslacher Tunnel sicherheitstechnisch nachzurüsten. 2005 und 2006 wurde für die Selbst-Rettung der Verkehrsteilnehmer erst ein zusätzlicher Fluchtstollen gebaut und ein vorhandener verlängert. Die Fluchtwegabstände im Tunnel liegen seitdem bei 250 bis 300 Metern. In den Jahren 2011 und 2012 wurde die betriebs- und sicherheitstechnische Ausstattung im Tunnel nachgerüstet. Der Tunnel ist heute auf dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Gebrüder Metz, Sammlung Haus der Geschichte Baden-Württemberg
  • Otto Blaschke, Archiv Verkehrsfreunde Stuttgart
  • Stadtarchiv Stuttgart
  • Erwin Keefer, Stuttgart
  • Stadt Stuttgart
  • Thomas Hörner/Kraufmann