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Landeshauptstadt Stuttgart

Hegel-Preis

OB Nopper verleiht Hegel-Preis 2021 an Professorin Dr. Béatrice Longuenesse

Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper hat am Mittwoch, 29. Juni, im Stuttgarter Rathaus den mit 12.000 Euro dotierten Hegel-Preis 2021 an Dr. Béatrice Longuenesse verliehen. Die Französin ist eine der weltweit bekanntesten Hegel- und Philosophie-Forscherinnen.

Der mit 12.000 Euro dotierte Hegel-Preis ist eine der weltweit renommiertesten Auszeichnungen für Philospohie.

Die Jury des Preises hatte ihre Entscheidung bereits am 5. März 2021 getroffen. Wegen der Corona‐Pandemie wurde die Preisverleihung jedoch verschoben und fand nun zum ersten Mal im Rahmen des Stuttgarter Wissenschaftsfestivals statt.

OB Nopper beglückwünschte Béatrice Longuenesse zu ihrer Auszeichnung und sagte: „Es ist mir eine Ehre Frau Professorin Longuenesse für ihre herausragenden und außerordentlichen Leistungen auf dem Felde der Philosophie den Hegel-Preis 2021 überreichen zu dürfen. Sie gehört zu den international anerkanntesten Philosophinnen unserer Zeit und hat bahnbrechende historische Studien zu Hegel veröffentlicht. Hegel begeisterte sich schon früh für die Ideale der Französischen Revolution. Mit seinen Kommilitonen hielt er nach französischem Vorbild revolutionäre Reden. Ich bin mir deshalb sehr sicher, Hegel wäre begeistert, dass der Hegelpreis 2021 an eine französische Philosophie-Professorin geht.“

Die Laudatio hielt Dr. Dina Emundts, Philosophin und Professorin für Geschichte der Philosophie am Institut für Philosophie der Freien Universität zu Berlin sowie Präsidentin der Internationalen Hegelvereinigung. Sie lobte die Preisträgerin als „eine der besten Forscherinnen für die Geschichte der Philosophie“. Longuenesses Bücher über Kant und Hegel gehören zu den weltweit meist zitierten und einflussreichsten Büchern der akademischen Welt, so die Laudatorin. „In ihren Arbeiten hat Longuenesse Themen der Gegenwart aufgenommen und nicht nur innerhalb der Philosophie Diskussionen in Gang gesetzt, sondern durch das Durchdenken auch wieder neue Perspektiven für unser Selbstverständnis für die Zukunft geschaffen.“

Philosophische Fragen aktuell wie nie

Béatrice Longuenesse, emeritierte Professorin für Philosophie auf der renommierten Silver Stiftungsprofessur an der New York University, betonte in ihrer Dankesrede ihre freundschaftlichen Beziehungen zur Landeshauptstadt Stuttgart und ihre Achtung vor einer der bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt, Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Sie erinnerte an ihre Besuche in Stuttgart zu Kongressen, Vorträgen und Gesprächsreihen und sagte: „Meinen nun fünften Besuch möchte ich zum Anlass nehmen, eine Bilanz darüber zu ziehen, wo wir alle gemeinsam in Bezug auf Hegel stehen“, so Longuenesse. Sie betonte in diesem Zusammenhang, dass zeitgenössische Philosophie in ihren Untersuchungen zur Moral und dem ethischen Leben – in Zeiten von Kriegen und Umweltzerstörungen – aus den Lehren anderer Disziplinen profitieren könne. „Ich habe den Eindruck, dass wir uns wieder in einer solchen Zeit befinden und ich bin der Meinung, dass eine der Aufgaben der Philosophen darin bestehen sollte, zumindest zu versuchen, uns vor der extremen Gefahr zu warnen, in der wir uns befinden. Die Aufgabe wäre, Freuds Erkenntnis mit Hegels Erkenntnis zu verbinden, wonach wir das individuelle Leiden nicht lindern können, wenn wir nicht berücksichtigen, wie die Individuen auf kollektiver Ebene interagieren.“

Begründung der Jury

Béatrice Longuenesse ist die 18. Preisträgerin des 1970 erstmals verliehenen Hegel-Preises. Die Jury hatte ihre Entscheidung am 5. März 2021 mit der folgenden Begründung getroffen:

„Béatrice Longuenesse gehört zu den international anerkanntesten Philosophinnen unserer Zeit. In ihren Arbeiten ist es ihr gelungen, ganz unterschiedliche Traditionen, Fragestellungen und kulturelle Impulse in einzigartiger Weise aufzugreifen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Die mittlerweile zu Standardwerken avancierten Studien über Kant und Hegel bezeugen, dass Béatrice Longuenesse herausragende philosophiehistorische Forschung betreibt. Zugleich kann sie beeindruckend erkennbar machen, dass Fragen zur Geschichte der Philosophie ihre Aktualität nicht eingebüßt haben.

Bemerkenswert ist, wie Béatrice Longuenesse in ihren Untersuchungen und mit ihren Fragen den Bereich enger akademischer Wissenschaft auch immer wieder transzendiert und die Grenzen innerakademischer Fachdiskussionen verlässt. So sind vielbeachtete und gewichtige Beiträge zu aktuellen philosophischen Fragen entstanden, die auch in der breiteren Öffentlichkeit diskutiert werden.

In diesem integrativen Werk, das wie kaum ein zweites verschiedene Fragen und Traditionen zusammenbringt und weiterführt, ohne es je an philosophiehistorischer Umsichtigkeit fehlen zu lassen, sieht die Jury eine Leistung, die es aufgrund ihrer außerordentlichen Eigenständigkeit und Güte verdient, mit dem Hegel-Preis der Stadt Stuttgart ausgezeichnet zu werden.“ (Prof. Dr. Dina Emundts)

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