Energiekonzept "Urbanisierung der Energiewende in Stuttgart"

Energiekonzept "Urbanisierung der Energiewende in Stuttgart"

Das Energiekonzept "Urbanisierung der Energiewende in Stuttgart" fasst die Schritte zum Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung zusammen. Unter Leitung von Oberbürgermeister Fritz Kuhn wurden Ziele definiert, bestehende Ansätze weiterentwickelt und unter Mitwirkung verschiedener Akteure in einem Gesamtkonzept zusammengefasst.

Das Energiekonzept wurde am 16. Dezember 2014 als Entwurf veröffentlicht und anschließend durch eine intensive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, der Unternehmen, Institutionen, Verbände, Bürgerinitiativen und Vereine sowie öffentlichen Einrichtungen weiterentwickelt, ergänzt und konkretisiert. Im Jahr 2015 wurden dazu mehr als 20 Gespräche mit über 250 Personen geführt. Hierdurch wurden 220 Vorschläge an das Amt für Umweltschutz herangetragen. Anhand von Kriterien wie "Wirksamkeit", "Umsetzbarkeit" und "Finanzierbarkeit" wurden diese ausgewertet und sind in die Überarbeitung des Energiekonzepts eingeflossen.

Unsere Stadt mit ihrer hohen Verdichtung und ihrem hohen Industrieanteil braucht ein nachhaltiges Konzept für die Energiewende. Nachhaltig ist Energieversorgung nur, wenn sie ökologisch und wirtschaftlich ist. Sie muss sozial gerecht sein. Das heißt, dass die Kosten auch von sozial schwachen Haushalten getragen werden können. Die Landeshauptstadt Stuttgart fängt dabei nicht bei null an. So können beim Thema Energiesparen sowohl im Bereich der städtischen Liegenschaften als auch in privaten Haushalten, bei Wohnungsgenossenschaften sowie den Stuttgarter Unternehmen bereits gute Erfolge vorgewiesen werden.

Die Verabschiedung des Energiekonzepts durch den Gemeinderat war am 28. Januar 2016.

Bestandteile des Energiekonzepts


Was bedeutet "Urbanisierung der Energiewende"?

Urbanisierung der Energiewende bedeutet die Umsetzung von Maßnahmen im städtischen Gebiet mit dem Ziel, Stuttgart ohne Atomstrom und letztlich auch ohne Strom aus Kohlekraftwerken zu versorgen. Unsere Energiezukunft gründet also auf Energieeinsparung und Energieeffizienz sowie auf erneuerbaren Energien. Da Stuttgart - wie kaum eine andere Stadt in Deutschland - eine Hochburg für die Erforschung und Entwicklung neuer Energietechniken ist, hat unsere Stadt herausragende Möglichkeiten, die Energieversorgung von Morgen und Übermorgen aufzubauen und damit Verantwortung für künftige Generationen zu übernehmen.

Die Stadtwerke sind der zentrale Akteur der Energiewende in Stuttgart. Sie wurden gegründet als Werkzeug, um die Energieversorgung in Stuttgart sicherzustellen und ohne Klimazerstörung zu gestalten. Aber auch der EnBW und anderen Marktakteuren kommt eine erhebliche Verantwortung für eine nachhaltige Energieversorgung zu.

Urbanisierung der Energiewende ist eine Vision, die alle angeht. Sie ist sowohl ein Beitrag zur Verbesserung der Stuttgarter Luftqualität, als auch zum globalen Klimaschutz. Sie setzt auf die Innovationskraft von Forschung und Entwicklung genauso wie auf die Kreativität der Bürgerinnen und Bürger. Damit sie gelingt, gilt es in allen Bereichen Energie einzusparen, Energieeffizienz systematisch aufzubauen und schließlich den verbleibenden Anteil der Energie durch regenerative Energiequellen bereitzustellen.


Entwicklung des Energiekonzepts

Zum Gelingen der Energiewende im urbanen Raum hat die Landeshauptstadt Stutt-gart das Energiekonzept entwickelt, das auf einer Umgestaltung der heutigen Ener-gienutzung in drei Schritten basiert:

  1. Reduzierung des Energieverbrauchs in den Bereichen Wärme, Strom und Treibstoffe
  2. Steigerung der Energieeffizienz
  3. Bau von Anlagen auf Basis von erneuerbaren Energien
Als Koordinatorin bringt die Stadt Entscheidungsträger und Projektverantwortliche zusammen. Sie hat die Struktur für das Energiekonzept unter Berücksichtigung be-stehender Ansätze entwickelt sowie um die in einem ersten Beteiligungsschritt erarbeiteten Ziele und Maßnahmen ergänzt. Aufgabe der Stadt ist es darüber hinaus, die notwendigen Maßnahmen weiterzuverfolgen und deren Umsetzung zu steuern, zu fördern und langfristig sicherzustellen. Hierzu zählen auch die bereits begonnene Entwicklung eines Konzepts für die stadteigenen Liegenschaften und Aktivitäten in den Bereichen Privathaushalte, Unternehmen, Energieversorgung und Verkehr. Für die zukünftige Beteiligung der Stuttgarter Akteure sowie Bürgerinnen und Bürger hat die Landeshauptstadt Stuttgart ein systematisches Vorgehen erarbeitet.

Basis der bisherigen Beschlüsse des Gemeinderats ist die Verpflichtung, den Erfor-dernissen des europäischen Energie- und Klimaschutzpakets auf kommunaler Ebene gerecht zu werden. Dazu sind im Vergleich zum Referenzjahr 1990 der Energieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren und der Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch auf 20 Prozent zu erhöhen.
Die Analyse der Energieflüsse in Stuttgart und die Kenntnis über die Entwicklung des Energieverbrauchs der vergangenen Jahre (Energiebilanzen 1990, 2008, 2010, 2012, 2013) bilden eine wichtige Grundlage für die Konzeptentwicklung.

Unter Einbeziehung verschiedener Akteure hat die Stadt Optimierungspotenziale abgeleitet, die wesentlichen Handlungsfelder identifiziert und Maßnahmenempfehlungen formuliert. Ergebnis dieser Phase war der Entwurf des Energiekonzepts, der dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Damit begann der Diskussions- und Umsetzungsprozess mit der Stuttgarter Bevölkerung, den Unternehmen und Institutionen sowie dem Gemeinderat. Unter Berücksichtigung aller Hinweise der verschiedenen Stuttgarter Akteure wurde das Energiekonzept überarbeitet.


Handlungsfelder

Zum Gelingen der Energiewende sind viele Schritte notwendig. Mit der Entwicklung des Energiekonzepts, existiert nun eine Zusammenstellung aller Handlungsfelder:

  •     Städtische Liegenschaften
  •     Gebäude, Wohnen und Bürger
  •     Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Industrie
  •     Verkehr
  •     Energieleitplanung und Energieversorgung
  •     Bürger- und Akteurseinbindung
Basis für das Energiekonzept ist eine Sammlung von knapp 70 Maßnahmen, die seit dem Beitritt zum Konvent der BürgermeisterInnen 2009 und im Rahmen des Projekts Stadt mit Energieeffizienz - SEE Stuttgart (gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, Förderkennzeichen 03SF0405) entwickelt und zusammengestellt wurde. Im Austausch und in Zusammenarbeit mit allen Stuttgarter Akteuren wurden sie ergänzt und modifiziert. Daraus resultieren 101 Maßnahmen. Die Umsetzung vieler Maßnahmen hat bereits begonnen, muss jedoch kontinuierlich fortgeführt und gesteigert werden. Die Landeshauptstadt Stuttgart koordiniert und unterstützt diesen Prozess durch eigene Aktionen. Sie schreibt das Energiekonzept kontinuierlich fort und überprüft die Zielerreichung mit der Energiebilanz in einem transparenten Verfahren. Mit der Umsetzung der Urbanisierung der Energiewende werden die Voraussetzungen für eine nachhaltige Energieversorgung ohne Atomkraft und Kohle in Stuttgart geschaffen.


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