Inhalt anspringen

Landeshauptstadt Stuttgart

Bevölkerungsschutz

Katastrophenschutz bei radioaktivem Störfall

In der Umgebung von kerntechnischen Anlagen kann die Gefahr bestehen, dass bei einem Störfall radioaktive Stoffe freigesetzt werden. Eine der vielen Maßnahmen des Katastrophenschutzes wäre in diesem Ereignisfall die Ausgabe von Jodtabletten an die Bevölkerung.

  1. Jodtabletten zur Prophylaxe
  2. Einnahme der Kaliumjodid‐Tabletten
  3. Jodausgabestellen in Ihrer Nähe
  4. Information der Bevölkerung im Ereignisfall
In Baden-Württemberg wird derzeit noch ein Kernkraftwerk, das EnBW-Kernkraftwerk Neckarwestheim (GKN II) betrieben. Das Kraftwerk soll Ende 2022 abgeschaltet werden.

Grundsätzlich unterliegen Planung, Bau und Betrieb kerntechnischer Anlagen in Deutschland strengsten Sicherheitsvorschriften, die den Eintritt eines Störfalls praktisch ausschließen. Sollte es im unwahrscheinlichsten Fall jedoch zu einem Störfall mit radioaktiver Strahlung kommen, greifen Maßnahmen, die bei einem Notfall dem Schutz und der Sicherheit der Bevölkerung dienen.

Eine Maßnahme ist die Verteilung von Jodtabletten. Bei rechtzeitiger Einnahme verhindern die Tabletten eine Einlagerung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse. Deshalb werden in Städten und Gemeinden rund um Kernkraftwerken Jodtabletten zur Prophylaxe eingelagert.

In Baden-Württemberg wird mit dem Kernkraftwerk Neckarwestheim GKN II nur noch ein Kernkraftwerk betrieben.

Jodtabletten zur Prophylaxe

Jodtabletten verhindern die Aufnahme von radioaktivem Jod. Durch die Tabletten wird eine sogenannte Jodblockade erzeugt.

Jodtabletten sättigen in der angegebenen Dosierung und bei Einnahme zum empfohlenen Zeitpunkt die Schilddrüse mit Jod und verhindern damit die Speicherung radioaktiven Jods (sogenannte Jodblockade). Ansonsten würde die Schilddrüse das radioaktive Jod aus der Luft über die Atmung aufnehmen und einlagern, was Jahrzehnte später zu Schilddrüsenkrebs führen könnte. Durch die Strahlenschutzkommission wurde ein bundeseinheitlicher Rahmenkatalog erstellt, der von den Ländern und Gemeinden in besonderen Katastropheneinsatzplänen umgesetzt wurde.

Einnahme der Kaliumjodid‐Tabletten

Die Tabletten aus der Notfallbevorratung enthalten 65 mg Kaliumjodid/Stück (entspricht 50 mg Jodid). Die Jodtabletten sollen möglichst nicht auf nüchternen Magen eingenommen werden. Die Tabletten können geschluckt oder in Flüssigkeit gelöst eingenommen werden.

Dosierung Menge
Säuglinge bis zum ersten Lebensjahr 1/4 Tablette
Kleinkinder vom ersten bis zum 36. Lebensjahr 1/2 Tablette
Kinder von drei bis zwölf Jahren 1 Tablette
Personen von 13 bis 45 Jahren 2 Tabletten

Schwangere und Stillende erhalten die gleiche Joddosis wie Erwachsene (zwei Tabletten). Erwachsene über 45 Jahren sollen keine Jodtabletten einnehmen, da bei ihnen das Gesundheitsrisiko für schwerwiegende Schilddrüsenerkrankungen (zum Beispiel durch Jod ausgelöste Schilddrüsenüberfunktion) infolge der Tabletteneinnahme höher ist als das Strahlenrisiko durch Einatmen von radioaktivem Jod.

Jodausgabestellen in Ihrer Nähe

Jodausgabestellen in Stuttgart

 Vollansicht der Karte.

Information der Bevölkerung im Ereignisfall

Im Ereignisfall wird die Bevölkerung über Rundfunk und Fernsehen sowie über Lautsprecherdurchsagen informiert. Hören Sie gut zu und folgen Sie den Anweisungen. Wenn Sie dazu aufgefordert werden, gehen Sie bitte zu Fuß zu den Ausgabestellen:

  • Bei einem Ereignis im Kernkraftwerk Neckarwestheim (GKN II) erhalten Sie im nördlichen Stadtgebiet (Außenzone zehn bis 25 Kilometer) die sogenannte Haushaltspackung mit 20 Tabletten, die für zehn erwachsene Personen ausreicht. Deshalb sollte nur ein Familienmitglied die Ausgabestelle aufsuchen. Im übrigen Stadtgebiet (Fernzonenplanung 25 bis 100 Kilometer) werden nur Kinder und Jugendliche sowie Schwangere/Stillende mit Jodtabletten versorgt. Da die Tabletten hier erst von den Zentrallagern angeliefert werden müssen, bevor sie zur Verteilung in die Ausgabestellen kommen, vergehen mehrere Stunden. Sie werden entsprechend informiert, wenn die Ausgabestellen geöffnet sind. Hier erhalten Sie für Kinder beziehungsweise Schwangere/Stillende sechs Tabletten.
  • Bei einem Ereignis im Kernkraftwerk Gundremmingen (Bayern) werden im gesamten Stadtgebiet gemäß der Fernzonenplanung 25 bis 100 Kilometer nur an Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende Jodtabletten ausgegeben.

Die Ausgabe der Tabletten bedeutet nicht gleichzeitig die Einnahme. Bitte verfolgen Sie die Rundfunk- und Fernsehdurchsagen bis die Einnahme der Tabletten angeordnet wird.

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese Seite Cookies verwendet.

Mehr erfahren