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Landeshauptstadt Stuttgart

Presse

Zwei Stuttgarter Straßentunnel feiern Geburtstag

Gleich zwei wichtige Straßentunnel in Stuttgart feiern in diesem Jahr ihren Geburtstag: Durch den Heslacher Tunnel, dessen Jahrestag auf den 7. Mai fällt, rollt der Verkehr seit 30 Jahren. Der Schwabtunnel – Stuttgarts erster Straßentunnel – besteht am 29. Juni sogar schon seit mittlerweile 125 Jahren.

Aufgrund der Corona-Pandemie wird keine Feier ausgerichtet. Für den älteren der beiden Tunnel wird die Stadt bis zum Jubiläumsmonat jedoch eine Jubiläumsbroschüre erstellen, die auf die Anfangszeit und die 125 Betriebsjahre zurückblickt. Das hat die Landeshauptstadt Stuttgart am Dienstag, 27. April 2021, mitgeteilt.

Raiko Grieb, Bezirksvorsteher in Stuttgart-Süd, sagte: „Für den Stadtbezirk Stuttgart-Süd haben der Schwabtunnel und der Heslacher Tunnel eine besondere Bedeutung. Beide Verkehrsbauwerke haben die Lebensqualität der Bewohner des Stadtbezirks deutlich verbessert.“

Früher sind Tunnel für die Bahn oder Straße nur dann in Frage gekommen, wenn unwegsame Topografie im Wege war. Mit einem Tunnel – wie zum Beispiel dem Schwabtunnel – ist einem Höhenrücken ausgewichen worden, indem er unterfahren wurde.

Heute haben Tunnel eine zusätzliche Funktion übernommen: den Schutz gegen Lärm und Abgase. „Verkehrsbauwerke wie der Heslacher Tunnel schaffen wieder freie Flächen für Fußgänger und Radfahrer“, erklärte Claus-Dieter Hauck, Leiter der Abteilung Stadtbahn, Brücken und Tunnelbau. „Sie ermöglichen damit auch eine Neugestaltung des öffentlichen Straßenraums.“

Der Schwabtunnel wird aktuell noch saniert: So werden schadhafte Fliesen ausgetauscht und über den Fliesen ein heller Anstrich angebracht. Hauck stellte fest: „Mit 125 Jahren hat der Schwabtunnel ein respektvolles Alter erreicht und braucht ein Facelifting. Das bekommt der Tunnel derzeit, sodass er an seinem Geburtstag im Juni mit neuem Antlitz aufwarten kann.“

Rückblick: 125 Jahre Schwabtunnel

Der Schwabtunnel wurde von 1894 bis 1896 gebaut, um die Stadteile Heslach und Stuttgart-West für Fußgänger, Fuhrwerke und die Straßenbahn zu verbinden. Der Tunnelbau war unter schwierigen geologischen Verhältnissen zur damaligen Zeit eine technische Meisterleistung. Die Planung des Tunnels erfolgte damals unter der Federführung des Tiefbauamtsleiters Stadtbaurat Karl Kölle.

Am 29. Juni 1896 wurde der Schwabtunnel mit einem Festzug der Stuttgarter Bürgervereine feierlich eingeweiht. Es war der erste kombinierte Straßen- und Straßenbahntunnel in der damaligen Zeit und mit einer Breite von 10,50 Metern – ausgelegt für den Verkehr der Straßenbahn in Tunnelmitte und den Fuhrwerken an beiden Seiten – der breiteste in Europa. Außerdem war der Schwabtunnel der erste Tunnel, durch den ein Automobil fuhr. In den Anfangsjahren nutzten 4.000 Fußgänger täglich den Schwabtunnel, um auf verkürztem Weg von und zu ihrer Arbeitsstätte zu gelangen.

Im Laufe seiner Nutzung gab es immer wieder Verkehrsanpassungen. Erst fuhr die Straßenbahn eingleisig, dann zweigleisig. Seit 1972 fährt ein Linienbus durch den Tunnel. Wie das Tiefbauamt weiter ausführt, sind die heutigen Anforderungen an das Verkehrsbauwerk hoch – alle Verkehrsteilnehmer wollen gebührend berücksichtigt werden. Doch der Platz ist mit 10,50 Metern begrenzt.

Das Tiefbauamt hat im vergangenen Jahr verschiedene Unterhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen durchgeführt. Unter anderem erhielt der Tunnel einen neuen Fahrbahnbelag und neue Gehwege. Die Beleuchtung über der Fahrbahn wurde erneuert und um die Leuchten über den Gehwegen und der optischen Leiteinrichtung am Bordstein erweitert.

Weitere Anpassungen haben ebenfalls schon Wirkung entfaltet: So führt der Rückbau der Spritzbetonwände auf den Gehwegen zu einer Mehrbreite von 40 Zentimetern, was eine neue Gesamtbreite von 2,20 Metern ergibt. Zu einer höheren Nutzungsqualität für die Fußgänger und Radfahrer tragen die Reinigung des Gewölbes sowie die Instandsetzung der Fliesen bei. Nach Fertigstellung der Arbeiten erstrahlt der Schwabtunnel dann in neuem Glanz.

Rückblick: 30 Jahre Heslacher Tunnel

Der mit seinen 30 Jahren um einiges jüngere Heslacher Tunnel steht dem Schwabtunnel in nichts nach: Er hat eine Gesamtlänge von 2,3 Kilometern und ist mit einer Verkehrsbelastung von bis zu 50.000 Kraftfahrzeugen pro Tag einer der am stärksten befahrenen Gegenverkehrstunnel in Europa. Seit seiner Verkehrsfreigabe am 7. Mai 1991 sind geschätzt rund 400 Millionen Fahrzeuge durch den Tunnel gerollt. 

Die Idee für den Heslacher Tunnel entstand Anfang der 1960er-Jahre. Der Tunnel sollte den Stadtteil Heslach vor dem Durchgangsverkehr der Bundesstraße B 14 bewahren. Eine alternative Umfahrungsstraße, wie sie ursprünglich einmal angedacht gewesen war, hätte die Landschaft und die Naherholungsmöglichkeit im Umfeld des Stadtbezirks stark beeinträchtigt und fiel damit als Lösung weg. 

Folglich wurde in den 1980er-Jahren eine Tunnelröhre mit zwei Fahrstreifen gebaut, die bis heute im Gegenverkehr betrieben wird. So gelingt es, den größten Teil des Durchgangsverkehrs abzuwickeln und eine städtebauliche Aufwertung im Stadtbezirk zu erreichen. 

Die geologischen Verhältnisse, insbesondere am Marienplatz, hatten den Bau zwar schwierig, jedoch nicht unmöglich gemacht. Das Tunnelbau-Konzept konnte wie geplant verwirklicht werden. Die vorgesehene Bauzeit wurde eingehalten. Beim Bau hatte sich die sogenannte Neue Österreichische Tunnelbauweise bewährt, die auf Änderungen im Gebirge flexibel reagieren kann. In allen Phasen des Tunnelbaus stand das Tiefbauamt mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern im Dialog. In den Gesprächen wurden immer wieder für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger akzeptable Lösungen gesucht. Vor allem das Bauvorhaben am Marienplatz stellte für die Anwohner eine Belastung dar.

Vor dem Hintergrund mehrerer Brandkatastrophen war es notwendig, auch den Heslacher Tunnel sicherheitstechnisch nachzurüsten. In den Jahren 2005 und 2006 wurde für die Selbstrettung der Verkehrsteilnehmer zunächst ein zusätzlicher Fluchtstollen gebaut und ein vorhandener Fluchtstollen verlängert. Die Fluchtwegabstände im Tunnel liegen seitdem bei 250 bis 300 Metern. In den Jahren 2011 und 2012 wurde die betriebs- und sicherheitstechnische Ausstattung im Tunnel nachgerüstet. Der Tunnel ist heute auf dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik.