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Landeshauptstadt Stuttgart

Stadtentwicklung

Entwürfe für ein vielfältiges Quartier

Der städtebauliche Realisierungswettbewerb für den geplanten Neubau des Quartiers „Am Rotweg“ im Zuffenhäuser Stadtteil Rot ist entschieden. Der Sieger‐Entwurf sieht Gebäude in Holzhybrid-Bauweise vor, die sich um ein Netz von kleinen Plätzen mit hoher Aufenthaltsqualität gruppieren.

Zehn drei- bis siebengeschossige Gebäude bieten neben unterschiedlichen Wohnungstypen auch Raum für gemeinschaftliche und gewerbliche Einrichtungen.

Ein 27-köpfiges Preisgericht hat ­unter Begleitung der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27) und der Stadt Stuttgart am 13. April im Bürgerhaus Rot die Preisträger festgelegt. Als Erstplatzierte gehen aus dem Wettbewerb das Architekturbüro ISSS Research Architec­ture Urbanism aus Berlin zusammen mit dem Büro für Landschaftsarchitektur topo*grafik aus Marseille hervor. Die Büros EMT Architekten aus Stuttgart und StudioVlayStreeruwitz aus Wien belegen gemeinsam den zweiten Platz und sollen in die weitere Planung und Umsetzung einbezogen werden. 

In Rot sollen ab 2024 auf einem rund zwei Hektar großen Areal in einer bestehenden Siedlung aus der 1950er-Jahren zwischen 250 und 280 Wohneinheiten in unterschiedlichen Wohnungstypen entstehen. Hinzu kommen Flächen für verschiedene gemeinschaftliche und gewerbliche Nutzungen. Mit dem im Dezember 2020 ausgelobten Realisierungswettbewerb haben Neues Heim – Die Baugenossenschaft eG und die Baugenossenschaft Zuffenhausen eG in Kooperation mit der IBA’27 dafür nach städtebaulichen und architektonischen Perspektiven gesucht. Es wurden 15 Vorschläge eingereicht. 

Quartier mit gemeinschaftlichem Charakter

Der von der Jury ausgewählte Sieger-Entwurf sieht zehn drei- bis siebengeschossige Gebäude vor, die sich um ein Netz von kleinen Plätzen mit hoher Aufenthaltsqualität gruppieren. Das Herz des Quartiers bildet eine zentrale „Gemeinschaftswiese“. Die vorhandenen Bäume sollen weitgehend erhalten bleiben. In den Erdgeschossen können gemeinschaftliche und gewerbliche Einrichtungen unterkommen: Läden, Kindertagesstätte, Flächen für mögliche Ateliers, Werkstätten oder Co-Working-Spaces sowie ein Waschsalon oder eine Quartiersküche. 

In den Etagen darüber sind unterschiedliche Wohnungen vorgesehen, von Klein- über Familien- bis zu Cluster-Wohnungen. Auf den Dächern der nach dem Entwurf in Holz­hybrid-Bauweise errichteten Gebäude könnte es begrünte Dachterrassen geben.

Das Konzept von ISSS sieht vor, das Quartier lokal und nachhaltig mit Energie zu versorgen. Eine Zisterne und Versickerungsflächen machen Regenwasser nutzbar und schützen bei Starkregen. Am Rand des Quartiers soll es ein Mobilitätszentrum geben, das Sharing-Angebote, Fahrradwerkstatt und eine Quartiersgarage verbindet. Angedacht ist außerdem während der Bauphase eine „IBA-Bauhütte“, die die wiederverwertbaren Bauteile der heutigen Gebäude für die Neubebauung nutzbar macht.

Wohn- und Freiraum für alle Bedürfnisse

Bei dem Entwurf von ISSS lobte das Preisgericht insbesondere die Planung der Freiräume. Bei den beiden zweitplatzierten Entwürfen erkannte es „besondere Stärken in der Konzeption der Gebäude und Wohnungen“. Sowohl EMT Architekten als auch StudioVlay­Streeruwitz machten aus Sicht der Jury sehr überzeugende Vorschläge für diverse Häusertypen mit ausgesprochen vielfältigen Wohnungsangeboten für verschiedene Lebenslagen und Wohnwünsche. Sie empfahl daher, die beiden zweitplatzierten Büros mit der Planung einzelner Gebäude zu ­beauftragen.

Die anstehende Ausarbeitung des städtebaulichen Entwurfs und die Errichtung der Gebäude soll zudem von einem Beratungsgremium begleitet werden, unter anderem mit Vertreterinnen und Vertretern des Preisgerichts, der Bauherrinnen, der IBA’27 sowie der Landeshauptstadt Stuttgart. 
Professorin Susanne Dürr, Vizepräsidentin der Architektenkammer Baden-Württemberg und Vorsitzende des Preisgerichts, sagte: „Wir haben gemeinsam drei Lösungen gefunden, die hohe Aufenthaltsqualitäten versprechen. Die Entwürfe zeichnen sich vor allem durch ihr Freiraumkonzept sowie ihre Dichte und Maßstäblichkeit aus, die sich gut in die Umgebung einfügt. Nicht nur Wohnraum, sondern auch soziale Funktionen finden ihren Platz im neuen Quartier.“

Rüdiger Maier, Vorstandsvorsitzender des Neuen Heims, betonte, man müsse sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass der nicht hinreichend sanierungsfähige Bestand der Altobjekte abgerissen werden soll, um entsprechend der Vorgaben zur Innenentwicklung deutlich mehr Wohnraum bei Beibehaltung der Qualität der Freiflächen entstehen zu lassen. Gemeinsames Ziel sei es, das Zusammenleben in den nächsten 50 Jahren mit allen Facetten, die eine Möglichkeit des lebenslangen Verbleibs im Quartier ermöglichen, wie zum Beispiel bedarfsgerechten Wohnformen, E-Mobilität und Nachhaltigkeit, zu schaffen.

Wegweisender Beitrag für IBA'27

IBA’27-Intendant Andreas Hofer sagte: „Alle drei Preisträgerinnen haben sehr vielversprechende und zukunftsfähige Konzepte entwickelt. Um das neue Quartier nun konkret zu planen und zu bauen, müssen die beteiligten Büros in einen intensiven Austausch treten – nicht nur untereinander, sondern mit dem Beratungsgremium und den Auftraggeberinnen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass daraus ein wegweisender Beitrag für Stuttgart und die IBA’27 entsteht.“ 

Zu den Fachpreisrichtern gehörten unter anderem Andreas Hofer, Baubürgermeister Peter Pätzold, die Architekten Silvia Carpaneto und Fred Gresens sowie Kathrin Steimle vom Amt für Stadtplanung und Wohnen. Unter den Sachpreisrichtern waren beispielsweise die Bauherrinnen, Gemeinderatsmitglieder wie auch Bürgervertreter aus Stuttgart-Rot.