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Landeshauptstadt Stuttgart

Mobilität

Tiefstand bei Verkehrsunfällen

Die Corona-Pandemie mit ihren Beschränkungen hat auch das Verkehrsaufkommen und damit das Unfallgeschehen in Stuttgart maßgeblich beeinflusst. Das Polizeipräsidium zeigt in der Bilanz 2020 für Stuttgart, dass mit 20.429 Verkehrsunfällen im Stadtgebiet im letzten Jahr ein Tiefstand erreicht wurde.

Alkohol am Steuer ist trotz zurückgehender Zahlen noch immer ein wichtiges Thema.

Insgesamt 2047 Menschen sind 2020 im Straßenverkehr verletzt worden, davon 273 schwer und 1767 leicht. Auch bei den Verletzten ist der 2019 bereits sehr niedrige Wert nochmals um 15 Prozent unterschritten worden. Die Zahl der Todesopfer ist mit sieben gegenüber dem Vorjahr gleich geblieben.

Bei den getöteten Unfallopfern handelte es sich um drei Fußgängerinnen, zwei Fahrradfahrer, einen Motorradfahrer sowie eine Frau, die bei einer Gefahrenbremsung im Linienbus stürzte.

Bricht man die Zahlen auf einzelne Tage herunter, hat es auf den Stuttgarter Straßen 2020 im Schnitt pro Tag 56 Mal gekracht, wobei es bei fünf dieser Unfälle jeweils Verletzte gab. Obwohl eigentlich jeder Unfall einer zuviel ist, zeigte sich Polizeidirektorin Claudia Rohde, Leiterin der Verkehrspolizei Stuttgart, mit den rückläufigen Zahlen in 2020 sehr zufrieden. Allerdings glaubt sie nicht an die Nachhaltigkeit dieses durch Corona ausgelösten Effekts. „Wir werden deshalb unsere Arbeit weiter anpassen und intensivieren, um auch zukünftig sinkende Unfallzahlen zu erzielen und die schweren Folgen von Unfällen weiter zu reduzieren“, so Rohde. 

Die Hauptunfallursachen Ablenkung, Hektik, Zeitdruck oder gar das absichtliche Missachten von Verkehrsregeln erhöhen deutlich das Risiko, Opfer eines Verkehrsunfalles zu werden. Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren sowie das Missachten der Vorfahrt waren mit einem Anteil von rund 21 Prozent, wie auch 2019, die Hauptunfallursachen im städtischen Straßenverkehr. 

Viele sind zu schnell

Alkoholbedingt kam es zu 184 Unfällen (- 22 Prozent). Auch wenn dieser Rückgang erfreulich ist, darf das Thema Alkohol am Steuer keinesfalls vernachlässigt werden. In Kontrollen der Polizei wurden 1274 Fahrerinnen und Fahrer (- 232) bei sogenannten folgenlosen Trunkenheitsfahrten angezeigt. Sie hatten sich trotz Alkoholgenusses ins Auto gesetzt und dabei ihre Gesundheit und die der anderen riskiert. Eine hohe Kontrolldichte ist deshalb weiter von Nöten. 

Überhöhte Geschwindigkeit nimmt in urbanen Strukturen dagegen meist eine untergeordnete Rolle ein. Ein Anstieg von rund 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 14.787 Anzeigen wegen Überschreitung der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit ist deshalb bemerkenswert. 1819 Fahrerinnen und Fahrer (+ 57 Prozent) waren dabei so schnell unterwegs, dass ihnen Fahrverbote drohten. Eine Erklärung könnte auch hier im Corona-bedingten geringeren Verkehrsaufkommen liegen. 

Mindestens 100 Euro Geldbuße sowie ein Punkt in Flensburg drohen Fahrerinnen und Fahrern, die während der Fahrt verbotswidrig ein Mobiltelefon nutzen. Trotz der vor einigen Jahren deutlich verschärften Geldbuße steigen die Zahlen der Handyverstöße weiter. Auch 2020 leitete die Stuttgarter Polizei 7902 Verfahren ein. Claudia Rohde hat dafür kein Verständnis: „Technische Assistenz macht den Griff zum Handy absolut überflüssig. Autofahrerinnen und -fahrer riskieren – quasi im Blindflug – die Unversehrtheit ihrer Mitmenschen. Wir werden hier mit unseren Kontrollen nicht nachlassen.“ 

Obgleich Gurtverstöße 2020 um 15 Prozent zurückgingen, bewegen sie sich mit 4773 weiter auf hohem Niveau.

Mehr Drogenfahrten

Eine deutliche Zunahme gab es bei den Fahrten unter Drogeneinfluss. Im vergangenen Jahr wurde bei 750 Fahrerinnen und Fahrern festgestellt, dass sie unter Drogeneinfluss standen. Dies entspricht einer Zunahme von 67 Prozent. Claudia Rohde dazu: „Jede Beamtin und jeder Beamte ist geschult und erkennt einen möglichen Rauschmittelkonsum sofort. Wer denkt, bei einer Verkehrskontrolle nicht entdeckt zu werden, irrt sich gewaltig.“

Problem Unfallflucht

4733 mutmaßliche Unfallverursacherinnen und Unfallverursacher sind nach dem Geschehen einfach davongefahren (- 18 Prozent). In 158 Fällen ließen sie sogar Verletzte in teils hilfloser Lage am Unfallort zurück. „Bei der Unfallflucht sprechen wir von einem Vergehen nach dem Strafgesetzbuch, nicht von einem Kavaliersdelikt“, so Claudia Rohde. Und die Verkehrspolizeichefin stellt angesichts der Tatsache, dass sich bei fast jedem vierten Verkehrsunfall einer der Beteiligten seiner Verantwortung entzieht, weiter klar: „Die Folgen für die Beteiligten sind immens. Neben dem finanziellen Schaden, der nicht selten in die Zehntausende geht, sind es gerade die seelischen Folgen, die zurückgelassene Verletzte oft ihr Leben lang begleiten und unsere Ermittler noch mehr motivieren, die Unfallverursachenden zu identifizieren.“ Den Spezialisten der Verkehrspolizei ist es gelungen, 49 Prozent der Unfallfluchten mit Verletzten und 32 Prozent der Unfallfluchten mit Blechschäden aufzuklären. Hinter den Erfolgen steckt in vielen Fällen der Einsatz modernster Labortechnik. 

Radfahrunfälle sind deutlich gestiegen

Radfahren wird immer beliebter, dadurch steigen auch die Unfallzahlen.

Umweltbewusste Fortbewegungsmittel haben sich im Stadtverkehr etabliert. Ob für den Weg ins Büro oder zum nahegelegenen Supermarkt, immer mehr Menschen steigen dabei aufs Rad. Die aktuelle Pandemie hat diesen Trend zusätzlich stark beschleunigt. Radfahrunfälle sind deutlich gestiegen: Ihre Zahl nahm im vergangenen Jahr von 454 auf 508 zu. Eine noch deutlichere Steigerung gab es im Bereich der Pedelec-Unfälle. Ein Plus von fast 50 Prozent auf eine Gesamtzahl von 182 Unfällen zeigt, dass sich mit steigender Nutzerzahl auch die Unfallzahlen entsprechend entwickeln.

In 56 Prozent der Unfälle waren die Radfahrer die Verursacher, bei den Pedelecfahrern waren es 57 Prozent. Bei den Autofahrern spielt das Thema Vorfahrt eine große Rolle, denn den Zweiradfahrern wird die selbige am häufigsten genommen. Polizeidirektorin Claudia Rohde betont: „Autofahrer unterschätzen oft die Geschwindigkeiten von Zweiradfahrern und denken, ‚das reicht schon noch‘ und geben Gas. Hier appelliere ich an alle Fahrerinnen und Fahrer: Wenn Sie wieder in eine solche Situation kommen, gehen sie vom Gas, und bremsen sie. Diese wenigen Sekunden tragen elementar zur Sicherheit der Radfahrenden bei.“ 

Darüber hinaus sagte Rohde: „Der Wandel des Straßenverkehrs wird in unserer Arbeit berücksichtigt. Aus diesem Grund legen wir auch einen besonderen Fokus auf die Verkehrsprävention. Es ist uns wichtig, dabei alle Verkehrsteilnehmer zu erreichen. Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger – sie alle teilen sich in Stuttgart einen begrenzten Verkehrsraum. Ich wünsche mir deshalb ein Mehr an gegenseitiger Rücksicht und Achtsamkeit, damit alle sicher ans Ziel kommen.“

Unfälle mit E-Scootern

Mit Einführung der Elektrokleinstfahrzeugeverordnung im Juni 2019 hat sich das Stadtbild insbesondere in Großstädten verändert. E-Scooter sind gerade bei jungen Menschen für die sogenannte „letzte Meile“ durchaus beliebt, bergen aber auch große Gefahren. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 20 Stundenkilometern bewegen sich E-Scooter-Fahrer in der Regel so gut wie ungeschützt fort.

Insgesamt kam es im Stadtgebiet zu 44 Verkehrsunfällen mit Beteiligung von E-Scootern. In 29 Fällen gab es auch Verletzte, was einem Anteil von rund 67 Prozent ausmacht. Fünf E-Scooter-Fahrer verletzten sich schwer. Das leichtsinnige Unterschätzen von Gefahren und das Überschätzen eigener Fähigkeiten, häufig gepaart mit mangelnder Rechtskenntnis, spielt bei den Unfallzahlen eine wichtige Rolle.

Zwar erwecken E-Scooter optisch den Eindruck eines Spielzeugs, rechtlich gesehen sind sie jedoch als Kraftfahrzeug eingestuft. Deshalb gelten dieselben Promillegrenzwerte wie bei Autofahrten. Bereits ab 0,3 Promille können empfindliche Strafen, ein Fahrverbot oder gar der Entzug der Fahrerlaubnis drohen. „Unwissenheit schützt auch den E-Scooter-Fahrer nicht vor Strafe“, so die Polizeidirektorin, die gleichzeitig darauf hinwies, dass die Präventionskampagne „#rideitright“ wesentlich zur Aufklärung der Nutzer beitragen könne.

Der Bericht des Polizeipräsidiums zur Unfalllage 2020 ist unter  www.ppstuttgart.polizei-bw.de/statistiken/ (Öffnet in einem neuen Tab) abrufbar.

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